Wildunfälle: Quote soll schrumpfen

<strong>Die meisten </strong>Wildunfälle passieren auf Bundes- und Landesstraße am höchsten <foto>Foto: dpa</foto>
Die meisten Wildunfälle passieren auf Bundes- und Landesstraße am höchsten Foto: dpa

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09. Juli 2012, 07:02 Uhr

Prignitz | 906 Wildunfälle zählte die Polizei für das Jahr 2011 auf Prignitzer Straßen. Die Tendenz ist jährlich weiter steigend. Zusammenstöße mit Wildtieren machen mittlerweile mehr als ein Drittel des gesamten Unfallgeschehens aus. Die Polizeiinspektion Prignitz hat nun einen neuen Versuch gestartet, um die Unfallquote in der Region zu reduzieren. Gelingen soll das mit einer neu gegründeten Arbeitsgruppe, welche sich nach dem jüngsten Sicherheitsgespräch gebildet hat.

Zu den ersten Maßnahmen der aus Vertretern der unteren Jagdbehörde, des Straßenverkehrsamtes, der Jagdverbände Pritzwalk und Perleberg, der Kreisverkehrswacht Prignitz e.V. und der Polizei bestehenden Arbeitsgruppe gehört es, das Wildunfallgeschehen zu analysieren. Die Unfallkommission des Landkreises soll anschließend besonders unfallträchtige Streckenabschnitte festlegen. "Lokale Schwerpunkte sind dabei kaum auszumachen", weiß Peter Schröder, Leiter der Polizeiinspektion Prignitz. "Die Unfälle konzentrieren sich aber hauptsächlich auf Landes- und Bundesstraßen." Außerorts machen Wildunfälle inzwischen 70 Prozent am Gesamtunfallgeschehen aus. Besonders unfallgefährdet sind laut Schröder solche Streckenabschnitte, in denen nicht nur ein hohes Wildaufkommen verzeichnet wird, sondern es sich gleichzeitig auch um eine Allee handelt. "Diese Strecken werden dann mit einem Tempolimit oder zumindest mit Wildwarnschildern versehen. Zusätzlich kommen auf diesen Abschnitten verschiedene Methoden zur Wildabschreckung zum Einsatz, so Jürgen Nüsse, Leiter der Kreisunfallkommission.

Die Arbeitsgruppe will dabei auf die Erkenntnisse aus dem bereits im Jahr 2005 initiierten Projekt "Wildunfallbekämpfung" zurückgreifen und die 13 damals festgelegten Teststrecken weiter beobachten und dortige Maßnahmen analysieren. Dazu zählen diverse Wildabschreckungsmethoden wie akustische Wildwarner und Reflektoren an Leitpfosten, wie sie seit einigen Jahren etwa auf der B 189 zwischen Retzin und Groß Pankow zum Einsatz kommen. Im Bereich Pritzwalk und Putlitz/Reetz experimentiert man auch mit Duftsäulen, die menschliches Haar beinhalten und einen speziellen Duftstoff ausströmen.

"Keine dieser Maßnahmen bietet absoluten Schutz", stellt Peter Schröder klar. So halten Duftsäulen zwar Rehe ab, Wildschweinen hingegen macht der Geruch nach menschlichem Schweiß nichts aus. Reflektoren und akustische Signale wirken nur bei Dunkelheit. Zudem müsse noch ein anderes Problem bedacht werden: "Die Tiere gewöhnen sich ganz schnell an die Geräusche oder Gerüche, die diese Wildwarnsysteme aussenden", erklärt Nüsse. Tempolimits seien deshalb unumgänglich, verdeutlicht Peter Schröder: "Rehe etwa können ein Auto weder sehen noch hören, wenn es mit 100 Kilometer pro Stunde angerast kommt. Wenn das Auto hingegen langsamer fährt, nimmt das Tier es viel eher wahr und bleibt stehen", erklärt der Inspektionsleiter. Auch Wildzäune schützen vor Unfällen, kommen aber nur an wenigen Stellen zum Einsatz: "Wir können und wollen auch nicht verhindern, dass Wild wandert. Das gehört zur Natur der Tiere", macht Schröder deutlich. Damit auch mit dem voraussichtlichen Ausbau der A 14 die Wanderungen nicht verhindert werden, sollen zwei Wildbrücken dafür sorgen, dass die Tiere sicher von einer Straßenseite auf die andere gelangen.

Die Auswertung der ersten Analyseergebnisse soll im September erfolgen. Dann trifft sich die Arbeitsgruppe zum zweiten Mal.

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