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Der Prignitzer

23. November 2017 | 03:02 Uhr

Kleinow : Windpark droht das Aus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Investor zieht zwei von fünf Anlagen bei Kleinow zurück. Einwohner bringen weitere Gegenargumente vor

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Die Zukunft des geplanten Windparks bei Kleinow bleibt ungewiss. Zumindest wird er wohl nicht in der geplanten Variante kommen. Die Investoren wollen jetzt nur noch drei, statt der ursprünglich fünf Anlagen errichten. Das ist das Ergebnis des jüngsten Erörterungstermins in Uenze, teilt der Plattenburger Gemeindevertreter Rainer Schneewolf mit.

Die Einwohner selbst seien davon überrascht gewesen, so Schneewolf. Anlass für die Cottbuser Firma Umweltgerechte Kraftanlagen war aber offensichtlich nicht der Widerstand der Anwohner, sondern ein anfangs nicht berücksichtigtes Gebäude: Der Kleinower Pollo-Bahnhof. Dieses gilt inzwischen als Wohngebäude, damit müssen Windräder einen Mindestabstand einhalten.

Die fünf geplanten Anlagen sollten jeweils 200 Meter hoch sein und in 800 Meter Entfernung zum Dorf errichtet werden. Zwei Windräder wären aber nur 170 bzw. 480 Meter von Bahngebäude entfernt gewesen. „Das wäre nicht genehmigungsfähig“, so Schneewolf. Doch auch die Genehmigungsfähigkeit der verbliebenen Anlagen sein von den vier anwesenden Bürgern, die auf dem Termin ihre Einwendungen vorbrachten, in Frage gestellt worden. Mitten zwischen den geplanten Windrädern gebe es ein geschütztes Kleingewässer, das Brutstandort der streng geschützten Rohrweihe ist, argumentierten sie. Die Tierökologischen Abstandskriterien des Landes fordern hier mindestens 500 Meter Abstand zu Windrädern. Die geplanten Windräder stünden aber in einem Abstand von nur 200 bis 260 Meter, erklärte Rainer Schneewolf.

Die Einwender brachten vor, dass eine Ausnahme von dieser Bestimmung nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur möglich sei, wenn „zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ vorlägen. Aber dies sei aus ihrer Sicht nicht der Fall. Die Kleinower hätten sich in zwei Unterschriftenaktionen gegen den Windpark gewandt und der Ortsbeirat hätte gegen den Windpark gestimmt.

Außerdem sehe der neue Regionalplanentwurf kein Windeignungsgebiet Kleinow mehr vor. Die Gemeinde Plattenburg hätte diesen Entwurf begrüßt, und der Windkrafterlass des Landes empfehle schon seit 2009 einen Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnbebauung. Das öffentliche Interesse fordere hier nicht den Bau, sondern den Nichtbau, so Schneewolf.

Auch das Landesamt für Umwelt sah hier nach gegenwärtigem Erkenntnisstand keinen Ausnahmetatbestand gegeben. Darüber hinaus brachten die Einwender vor, dass das geplante Windparkgebiet Futterfläche des Weißstorchs sei, dass der Rotmilan nicht weit davon einen Horst hätte, dass Schwarzstorch und Seeadler in den vorgelegten Untersuchungen unzureichend berücksichtigt seien und dass auch für Fledermäuse noch Nachuntersuchungen durchgeführt werden müssten. Laut Landesumweltamt seien noch über die Rohrweihe hinausgehende artenschutzrechtliche Belange nicht geklärt worden.

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