Fortstwirtschaft : Winziger Schädling im Visier

Stephan Nagel, Azubi bei der Stadt Perleberg, in Aktion.
Stephan Nagel, Azubi bei der Stadt Perleberg, in Aktion.

Perleberger Stadtforst wird, wie auch andere Waldgebiete, mit Argusaugen beobachtet, um Befall durch Kiefernholznematoden auszuschließen

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01. September 2015, 22:00 Uhr

Immer, wenn eine Kiefer ohne ersichtlichen Grund abstirbt, dann schellen bei Stadtförster Stefan Koepp die Alarmglocken. Denn eine mögliche Ursache könnte der Kiefernholznematode sein – ein nur einen Millimeter großer Fadenwurm, dem in Portugal 10 000 Hektar Kiefernwald zum Opfer gefallen sind. 1999 wurde der gefährliche Schädling, für den es bis dato kein Gegenmittel gibt, erstmalig hier in Europa festgestellt. „Gott sei Dank, bei uns in Deutschland noch nicht“, so der Perleberger Stadtförster, der damit natürlich die Hoffnung verbindet, dass das so bleibt.

Denn gerade auch der Perleberger Stadtwald gelte als Risikostandort. Zum einen sind von den 1700 Hektar 85 Prozent Kiefernbestand. Zum anderen gebe es hier Steinmetzbetriebe, aber auch alle anderen, die Holz oder entsprechende Verpackungen, sprich Paletten, insbesondere aus dem asiatischen Raum importieren. Mit befallenem Holz kann der Schädling eingeschleppt werden.

In Nordamerika beheimatet, gelangte der Kiefernholznematode auf eben diesem Weg in andere Länder und Kontinente. Übertragen wird er durch andere Insekten, wie den Borkenkäfer. „EU-weit ist er als hoch gefährlich ein gestuft, das heiß, ist ein Baum befallen, muss der Bestand rundherum gefällt, entsorgt werden und die Überwachung noch engmaschiger erfolgen“, erläutert Stefan Koepp.

Deutschlandweit erfolge seit Jahren bereits eine engmaschige Überwachung, eine forsthoheitliche Aufgabe, das heißt, man ist dazu verpflichtet, den Wald hinsichtlich sogenannter Quarantäneschädlinge zu überprüfen, wie Koepp anfügt.

Auch dieses Mal hat der Stadtförster wieder einige abgestorbene Kiefern markiert. Angehende Forstwirte des dritten Lehrjahres der Oberförsterei Gadow und Stephan Nagel, der Azubi bei der Stadt Perleberg im zweiter Lehrjahr ist, übernehmen im Rahmen ihrer Ausbildung die Arbeiten zur Überwachung des Quarantäneschädlings. Betreut werden sie dabei von Forstwirtschaftsmeister Ralph Bütow.

„Baum fällt“. Kaum liegt der tote Riese auf dem Waldboden, wird unter ihm eine Plane ausgebreitet. Stephan Nagel wirft die Motorsäge an. Schier spielend frisst sie sich durch das frisch geschlagene Holz. Sorgfältig werden die Späne in der Plane aufgefangen und verpackt, ebenso wie drei Stammscheiben, die von unterschiedlichen Stellen der Kiefer genommen werden. „Das geht nun zur Untersuchung an das Labor der Phytopathologie des Landesamtes für Ernährung, Landwirtschaft und Flurneuordnung“, erläutert der Stadtförster.

Es gebe eine Reihe sogenannter Quarantäneschädlinge. Als Beispiele führt Koepp den asiatischen Laubholzbock oder den Citrusbock auf. Jene bevorzugen allerdings Laubholz und wurden auch schon in Deutschland, vor allem in Parkanlagen, nachgewiesen. Auch sie werden mit Paletten, unter Umständen aber auch mit Baumschulware importiert.

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