„Wir optimieren Aufgaben“

Danuta Schönhardt
Danuta Schönhardt

Im Sozialbereich gehe es nicht um Einsparungen, betont der Landkreis / CJD will Jugendgerichtshilfe übernehmen

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31. August 2016, 10:17 Uhr

Von Einsparungen im sozialen Bereich könne nicht die Rede sein, reagiert Danuta Schönhardt auf unsere gestrige Überschrift „Kreis spart im sozialen Bereich“. „Das ist falsch dargestellt“, sagt die Geschäftsbereichsleiterin für Bildung und Jugend. „Wir sparen nicht, sondern wollen Aufgaben optimieren und die Qualität steigern“, erklärt sie.

Gewiss würden sich mit der Übergabe des Wohnheimes in Pritzwalk an die Bildungsgesellschaft Pritzwalk Personalkosten verringern, aber das seien keine Kosten im sozialen Bereich. Außerdem sei davon auszugehen, dass die zuständigen Mitarbeiter in anderen Bereichen der Verwaltung eingesetzt würden.

Man habe sich für diesen Schritt entschieden, weil es einen Bedarf an Hilfen zur Erziehung gebe. „Wir haben im Pritzwalker Raum zu wenig Angebote.“ Als Beispiele nannte sie Tagesgruppen oder erzieherischen Beistand. Daher sei man dankbar, dass die Bildungsgesellschaft als freie Trägerin ihre Angebote erweitern werde. Dadurch könne der Kreis tatsächlich Kosten und damit Steuergeld sparen. „Wenn wir Jugendliche außerhalb des Kreises unterbringen, zahlen wir teilweise 300 Euro pro Kind und Tag“, sagt Schönhardt. Das betreffe vor allem Jugendliche mit einem hohen erzieherischen Bedarf. Die Bildungsgesellschaft hingegen berechne für deren Betreuung in der Einrichtung „Spatzennest“ 170 Euro.

Das „Spatzennest“ soll in das jetzige Wohnheimgebäude integriert werden. „Dort werden aber keine Straftäter betreut“, korrigiert Danuta Schönhardt eine zweite Aussage in unserem Artikel. Zwar seien polizeiauffällige Kinder darunter, aber keine Straftäter.

In dem Haus künftig auch Kleinstkinder zu betreuen, sei ein Angebot des Trägers, was dem Kreis helfe. „Wir haben zu wenig Pflegefamilien“, begründet Schönhardt. In einer Pflegefamilie gebe es maximal fünf Plätze, selten sei mehr als einer frei. „Wir haben aber die Situation, dass wir häufig Geschwisterkinder unterbringen müssen und die sollen zusammenbleiben.“

Nach dem Jugendhilfeausschuss hatte am Dienstag auch der Bildungsausschuss zugestimmt, das Wohnheim zu übertragen. Allerdings mahnten die Abgeordneten an, zu wenig Informationen erhalten zu haben. „Diese Kritik ist berechtigt, wir werden Informationen nachreichen“, reagiert Schönhardt.


Jugendgerichtshilfe: CJD stellt Pläne vor


Ebenfalls aus qualitativen Gründen möchte der Landkreis die Jugendgerichtshilfe an einen freien Träger übergeben. Einziger Bewerber ist das CJD. Durch das Projekt Haftvermeidung durch soziale Integration (HSI) gebe es jahrelange Erfahrung in diesem Bereich, sagt Projektleiterin Andrea Wetzlmair, die das Konzept im Jugendhilfeausschuss vorstellte.

Straffällige werden innerhalb und außerhalb des Vollzugs betreut und im Rahmen ihrer Entlassung intensiv begleitet. Ziel ist es, sie bei der Suche nach Wohnung und Arbeit zu unterstützen, so Andrea Wetzlmair. Pro Jahr seien es rund 140 Klienten. Darüber hinaus werden jährlich rund 650 Geldstrafenschuldner bereut, um eine Haftstrafe zu vermeiden. Eine dritte Säule richtet sich an Straffällige zwischen 14 und 21 Jahren. In diesem Umfeld möchte das CJD die Jugendgerichtshilfe etablieren. Diese an freie Träger auszugliedern, ist rechtlich machbar, aber umstritten. Das räumt auch Danuta Schönhardt ein. „Deswegen schauen wir uns genau die Vorstellungen des Trägers an“, sagt sie.

24-stündige Erreichbarkeit, Arbeitgeberpool mit 201 Betrieben, Wohnungsgeberpool mit 52 Wohnungen, listet Wetzlmair Vorteile auf. Durch die Vernetzung mit HSI sei nur eine halbe Personalstelle nötig. „Das klingt plausibel“, meinte der Abgeordnete Gordon Hoffmann. Niemand habe in diesem Bereich mehr Erfahrung als das CJD, ergänzte Ausschussmitglied Dr. Daniel Krause-Pongratz. Es seien Leistungen darunter, die der Kreis nicht bieten könnte, sagte Danuta Schönhardt.

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