„Zur Perle am Berge“ : Wir sind keine Sekte, keine Religion

Diese Tafel befindet sich am Freizeitzentrum „Effi“.
Diese Tafel befindet sich am Freizeitzentrum „Effi“.

„Zur Perle am Berge“ – Perleberg in der Tradition der Freimaurer/Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Weltkugel-Stiftung

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24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Die „Große Nationalmutterloge zu den 3 Weltkugeln“ erteilt am 3. März 1828 die Genehmigung zur Gründung der Perleberger Loge. Die Einweihung der Loge „Zur Perle am Berge“ erfolgte am 10. November 1829. Von den Nazis verboten, zu DDR-Zeiten eine Wiedergründung nicht zugelassen, strebt man heute wieder eine Belebung der Perleberger Loge an. Redakteurin Doris Ritzka unterhielt sich dazu mit Johannes Münch, Vorstandsvorsitzender der Weltkugel-Stiftung.

Freimaurer – sie umgeben eine gewisse Mystik, man verbindet sie schnell mit einer Sekte.
Johannes Münch: Wir sind weder eine Sekte noch eine Religion. Toleranz ist unser oberstes Gebot, wir sind für alle offen.

Wer kann der Loge beitreten?
Jeder freie Mann, der guten Rufes ist. Wobei gesagt werden muss, dass es in Deutschland inzwischen auch eine sehr aktive Frauenloge gibt.

Sein Sparbuch muss man also nicht abgeben?
Um Gottes Willen, der finanzielle Aspekt spielt keine Rolle. Zu unseren Geboten zählt vielmehr, dass in der Loge keine Geschäftsbeziehungen geknüpft und keine Geschäfte unter den Brüdern gemacht werden dürfen.

Sie sagen, das Ansinnen der Freimaurer ist so aktuell wie eh und je. Warum?
Die modernen Freimaurer stehen für die Zeit der Aufklärung, für die Grundsätze Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz. Wir sind kein Geheimbund, der die Weltherrschaft anstrebt.

Sondern?
Jeder strebt an, an sich selbst zu arbeiten. Wir sprechen von der Arbeit am rauen Stein, so auch die Symbolik der Freimaurer.

Wie kamen Sie auf Perleberg?
Nach der Wende stellte die Großloge den Antrag, die 62 Logenhäuser, die es auf dem Gebiet der damaligen DDR gab, wieder rückübertragen zu bekommen. Darunter auch das Perleberger. Der Glücksfall hier: Das Gebäude, heute beherbergt es das Freizeitzentrum, war all die Jahre immer von der Stadt genutzt worden. Relativ schnell konnte mit ihr so ein Erbbaurechtvertrag über 30 Jahre abgeschlossen werden.

Die Zeit dürfte demnächst aber rum sein. Und dann?
Wir sind im Gespräch und bestrebt, Nutzung und Vertragserhalt langfristig fortzuführen. In den meisten Häusern hat sich inzwischen auch eine Loge wieder gegründet. Wir spüren, dass insbesondere junge Menschen sich mit der Sinnsuche beschäftigen und freuen uns über jeden, der den Weg zu uns findet.

In Perleberg gab es 1993 einen solchen Versuch. Der verlief aber im Sande. Wie wollen Sie jetzt für die Loge das Interesse wecken?
Gemeinsam mit dem Stadt- und Regionalmuseum laden wir zu der Reihe „Gespräche im Logenhaus“ ein. Heute findet das erste statt. Unter dem Blickwinkel der Geschichte der Perleberger Loge „Zur Perle am Berge“ wollen wir uns und unser Ansinnen vorstellen und natürlich Interesse wecken. Und gibt es an einer Wiedergründung Interessierte, hat sich die Güstrower Loge bereit erklärt mitzuhelfen, sie in Perleberg wieder ins Leben zu rufen.

Was kann man sich unter der Arbeit einer Loge vorstellen?
In maurischer Kleidung – schwarzer Anzug, Hut, weiße Fliege oder Krawatte – finden die ritualen Zusammenkünfte statt. Vorträge, die den Grundsatz der Freimaurer vertiefen und zugleich auch auf das eingehen, was in der Welt passiert, prägen die Arbeit.

Wie nimmt man die Loge in der Öffentlichkeit wahr?
Natürlich fühlen auch wir uns caritativen bzw. gemeinnützigen Zielen verbunden. Gelder, die nach der Arbeit als sogenannte „Gaben der Liebe“ gesammelt werden, setzt die Loge dann dafür ein. Die Brüder wirken zudem durch ihr Auftreten und Engagement. Perleberg selbst hat dafür hervorragende Beispiele.

Welche?
Friedrich Gedike, dessen Namen die Oberschule trägt. Als Pädagoge in der Spätzeit der Aufklärung bereitete er als aufgeklärter Bildungspolitiker der preußischen Bildungsreform den Weg. Er war Freimaurer und Mitherausgeber der Berlinischen Monatsschrift, die als bedeutendste Zeitschrift der Spätaufklärung galt.

Auch der Begründer des Perleberger Museums, der Kaufmann Wilhelm Ratig, gehörte fast 40 Jahre der Perleberger Loge an.                        

Vielen Dank!
 

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