Willkommen im Palast der Träume

<strong>Ballgeflüster im</strong> goldenen Saal des Traumschlosses von Jurita und Jens Nering. <fotos>Privat</fotos>
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Ballgeflüster im goldenen Saal des Traumschlosses von Jurita und Jens Nering. Privat

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21. Januar 2013, 06:28 Uhr

Perleberg | Als Friseurmeisterin hat Jurita Nering schon ein Händchen fürs Kreative. Und es war auch die Meisterschule in Erfurt, wo die Perlebergerin vor 15 Jahren von einer Schaufensterauslage schier magisch angezogen wurde: Wunderschöne Möbel samt Accessoires für Küche, Bad, Wohnzimmer und dergleichen Räume, die man so in einem Haus findet - "beim Anblick wünschte man sich einfach wieder Kind zu sein", gesteht Jurita Nering. Denn was sie da so faszinierte waren Miniaturen, "keine Möbel für die Puppenstube", fügt sie sofort an.

Diese Stühlchen, Tischchen, Leuchter in Mini-Ausgabe rückten erst einmal ins Unterbewusstsein, "doch los ließen sie mich eigentlich nicht mehr". Ihrem Mann Jens entging nicht das Blitzen in ihren Augen, wenn sie von den Dingen erzählte. Als gelernter Möbeltischler führte ihn so sein Weg kurzerhand in den Baumarkt. Aus Sperrholz baute er das erste Haus für seine Frau. Für Tapeten und Fußbodenbelag Marke "Karo einfach" sorgte der Computer und für die ersten Möbel der Minimundus-Versand. Zum Geburtstag gab es fortan Möbel, die in eine große Streichholzschachtel passten. Dass zusehends aus dem Puppenhaus ein Wohn- und Geschäftshaus mit Atelier und kleinem Hutladen in bester Wohnlage wurde, war für Jurita Nering die Herausforderung. Mit Pinzette und vor allem Fingerspitzengefühl sorgte sie für die Ausstattung, formte daumengroße Hüte sowie Obst und sämtliches "Essbare" in der Küche aus Kinderknete. Jurita war in ihrem Element. Und so gab es zum Geburtstag vom Göttergatten das zweite Haus im Rohbau. "Da musste ich einfach weiter basteln", sagt sie lachend. Was der Katalog an Mobiliar so hergab, war teuer und das Angebot recht begrenzt - entweder hoch modern oder antik. "Ich hatte so meine eigenen Vorstellung von der Einrichtung, wollte eben keine Küche aus dem Katalog."

Fortan stand die junge Frau tagsüber in ihrem Friseursalon, nach Feierabend und zumeist an den Sonntagen avancierte sie zur Innenarchitektin. Im Haus zogen eine Schneiderstube samt Braut, die zur Anprobe kam, ein Café und eine Blumenladen ein. "Ich konnte meine Kreativität so richtig ausleben". Aus ihren Worten klingt die Begeisterung, mit der sie aus bunter Knete kleine Torten und Kuchen modellierte, die so echt aussehen, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Stecknadeln wurden zu Blumenköpfen, Stoffreste, Silberpapier und dergleichen zu hauchzarten Blütenblättern. Es gibt eigentlich nichts, für das die Wohndekorateurin ehrenhalber keine Verwendung hat.

Alle guten Dinge sind drei - ein Südstaatenhaus, so mit Balkonen und Säulen, das wäre es. Und da der Ehemann mittlerweile mindestens genauso vernarrt in die Häuser aus Sperrholz war, baute er für seine bessere Hälfte ein weißes Haus. Statt der klappbaren Fassade hat jenes eine aus Plexiglas, der Fußboden Marke Eigenbau aus richtigem Holz, die Wände mit Stoff bespannt, im Bad 1000 kleine aus Gips selbst gegossene Fliesen und alle Möbel selbst gebaut, Kleider aus der eigenen Schneiderei oder solche von der Stange wurden hier stilecht mit Spitze und Glamour versehen - kurzum, ein Prachtbau mit Salon, Muschelbadewanne und Zimmern, eines schöner als das andere, ist entstanden. Was nun noch fehlte "war der Palast der Träume", gesteht Jurita Nering. Bis auf das Schlafgemach ist auch dieses inzwischen fertig. Ein bisschen Goldener Saal Ludwigslust, etwas Schloss Schwerin und einwenig Sanssouci wird der Betrachter hier entdecken. Aus dem federleichten Balsaholz entstand die königliche Inneneinrichtung, aus Gips und Goldfarbe die Stuckornamente und Verzierungen, auf dem Computer die Wappen für die Galerie, aus Perlen und Stecknadelköpfen die Parfümflakons, Holz, Papier und Stoff wurden zu Büchern, die in langen Reihen in der Bibliothek stehen, und aus tausenden Perlen zauberte die Perlebergerin den majestätische Kronleuchter. Als echte Sisyphusarbeit sollten sich die Gardinen erweisen, da sie sehr starr sind "Drei Wochen habe ich gebraucht, bis sie endlich in Form waren."

Jurita und Jens Nering haben sich ihren Traumpalast geschaffen und zudem drei Häuser gebaut. Und wie bei jedem Haus, gibt es immer was zu tun, "fertig ist man nie." Der Reiz der Perfektion lässt auch die beiden immer noch Neues erschaffen oder einfach mal umdekorieren. Jetzt, wo sie auch in ihrem neuen Frisiersalon vollends heimisch ist, will die Friseurmeisterin nun auch das Versprechen an ihre Kundschaft einlösen. Am 26. Januar von 14.30 bis 18 Uhr und am 27. Januar von 10 bis 16.30 Uhr lädt sie in die Wilsnacker Straße in ihren Salon zur "Schloss- und Hausbesichtigung" ein.

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