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Der Prignitzer

24. November 2017 | 12:22 Uhr

Kletzke : Windpark rückt näher

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gemeindevertretung Plattenburg hat den Bebauungsplan beschlossen – das letzte Wort hat der Landkreis Prignitz

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Nach mehr als zweijähriger Diskussion hat die Gemeindevertretung Plattenburg den Bebauungsplan Nr. 1 „Windpark Kletzke“ beschlossen. Dieser befindet sich östlich von Kletzke und südlich von Neu Schrepkow im Windeignungsgebiet 27 „Groß Welle / Kletzke/Schrepkow“ des noch gültigen Regionalplans von 2003.

Laut dem Bebauungsplan sollen die zwei westlichsten Windräder des Windeignungsgebiets 27 abgebaut werden. Die Anlagen mit einer Höhe von 99 Metern bis zur Rotorspitze werden an nahezu gleicher Stelle durch zwei je 200 Meter hohe Windräder ersetzt. Diese würden zu den höchsten der Region zählen. Ihr Abstand zum nächstgelegenen Haus beträgt laut Bebauungsplan sowohl in Richtung Kletzke als auch in Richtung Neu Schrepkow knapp über 1000 Meter.

Die Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils etwa drei Megawatt werden mit einer bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung ausgestattet, so dass sie nachts unbeleuchtet sind und die roten Lichter nur angehen, wenn durch Radar gemeldet wird, dass sich ein Flugobjekt in einer kritischen Flughöhe nähert. Planer, Betreiber und Gemeindevertreter gehen davon aus, dass die Beleuchtung nur sehr selten nachts leuchten muss.

Im Juli 2015 hatte die Gemeindevertretung die Aufstellung eines B-Plans und eine Veränderungssperre beschlossen. Im Oktober des gleichen Jahres wurde dann der Entwurf vorgestellt. Der Investor war zunächst im Vorentwurf des B-Plans von fünf Windrädern mit jeweils 200 Metern Höhe ausgegangen. Die zwei westlichsten sollten dabei durch ein neues ersetzt werden, außerdem sollten westlich und nordwestlich davon vier zusätzliche gebaut werden. Diese wären bis auf 760 Meter an das nächstgelegene Wohnhaus in Kletzke und 660 Meter an Neu Schrepkow herangerückt.

„Es hat eine sehr umfangreiche und massive Bürgergegenwehr gegeben und sehr grundsätzliche und unter Mitwirkung des Investors zum Teil auch heftige Diskussionen in der Gemeindevertretung“, konstatierte Gemeindevertreter Rainer Schneewolf.

Gegen die öffentlich ausgelegte Planung brachten mehr als 200 Bürger Einwendungen ein. Am folgenreichsten war, dass das Landesumweltamt in seiner Stellungnahme die vier zusätzlichen Windräder aus artenschutzrechtlichen Gründen ausschloss. Daraufhin wurden diese gestrichen. Die beiden vorhandenen Windräder, die je gut 1000 Meter von Häusern entfernt sind, würden dafür nicht durch ein, sondern zwei neue ersetzt.

Bei einer zweiten Auslegung, bei der es wieder über 200 Einwender gab, beanstandete die Regionale Planungsgemeinschaft, dass die vorgesehenen Windräder aufgrund der Gesamtbauhöhe von etwa 200 Metern dem regionalplanerischen Grundsatz der eingriffsminimierten Planung und Errichtung von Windenergieanlagen gegenüber dem Orts- und Landschaftsbild nicht gerecht würden.

Die unterschiedlichen Meinungen zum Windpark wurden auch bei den Stellungnahmen von Bürgern zum 2. Entwurf des Regionalplans „Freiraum und Windenergie“ in diesem Jahr sichtbar. Rund 130 Einwendungen gingen allein zum Eignungsgebiet „Groß Welle/Kletzke/Schrepkow“ ein, wobei die Kritik überwog.

Aufgrund der Einwendungen und der Reaktion der Regionalen Planungsgemeinschaft stellte ein Plattenburger Gemeindevertreter den Antrag, die Höhe auf 180 Meter zu beschränken. Dieser Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, nachdem der Vorhabenträger erklärt hatte, bei einem Beschluss von unter 200 Metern müsse er sich überlegen, ob er nicht den städtebaulichen Vertrag kündigen und über Schadensersatzforderungen nachdenken sollte. Ein zweiter Antrag, die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung verpflichtend in den Bebauungsplan aufzunehmen, wurde hingegen realisiert.

Als vernünftigen Ausgleich zwischen den Interessen der Einwohner und denen des Investors bezeichnete die Plattenburger Bürgermeisterin Anja Cramer den Bebauungsplan. „Nicht allen Gegnern des Projektes wird der Kompromiss jedoch zusagen“, ist sie sich sicher.

Der beschlossene Bebauungsplan geht zur Genehmigung an die Kreisverwaltung und soll dann zügig umgesetzt werden.  

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