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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 13:10 Uhr

"Wir sind sehr froh, dass es dich gibt"

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erstellt am 25.Jan.2012 | 12:20 Uhr

Perleberg | Auf der Sonnenseite des Lebens stehen die Bergmanns nicht gerade. Seit einigen Jahren wird die Familie vom Schicksal gebeutelt, einem Unglücksfall folgt der nächste: Ruth Bergmann hatte vor drei Jahren Darmkrebs, leidet noch heute unter den Folgen der Operationen. Zudem ist sie Asthmatikerin. Ihr schwer kranker Mann Hans-Joachim sitzt im Rollstuhl. Seit kurzem macht sein Herz nicht mehr richtig mit, er ist auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Der gemeinsame Sohn Jens liegt seit einem schweren epileptischen Anfall im Pflegeheim, ist nicht mehr ansprechbar.

Ein schweres Los, das die Familie aus Perleberg trägt. Wäre da nicht Tochter Evelin Bergmann. Ruth und Hans-Joachim wüssten nicht, wie sie ihr Leben händeln sollten. "Evelin hilft uns, wo sie kann, ist immer für alle da", sagt die Mutter. Darum fackelte sie nicht lange, als unsere Zeitung gemeinsam mit Lotto Brandenburg zum Pechtag "Freitag, den 13." zur Glückspilzsuche aufrief: Gesucht wurden Menschen, die sich besonders engagieren und hilfsbereit sind. Jeder konnte seinen persönlichen "Glückspilz" vorschlagen. Für Ruth Bergmann war klar: "Da kommt für mich nur Evelin infrage." Die 64-Jährige nahm teil - und gewann bei der Auslosung. "Glückspilz" Evelin Bergmann kann sich nun über exakt 713,13 Euro von Lotto Brandenburg freuen. Dazu erhält sie ein Los der Glücksspirale für vier Wochen einschließlich der Zusatzlotterien Spiel 77 und Super 6.

"Damit habe ich ja im Leben nicht gerechnet", freut sich die 44-Jährige. Sie hat auch schon eine Idee, was sie mit dem Gewinn machen wird: "Ich fahre mit meiner Enkeltochter ins Fantasialand", verrät die junge Omi. Für die kleine Zoe ist sie ein Mutterersatz: Sie spielt mit ihr, fährt mit dem Mädchen ins Schwimmbad, bringt es zur Kita, wenn ihr alleinerziehender Sohn arbeiten muss.

Alle ein oder zwei Wochen besucht sie gemeinsam mit Mutter Ruth und ihrem Neffen ihren Bruder Jens im Pflegeheim in Sachsen-Anhalt. "Am 2. Mai 2011 ist er bei uns zu Hause zusammengebrochen", sagt Evelin Bergmann. Augenblicke zuvor warnte er sie noch: "Ich glaube, ich bekomme gleich einen Anfall." Hilflos musste sie mit ansehen, wie sich der Körper ihres Bruders verkrampfte, er blau anlief. Sein Herz setzte aus. "Mein Mann rief gleich den Notarzt", erzählt die Mutter. Der Bruder überlebte, liegt seither im Koma. "Anoxischer Hirnschaden" lautet die Diagnose der Ärzte. Niemand kann den Bergmanns sagen, ob sich Jens noch weiter erholen wird. Schwester Evelin kümmert sich um alle bürokratischen Angelegenheiten ihres Bruders. Sie redet auch mit den Ärzten und tröstet ihren Neffen Paul: "Er fragt immer, wann sein Papa wieder aufwacht", sagt sie traurig.

Obwohl sie 20 Stunden pro Woche als Pflegehelferin arbeitet, nimmt sich Evelin Bergmann Zeit für ihre hilfebedürftigen Eltern: Dem Vater wurden beide Füße amputiert. Sein Herz arbeitet nur noch zu 40 Prozent. Der Mutter fehlt die Kraft, um sich um alles zu kümmern. So bleibt vieles an der Tochter hängen: "Sie macht für uns Besorgungen, kümmert sich um meinen Mann, fährt mich zum Arzt", zählt die Mutter auf. Die 44-Jährige macht es gerne, sagt aber auch: "Manchmal wird mir das alles zu viel, dann werde ich richtig deprimiert und denke, dass ich dem allen nicht mehr gerecht werden kann." Dann steigen ihr die Tränen in die Augen. Ihre Mutter legt tröstend den Arm um sie: "Wir sind sehr froh, dass es dich gibt".

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