Jugendclub Berge : „Wir kommen vom Dorf“

Engagieren sich auch im Jugendclub Berge: Madlen Krüger, Lukas Schmidt, Patrick Behn, Tim Krüger, Oliver Pötsch und Thomas Eggebrecht.
Engagieren sich auch im Jugendclub Berge: Madlen Krüger, Lukas Schmidt, Patrick Behn, Tim Krüger, Oliver Pötsch und Thomas Eggebrecht.

Junge Leute im Alter zwischen 18 und 30 Jahren führen Jugendclub in Berge in Eigenregie. Hohe Betriebskosten-Nachzahlung lässt jetzt die Amtsverwaltung aufhorchen und fragt nach.

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09. Februar 2014, 22:00 Uhr

Was ist eigentlich los im Jugendclub Berge? Eine ganze Menge. Junge Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren treffen sich dort regelmäßig mehrmals die Woche. „Anfangs der Woche ist nicht viel los, aber ab der Mitte geht’s los. An den Wochenenden und an den Feiertagen ist es richtig voll. Viele sind von uns Pendler und kommen am Wochenende nach Hause. Man hat so einen Treffpunkt, es ist eine nette Begegnungsstätte“, sagt der 23-jährige Tim Krüger. So um die „15 Leute sind wir“. Nach dem Rückzug zuerst der Berlin-Brandenburgischen Landjugend und vor gut vier Jahren von Soziales Arbeiten und Lernen Putlitz übernahmen sie das Zepter im Jugendclub. Das allerdings war der Amtsverwaltung so nicht bekannt und wirft überhaupt die Frage auf: „Wie wird der Jugendclub genutzt, wer ist da überhaupt Ansprechpartner, steht ein Träger dahinter?“, so Hergen Reker, Kämmerer des Amtes Putlitz-Berge.

Seit Jahren legen die jungen Leute selbst Hand an, wenn etwas gemacht werden muss. Den Grill- und Parkplatz haben sie neu gestaltet, Sitzbänke draußen aufgestellt, Dachrinne erneuert, innen umgebaut und das Mobiliar sowie elektrische Geräte wie Kühlschrank, Fernseher teils angeschafft. „Jeder bringt mal was mit, so hat man seine sieben Sachen dann zusammen“, meint die 26-jährige Madlen Krüger. Im Erdgeschoss sitzt man an der Theke oder in der kleinen Sitzecke, im Untergeschoss ist ein großer Raum, wo auch ein Billardtisch steht. In den Wintermonaten wird er kaum genutzt. Die Heizkosten niedrig halten, heißt die Devise. Genauso heizen die jungen Leute erst hoch, wenn der obere Raum genutzt wird. „Vor zwei Jahren haben wir auf Energiesparbirnen umgestellt“, erklärt Tim Krüger. Sie versuchen, Kosten zu sparen, wo es nur geht.

Das Gebäude gehört der Gemeinde und war das ehemalige Heizhaus der angrenzenden Gaststätte. So muss aber auch die Gemeinde für die Betriebskosten aufkommen. Und nun tauchten Irritationen auf. Denn plötzlich flatterte für das vergangene Jahr eine hohe Zahlung für Wasser und Strom in Höhe von rund 5500 Euro der Amtsverwaltung ins Haus. Wie das? Hergen Reker erklärte: „Der Jugendclub bezieht Wasser und Strom von der Gaststätte An ’e’ Eiche. Wasser wurde sechs Jahre und Strom drei Jahre nicht in Rechnung gestellt. So summiert sich das auf die hohe Nachzahlung.“ Und Bürgermeister Werner Eckel sagte: „Es ist nicht unsere Aufgabe, da hinterher zu rennen.“ Da die Gemeinde nicht gerade auf Rosen gebettet ist, wird jeder Kostenpunkt allerdings hinterfragt.


„Es läuft selbstständig, da müssen wir nicht kontrollieren“


Nach der Darstellung der jungen Leute auf der Gemeindevertretersitzung vor einer Woche wird der Club rund 200 Tage im Jahr genutzt. Doch da stellt sich die nächste Hürde in den Weg. „Müssen wir der älteren Jugend, die in Lohn und Brot steht, den Raum kostenfrei zur Verfügung stellen?“, so Eckel, der aber zugleich betonte: „Es gibt keinerlei Beschwerden. Es läuft selbstständig, da müssen wir nicht kontrollieren.“ So ließ man sich genau genommen in den vergangenen Jahren gegenseitig in Ruhe. Doch das eigentliche Klientel, das mit einem Jugendclub angesprochen wird, gibt es so in Berge nicht. „Mein Sohn geht in Perleberg zur Schule, wenn er gegen 17 Uhr zu Hause ist, hat er keine Lust mehr, rauszugehen“, weiß Eckel. Andere Gemeindevertreter führten an, dass sich der ein oder andere Teenager nicht traue, dahinzugehen.

„Uns ging es damals genauso. Wir sind ja schon die Nachfolgegeneration. Beim ersten Mal saßen wir auch nur still in der Ecke. Allerdings waren wir eine große Gruppe von Jüngeren. Und klar ist auch, dass wir nachmittags nicht da sind’“, sagt Stefan Schröder. Und der 18-jährige Patrick Behn, der seit gut vier Jahren regelmäßig in den Club geht, entgegnet: „Wir kommen vom Dorf.“ Soll heißen: Man kennt sich – da gibt es keinen Grund, sich nicht zu trauen. So laden die jungen Leute ein: „Bei uns kann jeder vorbeikommen, der möchte. Schließlich geht es unterm Strich ja darum, das Zusammenleben der Jugend im Gemeindegebiet zu fördern“, so Schröder. Aber sie machen deutlich: „Wir spielen hier nicht die Betreuer. Wenn sich jeder ordentlich verhält, ist jeder willkommen“, so Thomas Eggebrecht. Der 27-Jährige meint auch: „Die Gemeinde hat die Aufgabe, das soziale und kulturelle Leben zu fördern. Vielleicht sollte man es nicht mehr Jugendclub nennen, sondern Begegnungsstätte.“ Der Bürgermeister bezieht eindeutig Stellung: „Wir würden ja bei Bedarf für die jüngeren etwas machen. Für die Senioren tun wir auch etwas, warum sollten wir nicht die ältere Jugend unterstützen. Solange wir uns das leisten können….“

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