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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 14:32 Uhr

Wir lassen uns nicht länger verarschen

vom

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erstellt am 11.Okt.2012 | 05:24 Uhr

Kuhbier | Gestern Morgen 8.15 Uhr: Die Ortsdurchfahrt der B 189 in Kuhbier wird für 15 Minuten gesperrt. Mit großen Transparenten machen Kuhbierer, unterstützt von zahlreichen Anwohnern umliegender Orte und viel Politprominenz, auf ihre Forderung aufmerksam. Sie wollen endlich eine Ortsumgehung, 20 Jahre warten sind genug. "Zum 1. November sollte es endlich losgehen, sollte Baubeginn sein, hat uns der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke, bei seinem Vor-Ort-Termin am 29. August versprochen. In nur 15 Monaten sollte die Umgehung gebaut werden. Wenn nun aber erst im Dezember begonnen wird, ist erst einmal Winterpause, dann kommt 2013 der nächste Winter und alles verzögert sich noch länger. Das nehmen wir nicht mehr hin", spricht Ortsvorsteher Kurt Essel aus, was wohl die meisten Kuhbierer denken.

Denn täglich wälzt sich eine Fahrzeuglawine durch den Ort, nimmt vor allem der Schwerlastverkehr immer mehr zu, führt zu Erschütterungen und Rissen an den Gebäuden. "Wir stellen in unserem Obergeschoss gern Zimmer für die verantwortlichen Politiker in Berlin und Potsdam zur Verfügung, damit sie mal erleben, was wir hier täglich durchmachen", erklärt Familie Neumann, die in der Dorfstraße 9 wohnt.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler kann den Unmut der Kuhbierer verstehen. Sie selbst hatte sich mit Anfragen an das Bundesverkehrsministerium gewandt, wann es denn nun endlich losginge, "aber nur schwammige Antworten erhalten".

Am 28. Dezember 2011 sollte eigentlich der Funktionsbauvertrag für die Kuhbierer Ortsumgehung feierlich vor Ort unterzeichnet werden. Doch das wurde abgesagt, monatelang beschäftigte sich das Bundesverkehrsministerium mit diesem Vertragsentwurf, der besagt, dass der Auftragnehmer nicht allein für den Bau, sondern anschließend auch über einen Zeitraum von 30 Jahren für den ordnungsgemäßen Erhalt der Straße zuständig ist. Ein unsägliches Verfahren, wie es Dagmar Ziegler bezeichnet, denn wer wolle heute wissen, welche Baubetrieb in 30 Jahren noch besteht. Erst Anfang August dieses Jahres hatte es denn auch grünes Licht für den Funktionsbauvertrag gegeben, mussten nach so langer Zeit aber die Firmen angeschrieben und um neue Angebote gebeten werden. Bis 27. August sollten die Antworten eingegangen sein. Auf Wunsch der Bewerber wurde die Frist aber bis zum 10. September verlängert. Seit dem ruht still der See, erhalten die Kuhbierer keine Informationen mehr, wann und wie es nun weiter geht. "Es muss endlich auf den Punkt gebracht werden, denn das Ergebnis der Ausschreibung muss längst vorliegen", bekräftigt der Prignitzer Landrat Hans Lange. Er befürchtet, dass sich der Bau noch viel länger verzögern könnte, wenn nicht in diesem Jahr begonnen wird. "Denn im nächsten Jahr beginnt der Bundestagswahlkampf, dann sagt einer hü und der andere hott".

Pritzwalks Bürgermeister Wolfgang Brockmann hat den jüngsten BlickPunkt, mitgebracht, die Zeitung zum Wochenende aus der Landeshauptstadt. Auf der Titelseite prangt eine großes Bild, auf dem Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Susanne Melior und Jan Mücke einen Brückenneubau in Michendorf übergibt, der in nur eineinhalb Jahren Bauzeit realisiert wurde. "Wenn es im Berliner Speckgürtel geht, warum dann nicht auch bei uns, oder sind wir Menschen 2. Klasse", fragt er.

Die Stadt Pritzwalk wollte bereits 1998 gemeinsam mit der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) rechtlichen Vorlauf für den Umgehungsbau schaffen. "Doch das wurde von der Landesregierung wieder fallen gelassen", ruft Groß Pankows Bürgermeister Thomas Brandt in Erinnerung, und er prangerte den "Dilettantismus" der Potsdamer Politik an. Ob Großflughafen Schönefeld oder Landtagsbau in Potsdam, "das Ministerium hat das Heft des Handelns nicht mehr in der Hand".

"Noch am 3. Oktober hat mir Jörg Vogelsänger versichert, alles sei auf einem guten Weg für die Ortsumgehung Kuhbier", erklärte Dagmar Ziegler. Vor Ort war gestern aber weder die Landesregierung noch das Bundesverkehrsministeriums vertreten. Doch die Kuhbierer wollen endlich eine verbindliche Auskunft. Wenn nötig, werden sie dafür weiter auf die Straße gehen.

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