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Der Prignitzer

18. November 2017 | 19:03 Uhr

"Wir wollen nicht nach Meyenburg"

vom

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erstellt am 14.Feb.2013 | 09:22 Uhr

Berge | Geht es nach dem Willen der rund 60 Einwohner, die am Dienstagabend zur Versammlung in die Aula der Berger Schule kamen, dann soll - verwaltungstechnisch - alles so bleiben, wie es ist, sprich die eigenständige Gemeinde Berge im Amt Putlitz-Berge. Sollte die Landesregierung angesichts weiter zurückgehender Bevölkerungszahlen größere Verwaltungseinheiten fordern, dann wolle man keinesfalls eine Fusion mit dem Amt Meyenburg, sondern sich in die Gemeinde Karstädt eingliedern und dafür die Eigenständigkeit als Gemeinde aufgeben.

Vorangegangen war diesem Votum eine teilweise kontrovers geführte Diskussion. Bürgermeister Werner Eckel bemühte sich zwar, sachlich den aktuellen Stand und die gesetzlichen Möglichkeiten aufzuzeigen, aber er hatte es schwer angesichts des Misstrauens, weil "hier alles hinter verschlossenen Türen über unsere Köpfe hinweg" entschieden wird. Doch worum geht es eigentlich?

Seit rund zwei Jahren führt eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Ämter Putlitz-Berge und Meyenburg, Gespräche hinsichtlich einer eventuellen Fusion. Dabei gehe es nicht um heimliche Absprachen, sondern darum, mögliche Wege aufzuzeigen. Am Ende müssten ohnehin die Gemeindevertreter aller zu diesen Ämtern gehörenden Gemeinden darüber entscheiden, ob sie diesen Zusammenschluss wollen oder nicht, machte Eckel deutlich. Ein Bürgervotum darüber sei laut Kommunalverfassung nicht vorgesehen. Bereits zu Beginn dieser Fusionsgespräche hatte es in der Gemeindevertretung aber Meinungen gegeben, man müsse solche Gespräche auch mit der Gemeinde Karstädt führen. So kam es zu einem Treffen, an dem Vertreter aus Berge sowie aus den Gemeinden Pirow und Gülitz-Reetz teilnahmen. "Und was ist dabei rausgekommen", wollten Einwohner am Dienstagabend wissen. "Wir wollten eine Arbeitsgruppe bilden", antwortete Berges Gemeindevertreter Hartmut Lossin.

Er hatte gemeinsam mit vier weiteren Abgeordneten diese Informationsveranstaltung beantragt, unter anderem, um die Meinung der Einwohner zu erfahren. Warum die Arbeitsgruppe damals nicht gebildet wurde, diese Frage wurde allerdings nicht beantwortet. Dafür gibt es die Arbeitsgruppe jetzt, bestehend aus Bürgermeister Eckel und den Gemeindevertretern Sybille Viereck, Hartmut Lossin und Helge Dieckmann. So wurde es am Dienstagabend beschlossen. Allerdings hatte Eckel zuvor zu erklären versucht, dass die Gemeinde Berge alleine nicht so ohne weiteres mit Karstädt fusionieren könne, denn es gebe einen unbefristeten Vertrag mit dem Amt Putlitz-Berge. Danach könne Berge aus diesem Amt nur entlassen werden, wenn alle anderen Gemeinden zustimmen. Und das sei unwahrscheinlich angesichts der ohnehin nur knappen Einwohnerzahl: Derzeit leben etwas mehr als 5000 Bürger im Amt, ein nicht geringer Teil davon in der Gemeinde Berge.

Was nun wird, ist offen. Dass die Potsdamer Landesregierung aber eine Gemeindegebietsreform anstrebt, um größere Verwaltungseinheiten zu schaffen, ist ein offenes Geheimnis. Nicht ohne Grund werden für fusionswillige Ämter 500 000 Euro Prämie in Aussicht gestellt. Das Echo darauf ist aber eher verhalten. Lediglich zwei Ämter im Süden des Landes haben sich bislang zusammengeschlossen.

Ungeachtet dessen dürfte es nach den Landtagswahlen 2014 eine weitere Verwaltungsreform geben, nämlich den Zusammenschluss von Kreisen. Jüngste Veröffentlichungen zeigen, dass die Prignitz bei der kleinen Variante mit Ostprignitz-Ruppin einen neuen Kreis bilden würde, bei der großen Variante käme noch Oberhavel dazu, reichte der Kreis dann bis ins Randberliner Gebiet. In Berge war die Sorge vor großen Gemeindezusammenschlüssen schon jetzt zu spüren. "Dann müssen wir später bis Pritzwalk fahren. Historisch sind wir aber mit Karstädt und Perleberg verbunden."

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