Perleberg : Wildschweinrotte auf Stadttrip

Die Nüsse und Eicheln im Garten von Dietmar Zedow verschmähte das Borstenvieh, dafür pflügte es den Rasen um.
Die Nüsse und Eicheln im Garten von Dietmar Zedow verschmähte das Borstenvieh, dafür pflügte es den Rasen um.

Ungebetene Gäste zerstören die Grundstücke in Perleberg. Anwohner fühlen sich von der Stadt allein gelassen. Die hält jedoch dagegen.

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04. November 2015, 21:00 Uhr

Über Nacht hatte Dietmar Zedow ungebetene Gäste auf seinem Anwesen. Der Rasen im Garten sieht aus wie umgepflügt. Ein gleiches Bild beim Nachbarn. Zwischen acht und zehn Wildschweine sollen, so beobachteten Anwohner, seit einiger Zeit ihr Unwesen in Stadtnähe treiben. Spuren auf den Banketten und in Gärten im Bereich der Bullenwiese und beidseitig der Stepenitzbrücke an der ehemaligen B 5 künden davon.

Dietmar Zedow wohnt Am alten Friedhof und hatte schon so einige tierische Gäste auf seinem Grundstück an der Stepenitz. Reh mit Kitz labten sich an den Himbeeren, der Biber fällte Apfelbäume, zwei Fischotter stellte den Goldfischen im Gartenteich nach, der Fuchs holte sich Maulwurf und Wühlmäuse. Wobei letzterer war ihm der liebste Gast, gesteht der Perleberger. Nun aber sind die Wildschweine im Garten, „und niemand weiß so recht, wie sie dort hinein kamen, denn alles ist rundherum zu“. Einziger Zugang: Die Stepenitz und Wildschweine sind gute Schwimmer, ist von Antje Hartwig vom Umweltamt der Stadt zu erfahren. Doch Spuren, die aus dem Wasser führen, entdeckt man nicht.

Für Dietmar Zedow jedenfalls ist das Maß der tierischen Gastfreundschaft voll. Tags zuvor zeigte sich bereits Ingrid Wegner besorgt, dass die Tiere möglicherweise auch zur Gefahr für Autofahrer auf der ehemaligen B 5 werden könnten.

Der „Prignitzer“ ging der Sache nach und klingelte bei der Stadt an. Thomas Kolbow vom Ordnungsamt bestätigte, dass das Problem bekannt sei, man sich die Sache bereits an Ort und Stelle angeschaut habe. Mit dabei auch Antje Hartwig vom Umweltamt und Stadtförster Stefan Koepp.

Hinsichtlich des Verkehrs habe man die Beschilderung Wildwechsel in Erwägung gezogen, dann aber doch verworfen. Zum einen stehen derartige Schilder zu 99 Prozent nur außerorts und nur dort, wo es gehäuft zu derartigen Unfällen gekommen sei. „Hier gab es noch keinen solchen“, erläutert Robert Kazmierczak, zuständig für den Verkehr in der Stadt. Zum anderen sind hier 50 km/h Gesetz, müssen die Autofahrer ohnehin relativ langsamer fahren.

Fakt sei aber, dass die Tiere immer näher an die Stadt herankommen, „hier aber nicht bejagt werden können und im hohen Schilf der Bullenwiese, die nicht mehr bewirtschaftet wird, ausreichend Schutz und Unterschlupf finden“, fügt der Stadtförster an. Insofern wolle man ihnen mit sogenanntem Wildvergrämungsfutter den Appetit verderben. Dazu werde ein Granulat auf die Bankette mit den Eicheln gestreut, die dann nicht unbedingt mehr den Geschmack des Borstenviehs treffen. Es gebe auch einen Duftschaum, der Wild abhalten soll, beispielsweise von der Bullenwiese aus in die Gärten zu drängen. „Die Bestellungen sind ausgelöst, wir warten auf die Lieferung“, so Antje Hartwig und betont, dass man hier unbedingt handeln müsse.

Wenn all das aber nicht den gewünschten Erfolg habe, bliebe als Allerletztes, dass die Jagdbehörde eine beschränkte Maßgabe zum Bejagen erteile, räumt der Stadtförster ein. Doch hier müsse man nicht nur sehr umsichtig handeln, auch der Erfolg sei fragwürdig. Es berge immer die Gefahr, dass man die Tiere womöglich in den Hagen dränge .

Dass sich die Wildschweine immer mehr der Stadt nähern habe nicht zuletzt auch damit zu tun, dass in vielen Kleingärten Walnussbäume stehen. „Die Tiere stehen darauf und in diesem Jahr gibt es viele Nüsse“, so Stefan Koepp. Zudem entledigen sich Kleingärtner alter Blumenzwiebeln und Ähnlichem immer wieder an den Rändern der Bullenwiese. Ein Festmahl für die Wildschweine. Aber Bürger selbst locken förmlich die Tiere an, denn inzwischen wird den Wildschweine schon ein Mahl bereitet, findet man Äpfel, Brot und dergleichen an der B 5. „Ein absolutes Unding“, betont der Stadtförster, laut Jagdgesetz verboten und wird auch entsprechend geahndet. „Denn so zieht man die Sauen förmlich in die Stadt.“

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