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Ist die Prignitzer Dehoga tot? : Wirte vermissen ihren Verband

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gastwirte sind sauer, manche moderat in ihrer Kritik / Tourismusverband wünscht Rückkehr zu gemeinsamen Aktivitäten

von
erstellt am 02.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Gibt es eine Wildwoche? Nicht einmal darüber herrscht Klarheit. Schon gar nicht herrscht Übereinstimmung zwischen dem, was Gastronomen wünschen und dem, was ihr Hotel- und Gaststättenverband Dehoga leisten möchte.

Nicht jeder mag so weit gehen wir Lutz Lange, als geschäftsführender Gesellschafter der Ölmühle in Wittenberge: „Die Dehoga hat ihre Existenzberechtigung im Kreis verloren“, sagt dieser. Der Verband sei in seiner Wirkung, in seiner Arbeit nicht mehr zu spüren. „Die Zusammenarbeit der Wirte im Rahmen des Stammtisches war gut und erhaltenswert, doch jetzt gibt es die Zusammenkünfte viel zu selten“, sagt Lutz Lange, der für das Hotel Alte Ölmühle und das dazugehörige Restaurant spricht.

In diesem Jahr werde nicht einmal mehr die Wildwoche vom Verband koordiniert. „Das war vier Jahre lang eine coole, durch Regionalität gekennzeichnete Geschichte“, so Lutz Lange. Sohn Jan, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, hat es in die eigenen Hände genommen: „Im September sollte es eine Information vom Verband geben, ich habe mit dem Prignitzer Vorsitzenden Hans-Jürgen Kiefer darüber gesprochen. Doch die Info kam nicht“, sagt er. Daraufhin habe er für den 18. Oktober einen Wildabend mit Speisen und einer musikalischen Untermalung durch Jagdhornbläser organisiert.

Lutz Lange spricht von einem Verlust, falls es die Wildwoche nicht mehr geben sollte. Er habe persönlich mit der Dehoga gesprochen, Unterstützung auch durch den Wachstumskern angeboten. „Wir wollen zusammenarbeiten, suchen Partner, aber die Dehoga scheint nicht mehr unser Partner sein zu wollen“, so Lutz Lange.

Deutlich die Kritik von Knut Jessen, Burghotel Lenzen: „Ja, der Verband ist tot, die Verbandsarbeit läuft nicht mehr.“ Als Bodo Rückschlag im Frühjahr 2012 als Prignitzer Geschäftsführer sein Amt aufgegeben habe, hätten die Probleme begonnen. Wirtestammtische werden kaum noch besucht, Öffentlichkeitsarbeit gibt es gar nicht mehr, übt Jessen Kritik. „Der Verband veraltet und kann ohne Aktivitäten keine Mitglieder gewinnen“, so Jessen.

Sicher könnten die Gastwirte zeitlich nicht jedes Angebot, nicht jedes Treffen annehmen, aber es sollte mehrere Offerten im Jahr geben.

Moderater äußert sich Dietmar Dahse vom Kuhstall in Glövzin. „Unter Bodo Rückschlag lief es glänzend“, sagt er. Sein Nachfolger Henry Tygör sei beruflich anders eingebunden, habe keine volle Stelle in der Prignitz. „Es mag sein, dass der Verband einen toten Eindruck macht, aber das hängt auch von der Aktivität seiner Mitglieder ab, denn der Verband ist ihr Interessenvertreter“, sagt Dahse.

Er selbst bringe sich zwar in den Verband ein, „aber ein glänzender Mitstreiter bin ich auch nicht. Im Zweifelsfall geht der eigene Betrieb vor“, sagt er. Dabei sei der Verband immens wichtig. „Wir müssen unsere Stimmen bündeln wenn wir auf Landes- oder Bundesebene unsere Interessen verteidigen wollen. Das geht aber nur mit dem Verband.“

Toralf Imm vom Düpower Gasthof möchte sich öffentlich nicht groß äußern, sondern fasst seine Kritik so zusammen: „Ich bin enttäuscht von der Verbandsarbeit, jeder kocht nur noch sein eigenes Süppchen. Es gibt Probleme in der Kommunikation zwischen uns Wirten und dem Verband.“

Die Misstöne hört auch der Tourismusverband Prignitz. Dass die Wildwoche ausfalle, sei nicht schön, so Geschäftsführer Uwe Neumann. „Für die Region brauchen wir gemeinsame Aktivitäten. Das müssen wir wieder in den Griff bekommen“, sagt er und wollte das auch auf dem gestrigen Wirtestammtisch in Pritzwalk so formulieren.

