Winterruhe auf Feldern und Beeten

Beeindruckendes Naturschauspiel: Hunderte Kraniche rasten in diesen Tagen in Wittenberge  Foto: Reinhard Redder
Beeindruckendes Naturschauspiel: Hunderte Kraniche rasten in diesen Tagen in Wittenberge Foto: Reinhard Redder

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28. März 2013, 10:04 Uhr

Prignitz | "Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt …" - von wegen: Auf den überwiegend schneebedeckten Feldern in der Prignitz ruhen alle Arbeiten, Gartenbaubetriebe und Pflanzenmärkte leiden unter dem nicht enden wollenden Winter. Während den allermeisten Pflanzen das Wetter wenig bis gar nichts ausmacht, stehen die Landwirte in den Startlöchern, beispielsweise die bei der Agrargenossenschaft Quitzow eG. Die Kartoffelspezialisten warten, wie alle anderen, aufs Frühjahr. Noch gebe es bei den Frühkartoffeln keine Probleme, sagt Geschäftsführer Edwin Grönboldt. "2012 haben wir um diese Zeit schon gepflanzt", betont er. Derzeit seien die Knollen allerdings noch nicht in Keimstimmung, was mit der gut gesteuerten Temperatur in den Lagerräumen zu tun habe. Wer sich bereits mit Pflanzkartoffeln eindecken möchte, kann das jedoch bereits jetzt bei den Quitzowern tun.

Die anstehenden Feldarbeiten werden sich im April in einem sehr engen Zeitfenster abspielen, nicht nur in Quitzow, sondern überall. Darauf sind die Landwirte eingestellt. "2006 hatten wir eine ähnliche Situation - also noch gar nicht so lange her", erinnert sich Dirk Glaeser, Vorstandsvorsitzender der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Abbendorf/Legde. Mit Frostschäden auf den Äckern rechnet Glaeser nicht, kann allerdings auch nicht in die Glaskugel schauen, wie er es ausdrückt. "Wie die Bestände aussehen, wenn die Schnee decke weg ist, das ist die große Preisfrage." Verzögerungen oder gar Ausfälle bei der Ernte muss es aufgrund des langen Winters seiner Ansicht nach nicht unbedingt geben. "Die Natur holt sich, was sie braucht", sagt der Landwirt. Viel interessanter ist für ihn die Antwort auf die Frage: Wann und wie kommt das Frühjahr? "Wichtig wäre, dass wir nach dem Winter nicht gleich in eine Trockenphase geraten", verdeutlicht Dirk Glaeser. Auf jeden Fall werde sich die Futterernte von den Grünlandflächen verspäten. "Das stört uns jedoch nicht, wir haben genügend Vorräte." Die 250 Mutterkühe plus Nachzucht und die Netzower Kühe, die hier nach der dortigen Brandkatastrophe immer noch untergestellt sind, müssen also keinen Hunger leiden. Auch für die Biogasanlage sei genügend Input vorhanden. Anspruchsvoll gestalte sich derzeit allerdings der Job für Glaesers Mitarbeiter, die sich um die Mutterkühe auf den Außenstandorten kümmern: "Die Geburten haben eingesetzt", merkt der APG-Chef an.

Anders als bei den Landwirten stellt sich die Situation in den Gartenbaubetrieben dar. Stiefmütterchen und Primeln bevölkern überall die Pflanztische und Verkaufsregale. "Die Kunden nehmen hier und da mal eine Pflanze mit", sagt Bernd Blumenthal, Geschäftsführer des gleichnamigen Putlitzer Pflanzencenters. Nicht nur für den eigenen Garten oder Balkon werde derzeit kaum etwas gekauft, "auch die frische Grabbepflanzung zu Ostern auf den Friedhöfen fällt im Prinzip flach", stellt Blumenthal fest. Der Pflanzen- und Pflanzstau sei enorm, wenngleich man im Putlitzer Betrieb noch relativ flexibel darauf reagieren könne. Doch auch hier benötigt man den Platz bereits verstärkt für die Beet- und Balkonpflanzen, die ab Ende April an den Mann gebracht werden müssen. Erschwerend käme für die Pflanzenzüchter, die unter Glas arbeiten, hinzu, dass durch den langen, kalten, sondern auch außerordentlich trübe Winter die Heizkosten in die Höhe schnellen. "Voriges Jahr hatten wir um diese Zeit bereits 20 Grad. Die Sonne als natürliche Heizung von außen fiel in den vergangenen Monaten weitgehend aus", schildert Bernd Blumenthal die Situation, die alle in der Branche gleichermaßen trifft. Der Lohn für die Arbeit, die bereits im September mit der Anzucht der Stiefmütterchen begann, bleibt weitgehend aus. "Wir haben zwar einen Puffer drin, aber das tut schon weh", sagt der Putlitzer. 16 Mitarbeiter beschäftigt Blumenthal im Garten- und Landschaftsbau. Am Hungertuch, so sagt er, müsse das Unternehmen aufgrund der ungewöhnlichen Witterung noch nicht nagen, "aber die nächste geplante Investition könnte schon in Frage gestellt sein."

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