Windenergie: Klares Votum in Nebelin : Windrädern fehlt der Rückenwind

Es reicht: Die Bürger wollen nicht noch mehr Windräder am Himmel über Karstädt.
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Es reicht: Die Bürger wollen nicht noch mehr Windräder am Himmer über Karstädt.

Einstimmiges Nein aus Nebelin / Gemeinde Karstädt soll ihren Beschluss rückgängig machen / Weiteres Bürgervotum wird folgen

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19. März 2016, 12:00 Uhr

Der Ortsbeirat Nebelin will keine neuen Windräder. Diese Entscheidung fiel Donnerstagabend und war ein Kuriosum: Zwei der drei Ortsbeiratsmitglieder waren befangen. So war es die eine Stimme des Ortsvorstehers Ulrich Petrascheck, die das Urteil fällte.

Damit wird die Gemeindevertretung Karstädt aufgefordert, ihren 2012 gefassten Beschluss zurückzunehmen. Darin wurde bei der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel ein Windeignungsgebiet im Raum Nebelin-Stavenow beantragt.
Ende Februar gab es keine Entscheidung im Ortsbeirat. Maik Hortig hatte sich für befangen erklärt. Ulrich Petrascheck hatte gegen das Windgebiet gestimmt, Michael Bretag dafür. Ein Patt.

Petrascheck ließ im Nachgang prüfen, ob auch Bretag befangen sei. Ergebnis: Bretag gilt als befangen. Als ehrenamtlich Tätiger darf er „weder beratend noch entscheidend mitwirken, da die Entscheidung … einem seiner Angehörigen einen unmittelbaren Vorteil … bringt“.
Mit seinem Nein folgte Ulrich Petrascheck dem Willen der Nebeliner. Rund 125 von zirka 170 hatten sich per Unterschrift für eine „Einstellung der Planung und gegen die Errichtung neuer Windräder“ ausgesprochen. Das Nein richtet sich gegen zehn mögliche Windräder der Denker & Wulf AG (drei auf Stavenower, sieben auf Nebeliner Gebiet).

Der Einwand von Joachim Drewes, auch Petraschek sei befangen, da er sich an der Unterschriftensammlung beteiligt hatte, sei rechtlich nicht relevant. Jeder habe das Recht, seine Meinung mündlich oder schriftlich kund zu tun, erklärte Karstädts Hauptamtsleiterin Beatrice von Lentzke.
Als Gast war Donnerstagabend Ansgar Kuschel angereist. Der Leiter der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel erklärte, dass noch der Regionalplan Windenergienutzung aus dem Jahr 2003 gilt. Im Entwurf liegt der neue vor. In diesem sind zu den bestehenden Windeignungsgebieten in der Gemeinde keine neuen aufgeführt. Bestand haben soll eine geschrumpfte Fläche zwischen Karstädt-Premslin-Blüthen. Ein Repowering, das heißt ein Ersatz von Windrädern durch leistungsstärkere Anlagen, wird in den anderen Gebieten Pröttlin, Groß Warnow oder Kribbe ausgeschlossen.

„Wir hatten in der Region Nebelin-Stavenow kein Windeignungsgebiet vorgesehen, diese Anregung kam von der Gemeinde Karstädt“, erklärte Kuschel. Während der Auslegungsfrist des Entwurfs im Sommer 2015 seien 2060 Stellungnahmen eingegangen, die noch ausgewertet würden. „Wir können noch nicht sagen, ob ein Windeignungsgebiet bei Nebelin und Stavenow angenommen oder abgelehnt wird“, so der Regionalleiter.

Die öffentliche Auftaktveranstaltung zur inhaltlichen Auswertung ist für den 31. März, 14 Uhr, in der Kreisverwaltung Neuruppin angesetzt. Im Sommer falle die Entscheidung, ob die Anregungen und Bedenken eingearbeitet werden können oder ein zweiter Planungsentwurf folgt.
Die Messlatte einer Genehmigung für ein Windeignungsgebiet liege mit 66 Prüfkriterien sehr hoch, so Kuschel. „Die Fläche zwischen Stavenow und Nebelin hat Konflikte. Die Artenschutzbehörde meldete Brutplätze der geschützten Wiesenweihe und ergänzte diese im Herbst 2015 mit einem Brutgebietsschutz.“

An welcher Stelle rangiert der Mensch im Artenschutz?, wollte Roland Mann wissen. Der Stavenower gehörte zu den etwa 35 Besuchern, die nicht nur aus Nebelin, sondern auch aus den umliegenden Orten gekommen waren. In Mesekow, Mankmuß, Birkholz und Stavenow haben sich ebenfalls Einwohner in großer Mehrheit gegen neue Windräder ausgesprochen.

„Wir müssen bei der Planung sicherstellen, dass die Belange und der Schutz des Menschen nicht verletzt werden“, erklärte Kuschel. Insbesondere verwies er auf den Immissionsschutz. So seien künftig 1000 Meter Mindestabstand zur Wohnbebauung festgeschrieben.
Und falls die Gemeinde Karstädt dem Wunsch Nebelins folgen sollte, ihren Beschluss zurücknimmt? „Für uns besteht dann kein Anlass, das Vorhaben weiter zu verfolgen und mögliche Konfliktpunkte auszuräumen“, sagte Kuschel.
Die Stavenower Initiative will jetzt alle Kräfte mobilisieren, um auch den Ortsbeirat Karstädt zu einer Revidierung seiner Empfehlung an die Gemeindevertreter zu überzeugen. Ab Anfang nächster Woche liegen Unterschriftslisten in der Bäckerei Ditten, im Blumenhaus Kienitz, Schreibwaren- und Geschenkegeschäft Weyland und in der Postliner Gaststätte Koch aus.

Das Ergebnis sowie die Unterschriften von 34 Stavenowern, ergänzt mit der mehrheitlichen Ablehnung aus den Nachbarorten Nebelin, Mesekow, Mankmuß und Birkholz, wollen Stavenower und Karstädter Bürger auf der nächsten Ortsbeiratssitzung in Karstädt vorlegen und deren Mitglieder auffordern, ihren gestellten Antrag auf ein neues Windeignungsgebietes zurückzunehmen. Danach wird die Gemeinde entscheiden müssen.  


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