Perleberg : Willkommen in acht Sprachen

Täglich lässt sich das Küchenteam der Kita „Piccolino“ was Leckeres für die Steppkes einfallen, die mittlerweile aus acht Ländern kommen.  Fotos: Doris Ritzka
Täglich lässt sich das Küchenteam der Kita „Piccolino“ was Leckeres für die Steppkes einfallen, die mittlerweile aus acht Ländern kommen. Fotos: Doris Ritzka

Gelebte Integration bis zum Küchenzettel / Doch Erzieherinnen fühlen sich von Politik allein gelassen – Sprache ist das Problem

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27. August 2015, 12:00 Uhr

In acht Sprachen entbietet der lustige Piccolino ein herzliches Willkommen den kleinen Besuchern seines Hauses in der Dobberziner Straße. Denn aus so vielen Ländern kommen sie, die Mädchen und Jungen, die hier die Kita besuchen. Fröhlich geht es im Haus zu. Aus den Räumen klingt Kinderlachen und munteres Gebrabbel. Deutsche Wörter mischen sich immer wieder mal mit denen anderer Sprachen. „Die Kinder verstehen sich“, fügt Kita-Leiterin Cornelia Schreiber mit einem Lächeln an. Und je länger Ilyars, der Vierjährige kommt aus Tschetschenien, und die andern Steppkes die Kita besuchen, um so mehr sprechen sie die neue Sprache, ja sie werden oftmals schon zu kleinen Dolmetschern für ihre Eltern.

Hilfe auf dem Weg, sich verständlich zu machen, bekommen die Steppkes auch von Birka Püttmann. Seit 2012 nimmt die Kita teil am Bundesprogramm Sprache und Integration. Mädchen und Jungen, denen es schwer fällt, die richtigen Worte zu finden, aber auch die Plappermäulchen, bei denen der kleine Mund nicht stillsteht, hat die Fachfrau speziell unter ihren Fittichen bzw. unterstützt die Erzieherinnen in den Gruppen. Gelebte Integration in alle Richtung, denn einbezogen werden auch die kleinen Neu-Perleberger, für die Deutsch eine Fremdsprache ist. „Und es bringt echt etwas“, betont Cornelia Schreiber. Wissenschaftlich sei bewiesen, dass man in der Gemeinschaft eine Sprache besser lernt. Nicht von ungefähr achten die Erzieher zudem darauf, dass die Eltern mit ihren Kinder sich in der Muttersprache unterhalten. Nur wer perfekt diese auch beherrsche, bei dem seien alle Fenster offen, eine neue zu lernen.

Die Eltern der Asylbewerberkinder und Spätaussiedler sind stolz auf ihren Nachwuchs und dankbar für jede Unterstützung, die er erhält, berichtet die Kita-Leiterin. Während die Kinder untereinander problemlos klar kommen, seien die Sprachbarrieren für die Erwachsenen groß, gesteht sie. „Wir versuchen es mit Händen und Füßen, Gestik und Mimik, mit Zetteln. Jene lassen sich die Eltern übersetzen. Dolmetscher haben wir nicht“, berichtet sie. Man spreche von Integration, doch hier lasse man sie allein. Bestimmte Dinge im alltäglichen Miteinander schriftlich in mehrere Sprachen übersetzen zu lassen, das sprenge jeden Etat. Und so bleibt es für die Kita-Erzieherinnen weiterhin spannend, herauszufinden, welche Sprache ein Neuankömmling aus einem anderen Land spricht.

Problemloser klappt es da mit allem rund ums leibliche Wohl. Da Schweinefleisch für jene Kinder tabu ist, habe man sich zum Frühstück jetzt komplett auf Geflügelwurst und Aufstriche umgestellt. „Den Kindern schmeckt es.“ Wen wundert’s, lässt sich die Küche doch echt leckere Sachen da täglich einfallen.

Kreativität und Flexibilität, dazu ein Händchen für Gesundes, das dem Nachwuchs auch mundet, und schon hat man alles zusammen, für ein leckeres Mittag. Für durchschnittlich 350 Mädchen und Jungen, denn die Schollschüler einschließlich Hortkinder essen auch hier, wird in der Kita-Küche gekocht – ganz individuell – für Diabetiker, laktoseintolerante oder Kinder, die beispielsweise Weizenprodukte nicht vertragen, natürlich anders. Und auch für Asylbewerberkinder steht statt Schweinefleisch eben Geflügel, Fisch, Gemüsebratlinge oder dergleichen auf dem Speiseplan. „Die ersten Asylbewerberkinder haben ihr Essen noch mitgebracht“, erzählt die Kita-Leiterin. Mittags wurde es dann in der Mikrowelle warm gemacht. So richtig anfreunden konnte sich aber niemand von den Erzieherinnen damit, denn irgendwie wurden sie dadurch ausgegrenzt, so empfand es das Kita-Team. Und genau das sollte nicht passieren. Rücksprache mit der Stadt, dem Träger der Einrichtung, und fortan wird auch in der Kita für die kleinen Asylbewerber eine Extrawurst gebraten, wenn es Fleisch gibt. „Die Kinder untereinander achten schon selbst darauf, dass jeder auch das richtige Essen auf dem Teller hat“, fügt Cornelia Schreiber schmunzelnd an. Für sie ist es Alltag. „Und für uns auch. Jedes Kind hat bei uns die gleichen Chancen, egal welcher Hautfarbe, sozialer, kultureller Herkunft, ob mit oder ohne Handicap. Kinder werden in die Welt hineingeboren und in unserer heißen wir sie willkommen.“

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