Perleberg-Festival : Wird 20. Festival der Schlussakkord?

Ulrike Ziebell und Uwe Steuer lassen optisch 20 Jahre Perleberg-Festival Revue passieren.
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Ulrike Ziebell und Uwe Steuer lassen optisch 20 Jahre Perleberg-Festival Revue passieren.

Gespräch mit Uwe Steuer vom Freundeskreis und Ulrike Ziebell, Sachbereichsleiterin Kultur bei der Stadt

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27. Mai 2017, 05:00 Uhr

20 Jahre Perleberg-Festival. Jubiläum und wo möglich Schlussakkord am 10. Juni? Redakteurin Doris Ritzka sprach mit den Machern – Ulrike Ziebell, als Sachbereichsleiterin Kultur die Verwaltung vertretend, und Uwe Steuer vom Freundeskreis.

Herr Steuer, Sie sind in unserer Runde der einzige, der von Anbeginn dabei war.
Uwe Steuer: Dabei war ich, aber als Freundeskreis traten wir erst vor 17 Jahren auf den Plan.

Wer war dann der Ideengeber für dieses Event?
Uwe Steuer: Das Haus der Kultur Potsdam wollte ein Festival für Lied, Folk und Weltmusik initiieren. Und das in einer historischen Altstadt. So kam man offensichtlich auf Perleberg. Rund 200 000 DM standen zur Verfügung, Geld spielte also keine Rolle, man konnte aus dem Vollen schöpfen. Und so war alles auch ganz schön überdimensioniert.

Zum Beispiel?
Man hatte eine 20 mal 10 Meter große Bühne, und der Große Markt als Spielort will auch erst einmal gefüllt sein. Alles war eben groß bis hin zu der Anzahl der Auftrittsorte. 13 Bands spielten zwei Tage.

Offensichtlich mit durchschlagendem Erfolg. Die Konzerte waren gut besucht.
Drei Jahre, dann verabschiedete sich Potsdam aus und von diesem Projekt. Die ABM-Stelle bei der Stadt, die eigens dafür geschaffen worden war, endete gleichso.

Es ging aber weiter.
Stimmt, Thomas Domres (Die Linke) plädierte damals dafür, so ein Projekt, das sich schon einen Namen gemacht hatte, nicht sang- und klanglos sterben zu lassen. Da wurden wir geboren – der Freundeskreis.

Wer steht für das Wir?
Das ist ein harter Kern von so um die acht Musikbegeisterten, die fortan die Organisation des Festivals ehrenamtlich in die Hand nahmen. Allerdings mit nur noch einem Zehntel an Geld.

Ulrike Ziebell: Der Freundeskreis übernahm den organisatorischen Part, die Stadt den finanziellen. Beide versuchten wir, Sponsoren für unser Projekt zu begeistern. Als Stadt kümmerten wir uns insbesondere um Fördermöglichkeiten.

Für den Besucher änderte sich aber nichts, oder?
Uwe Steuer: Der merkte, wenn überhaupt, wenig davon. Der Name war der gleiche, die Spielorte die selben, die Anzahl der Bands, und das Programm ging weiterhin über zwei Tage. Qualität anzubieten, das hatten wir uns auf die Fahnen geschrieben, und da machten wir auch keine Abstriche. Alle waren mit Engagement und Herzblut bei der Sache. Unser Vorteil: Wir brauchen mit dem Event kein Geld zu verdienen, insofern nahmen wir uns auch die Zeit, um die Spielorte herzurichten, die Bands zu betreuen. Aus dem harten Kern wurden in der heißen Phase viele. Freunde, Bekannte und zumeist machte die ganze Familie mit. Sonst wäre es auch nie zu schaffen gewesen.

Ein nahtloser Anschluss klappte. Zumindest die ersten Jahre. Doch dann kam der Knick, stand das Festival 2010 fast vor den Aus.
Uwe Steuer: Perleberg hatte mal so um die 20 000 Einwohner, jetzt sind es noch 12 000. Die beim Festivalstart so Ende 30 waren, zählten inzwischen zu den 50ern. Zwei Tage von Spielort zu Spielort zu wandern, ist da nicht mehr jedem sein Ding. Vielleicht ist das Angebot in der Region inzwischen auch zu umfangreich geworden, der Anspruch an Kultur hingegen kleiner. Jedenfalls gingen die Besucherzahlen immer mehr zurück.

Auch bei den Stadtverordneten stieß eine Fortsetzung auf ein geteiltes Echo. Für die Stadt war das Festival immer mehr ein Zuschussgeschäft.
Ulrike Ziebell: Das ist Kultur zumeist. Fördermittel waren aber in jedem Jahr ein Kampf. Letztlich fiel die Entscheidung für den Fortbestand. Ein grundlegend neues Konzept wurde gestrickt.

Uwe Steuer: Festival an einem Tag. Verkürzter Auftritt der Bands, dafür zweimal, an weniger Spielorten. Drei, dafür ausschließlich historische, sind es inzwischen. Eben klein aber fein.

Ulrike Ziebell: Auch werbetechnisch sind wir andere Wege gegangen, haben insbesondere auch die neuen Medien verstärkt genutzt.

Trotzdem könnte das 20. Perleberg-Festival, das letzte sein, oder?
Uwe Steuer: Könnte es, die Bürgermeisterin hat so etwas durchblicken lassen, was für uns als Freundeskreis, der mitten in der Vorbereitung des 20. steckt, nicht gerade motivierend ist.

Ulrike Ziebell: Viel hängt jetzt davon ab, wie das 20. Perleberg-Festival ankommt. Fakt ist aber, aus dem Haushalt 2018 ist es erst einmal raus. Insgesamt wurde aber mehr Geld für die Kulturförderung eingestellt. Man soll nie, nie sagen.

Und wenn doch?
Uwe Steuer: Dann ist es so.

Herr Steuer, was hat Sie in all den Jahren am meisten fasziniert?
Wenn man glaubte, jetzt kann bestimmt nichts mehr schief gehen, das nächste Festival belehrte einen eines Besseren. Ein Jahr reiste eine Band ohne Schlagzeug an. Dann musste aus dem kurzen Halt Bühnengarderobe für einen Musiker besorgt werden. Denn seine hatte er vergessen. Sonnabendnachmittag fiel auf, dass die Butter fürs Catering fehlte. Und so gab es jedes Jahr irgend etwas, was erst für Aufregung sorgte und dann für Lacher.

„The Best of 20 years Perleberg-Festival“, davon hat man sich schnell verabschiedet.
Uwe Steuer: Kein Wunder bei 260 Bands, die in der Zeit ihren Auftritt hatte, wäre das gar nicht möglich.

Herr Steuer, welches Event ist Ihnen dennoch besonders in Erinnerung geblieben?
Die Frage kann ich nicht beantworten. Was mich aber fasziniert hat, war etwas anderes. Wir waren gelernte Ossis, an Schallplatten von unseren Idolen kam man nur über Westbeziehungen. Auf einmal holten wir sie aber auf die Bühne.

Danke für das Gespräch

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