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Jagdverband Perleberg verärgert : Wildschäden: Jäger wehren sich gegen alleinige Haftung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Waidmänner ärgern sich über den Potsdamer Vorstoß. Der Jagdverband Perleberg verweist auf praktikablere Regelungen.

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Der Ärger ist groß bei den Mitgliedern der Jagdverbandes Perleberg. Anlass dazu gibt die Empfehlung der Obersten Forstbehörde des Landes Brandenburg, die die Jagdgenossenschaften dazu ermuntert, die Ersatzpflicht bei Wildschäden künftig vollständig auf die Jagdpächter zu übertragen.

Am 15. Januar hatte der „Prignitzer“ auf Seite 4 unter dem Titel „Wer nicht schießt, muss zahlen“ über diesen Vorschlag aus dem Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft berichtet. Demnach wird im Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde aktuell an einer Schadenersatzrichtlinie gearbeitet, anhand derer Waldbesitzer für Verbiss entschädigt werden sollen – im Gegensatz zu Wildschäden auf Äckern gab es eine derartige Regelung für Forstflächen bisher nicht. „Diese Forderung ist absolut unangemessen und diffamiert die Arbeit, die die rund 1000 Jäger im Landkreis Prignitz leisten“, sagt Udo Becker, 2. Vorsitzender des Jagdverbandes Perleberg.

Drei grundsätzliche Probleme sehen Becker und seine Waidgenossen bei der Argumentation des Landes. „Die Stimmen in diesem Bericht lassen es so aussehen, als wenn wir Jäger das Wild regelrecht züchten. Das ist natürlich völliger Unsinn. Man muss sich bewusst machen, dass das Wild herrenlos ist und weder uns Jägern noch den Waldbesitzern gehört. Es ist Teil der Natur, und aus diesem Grund ist es auch vermessen, die Jäger für den Schaden, den es verursacht, allein zur Verantwortung ziehen zu wollen.“ Zudem werde der Einfluss der Jäger auf die Wildpopulation überschätzt. Angesichts großer Naturschutzflächen, ausgedehnter Monokulturen mit hochstehenden Pflanzen wie Mais und den begrenzten Jagdzeiten ist die Bejagung zum Teil stark reglementiert, so Becker.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Regulierungswut des Landes. So seien in der Prignitz über die Jahre zwischen den Jagdgenossenschaften – in denen Wald- und Ackerbesitzer organisiert sind, um die Jagd auf ihren Flächen zu koordinieren – und den Jagdpächtern, die die Jagd schließlich übernehmen, unkomplizierte Lösungsstrategien für die Beseitigung von Wildschäden gefunden worden, die jetzt durch das Eingreifen des Landes torpediert würden. „Rein rechtlich ist die Jagdgenossenschaft für die Beseitigung des Wildschadens verantwortlich. Der Acker- bzw. Waldbesitzer zeigt den Schaden beim Ordnungsamt an, die Behörde bestellt einen Gutachter, der den Schaden schätzt. Dieser wird dann aus Rückstellungen der Genossenschaft beglichen“, erklärt Becker. Praktisch sehe es allerdings so aus, dass die Jäger selbst auf die Landwirte zugehen, über Wildschäden informieren und Lösungsvorschläge unterbreiten. „Oft kann mit Wild- oder Elektrozäunen und Vergrämungsmaßnahmen eine Verbesserung der Situation erzielt werden. Und in der Regel gibt’s für den betroffenen Landwirt zur nächsten Familienfeier mal ein Wildschwein. Damit können die meisten gut leben.“

Schließlich sind die Perleberger Jäger davon überzeugt, dass die Rechnung des Landes und der Forstverbände, durch die Ersatzpflicht für die Jagdpächter die Abschussquoten zu erhöhen, nicht aufgehen wird. „Viel wahrscheinlicher ist das Gegenteil: Der Jagddruck könnte noch weiter abnehmen, da sich immer mehr Jagdpächter fragen werden, ob sie sich die Jagd noch leisten können und müssen, wenn permanent die Gefahr droht, dass ein Geschädigter mit der Schadenstabelle wedelt und die Jäger zahlen müssen.“ Allein die Diskussion um die Beträge – ein angefressener Laubbaum soll mit 1,20 Euro plus 30 Cent je Lebensjahr, eine Kiefer mit 55 Cent entschädigt werden – zeige, dass hier unsinnig bürokratisiert werde, ohne die Ursachen der Probleme wirklich anzugehen. „Der aus unserer Sicht richtige Weg wäre, den Jagdverbänden, die die Situation vor Ort kennen und zumeist ein gutes Verhältnis zu den Jagdgenossenschaften pflegen, mehr Verantwortung zu überlassen, anstatt alles von oben nach unten durchzureglementieren“, so Becker.

Nicht zuletzt fürchten die Waidmänner einen Bruch mit der Kulturtradition der Jagd. „Wir als Jäger wollen unsere Passion im Einklang mit der Natur leben. Da passt es nicht, wenn man von oben indirekt unter Druck gesetzt und für Dinge verantwortlich gemacht wird, die man nicht allein zu verantworten hat. Bedenkt man zusätzlich den Anstieg der Beiträge für die Berufsgenossenschaft, ist momentan ein Zustand erreicht, der die Jäger zu Sündenböcken macht. Man stelle sich vor, wir kündigen unsere Verträge, wer kümmert sich dann um die Schäden?“

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