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Keine Perspektive für die Prignitz? : „Wir investieren weiter“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

WIW-Chef Lutz Lange sieht in der Studie eine Beleidigung der regionalen Unternehmer.

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erstellt am 12.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Da mag Professor Doktor Harald Simons in einer Studie des Vereins Wachstumskern Autobahndreieck Wittstock/Dosse e.V. zwar private und öffentliche Investitionen in der Prignitz als den größten möglichen Fehler bezeichnen (wir berichteten), aber davon lässt sich die Genesis GmbH nicht abschrecken.

„Wir investieren weiter“, sagt Gesellschafter Lutz Lange anlässlich der gestrigen Eröffnung der Rezeption für beide Hotels auf dem Gelände.

110 000 Euro haben die Eigentümer aus eigenen Mitteln investiert, die Zahl der Mitarbeiter in der Rezeption steigt von drei auf bis zu zehn. Insgesamt stiegt die Investitionssumme auf dem Gelände damit auf mehr als elf Millionen Euro.

Die bisherige Rezeption im älteren Hotel sei zu klein geworden. Mit Eröffnung des zweiten Hauses verdoppelte sich die Zimmerzahl auf 61, die Auslastung liegt bei 72 Prozent. Die Umsätze in eigentlich besucherschwachen Monaten wie dem November hätten sich mehr als verdoppelt. Allein vor diesem geschäftlichen Hintergrund, könne er die negativen Prognosen der Studie „Abwanderung aus Nordwestbrandenburg. Folgen und strategische Lösungen“ nicht teilen, so Lange.

Gutachter Harald Simons sagt in einem Interview des rbb der Prignitz eine düstere Zukunft voraus. Bezogen auf private Eigenheimbauten sagte er: „In zehn Jahren wohnt keiner drumherum und die Wasserversorgung kann nicht aufrecht erhalten werden.“

Diesen Aussagen widerspricht Lutz Lange als Vorsitzender Wirtschaftsinitiative Westprignitz (WIW). Am Rande der Eröffnung der Rezeption sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit ihm über die Studie.

Herr Lange, fürchten Sie um die Wasserversorgung Ihres Hotels oder des angrenzenden Eigenheimgebietes?

Lutz Lange: Natürlich nicht, das ist doch völliger Quatsch.

Wie sind die ersten Reaktionen ihrer rund 140 Mitglieder in der WIW?

Sie empfinden diese Äußerungen als eine Beleidigung und Missachtung ihrer getätigten Investitionen in den vergangenen Jahren. Aber so müssten alle Firmen des Landkreises empfinden. Das betrifft doch auch die Meyenburger Möbelwerke oder WDM in Wolfshagen.

Die Studie haben aber Unternehmen aus der Region selbst in Auftrag gegeben.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft mit der Art der Studie und ihren Ergebnissen konform gehen. Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass ein Unternehmerverband derart seine eigene Region in Frage stellt und die Mitglieder zeitgleich investieren.

Vor solchen privaten und öffentlichen Investitionen warnt Professor Simons. Nach seiner Bevölkerungs- und Wirtschaftsanalyse hat die Prignitz im Vergleich zum Kreis Ostprignitz-Ruppin kein Potenzial.

Provokant könnte ich jetzt fragen, ob es in zehn Jahren nur noch eine Wasserversorgung in Neuruppin geben wird. Stattdessen frage ich mich, wie die Landesregierung ihre Investitionen in der Prignitz jetzt beurteilt. Ich gehe davon aus, dass eine Klarstellung der Sachverhalte durch die Landesregierung erfolgen wird.

Der Vereinsvorsitzende Mike Blechschmidt hat die Studie persönlich an Finanzminister Christian Görke (Linke) übergeben und gesagt, dass Neuruppin als einzige Stadt der Region noch Zuwachs hat. Offenbar nimmt Blechschmidt die Studie ernst.

Das müssen Sie ihn selbst fragen. Vielleicht wollte Herr Blechschmidt die Landesregierung vorführen.

Anlass für die Studie war die geplante Kreisfusion mit Ostprignitz. Die Studie und Mike Blechschmidt sprechen sich klar für Neuruppin als Kreissitz aus. Perleberg als künftige Kreisstadt wäre hingegen eine vertane Chance. Wie sehen Sie das?

Alle Gespräche, die wir mit der Landesregierung zu diesem Thema geführt habe, weisen auf einen offenen und fairen Prozess hin. Daher ist für mich die Entscheidung noch nicht gefallen. Ansonsten müsste man den gesamten Reformprozess in Frage stellen.

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