Sein Verband könne nicht einzelne Interessen der Wirte vertreten. Es müsse auch nicht Wild sein, sondern der „kleinste gemeinsame Nenner“, den die Wirte finden. Nur solche Aktionen ließen sich überregional vermarkten. Es gehe um Aktionen, die am Ende für den Touristen einen perfekten Tag ergeben. „Wildbeobachtung, Jagdhornbläser und ein Wildgericht können so ein perfekter Tag sein“, nimmt Neumann Bezug auf das bisherige Konzept der Wildwoche.

Interview

„Der Verband lebt“

Mitglieder waren verwöhnt, aber veränderte Strukturen  zwingen zu anderen Arbeitsweisen

Am Rande des gestrigen Wirtestammtisches in Pritzwalk sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit  Hans-Jürgen Kiefer, Dehoga-Kreisvorsitzender  und Henry Tygör, Leiter der Geschäftsstelle Nord. Sie weisen Kritik zurück.

Herr Tygör, mit welchen Zielen haben Sie Ihre Aufgabe vor zwei Jahren übernommen?
Henry Tygör: Wir sind nicht der Organisator von  Veranstaltungen, aber wollen den Qualitätsgedanken weiter verfolgen. Regionalität spielt dabei eine wichtige Rolle. Bei den Mitarbeiterschulungen ist die Prignitz schwach, die Resonanz auf Seminare gering. Das müssen wir verbessern.
Wirtestammtische gehören also nicht mehr dazu?
Henry Tygör:
Sie haben in den 90er Jahren eine große Rolle gespielt, heute weniger. Meine Arbeit darf man nicht mit der meines Vorgängers Bodo Rückschlag vergleichen.
Was ist der Unterschied?
Henry Tygör:
Herr Rückschlag hatte eine  Dehoga-Geschäftsstelle in der Prignitz geleitet. Ich habe einen Vertrag über 15 Wochenstunden und bin für ganz Nordbrandenburg zuständig. So hat es der Landesverband entschieden.
Wie bewerten Sie die Situation im Kreisverband?
Hans-Jürgen Kiefer:
Unsere Mitglieder wurden zehn Jahre lang durch Bodo Rückschlag an die Hand genommen. Das war ein Privileg, das es nirgendwo sonst in Deutschland gibt. Das ist jetzt anders und damit ist nicht jeder zufrieden. Der Stammtisch wird wegfallen und für 2015 hat der Bundesverband noch straffere Strukturen angekündigt.
Wird es eine Wildwoche geben?
Hans-Jürgen Kiefer:
Ja und der Termin ist den Gastwirten bekannt, ein Pressegespräch dazu folgt noch.
Aber was läuft schief?
Hans-Jürgen Kiefer:
Wir haben gedacht, das ist ein Selbstläufer. Wir haben die Wildwoche über Jahre aufgebaut, jeder Wirt kennt seine Ansprechpartner. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sie ausgestaltet. Keinesfalls sollte die Wildwoche einschlafen.
Fühlen Sie sich im Stich gelassen?
Henry Tygör:
Ja.
Hans-Jürgen Kiefer: Das kann man so sagen.
Was sagen Sie denjenigen, die behaupten, die Dehoga im Kreis ist tot?
Hans-Jürgen Kiefer:
Sie vergleichen uns mit der Zeit Bodo Rückschlags. Die Prignitz ist nicht anders aufgestellt, als  andere Landesteile. Die Dehoga hat sich verändert, aber lebt.
Henry Tygör: Wären wir tot, würden wir keine Häuser klassifizieren oder uns nicht um Rechtsstreitigkeiten kümmern. Fast täglich nutzen Mitglieder Leistungen unseres Verbandes.
Es heißt, der Kreisverband ist im Umbruch.
Hans-Jürgen Kiefer:
Wir wollen ihn neu formieren, nachdem Mitglieder ausgeschieden   oder inaktiv sind, und wir wollen ihn verjüngen.
Möchten Sie diesen Prozess begleiten?
Hans-Jürgen Kiefer:
Ja, aber ich wehre mich nicht gegen Neuwahlen.
Danke für das Gespräch.

 


 

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