Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule Wittenberge : „Wir wollen den Kindern helfen“

Haben immer ein offenes Ohr für ihre Schüler: Mohammed Mazen Houkan und Entisar Karkokli (r.).
Foto:
Haben immer ein offenes Ohr für ihre Schüler: Mohammed Mazen Houkan und Entisar Karkokli (r.).

Entisar Karkokli und Mohammed Mazen Houkan begleiten als Hilfslehrer an der Jahnschule Kinder mit Migrationshintergrund

von
04. Januar 2018, 12:00 Uhr

Für Kerstin Schulz, Leiterin der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule, sind Entisar Karkokli (27) und Mohammed Mazen Houkan (40) unverzichtbare Kollegen. Die beiden Syrer sind seit Oktober als Hilfslehrer angestellt. „Wir kümmern uns um die ausländischen Kinder und möchten ihnen helfen“, sagt Houkan.

Ihm und seiner Kollegin macht die Arbeit sichtlich Spaß. Sie unterrichten Deutsch als Zweitsprache (DAZ), dafür gibt es an der Jahnschule drei Klassen mit insgesamt 21 Kindern, die noch einmal in unterschiedliche Sprachniveaus unterteilt sind. Entisar Karkokli hat die DAZ 3 mit den Kindern, die am besten Deutsch beherrschen. Mohammed Mazen Houkan betreut die DAZ 2 und Marina Leiling hat die DAZ 1.

Insgesamt besuchen 52 Kinder aus Flüchtlingsfamilien die Einrichtung in der Johannes-Runge-Straße. „Einige von ihnen waren schon seit Jahren nicht mehr in der Schule und wissen gar nicht, was sie machen sollen“, erzählt Mohammed Mazen Houkan. Teilweise seien die Schulen in Syrien und Afghanistan zerstört. Die beiden syrischen Grundschullehrer, die ihren Beruf auch schon in ihrer Heimat ausübten, sind Brückenbauer. Sie helfen den Schülern, Deutsch, Englisch, Mathe oder auch Kunst zu lernen und übersetzen die Mitteilungen der Schulverwaltung für die Eltern auf Arabisch. Einige Kinder sprechen auch mal über ihre Kriegserlebnisse, öffnen sich den Lehrern, die ihre Muttersprache beherrschen, eher als den deutschen Pädagogen. „Aber wir sind eher dazu da, ihnen etwas beizubringen“, sagt Houkan.

Der Vater von drei Kindern stammt aus Aleppo, der syrischen Stadt, die durch die Kriegshandlungen besonders in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Seit November 2015 ist er mit seiner Familie in Deutschland. Seine einjährige Tochter ist hier geboren. „Das war eine kuriose Begebenheit“, sagt Kerstin Schulz lachend, „Frau Karkokli saß bei mir im Unterricht zur Hospitation und hatte ständig ihr Smartphone in der Hand. Ich überlegte, ob ich etwas sage. Dann stellte sich heraus, dass sie mit der Frau von Herrn Houkan schrieb, die gerade in den Wehen lag“. Entisar Karkokli ist die beste Freundin der Frau ihres Kollegen, der an dem Tag auf Arbeit nicht zu erreichen war. Die Situation klärte sich auf und das Mädchen kam wohlbehalten auf die Welt.

Entisar Karkokli lebte in Deir ez-Zor im Osten Syriens. Im Oktober 2015 kam sie zusammen mit ihrem Bruder und seiner Familie nach Deutschland. „Ich möchte alles wissen, die Kultur und das Leben kennen lernen. Man sollte sich nicht verschließen“, sagt die junge Frau in sehr gutem Deutsch. „Sie fragt immer sehr viel, ist für alles offen“, bestätigt Kerstin Schulz. Dass ihre junge Kollegin ein Kopftuch trägt, ist für die deutschen Schüler kein Problem. „Sie kennen mich nur so“, meint Entisar Karkokli lächelnd.

Der Kontakt zur Jahnschule besteht seit vergangenem Jahr, als die Beiden ehrenamtlich dort arbeiteten. Sie absolvierten über vier Monate ein Praktikum. Dann gab es von der Uni Potsdam und dem Landesbildungsministerium ein Programm für syrische Lehrer. Täglich fuhren Entisar Karkokli und Mohammed Mazen Houkan um 5.30 Uhr mit dem Zug nach Potsdam, wo sie einen Deutsch-Intensivkurs absolvierten sowie Seminare, zum Beispiel in Pädagogik. Das Programm endete diesen September. „Falls wir die nötigen Weiterbildungen erhalten und unser Deutsch noch besser wird, könnten wir vielleicht dauerhaft als Lehrer in Brandenburg arbeiten“, hofft Mohammed Mazen Houkan. Denn ihre Stellen sind zunächst für ein Jahr befristet. Doch für Kerstin Schulz ist klar: „Wir brauchen sie. Sie sorgen dafür, dass Kinder, die sehr schüchtern sind, regelrecht aufblühen. Ich möchte die Beiden nicht missen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen