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Regelungen in der Prignitz : Wildpinkeln für umsonst?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein neu erschienener Atlas sieht horrende Strafen für das Urinieren in der Öffentlichkeit vor, jedoch nicht in der Prignitz

von
erstellt am 24.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Irgendwie kennt es jeder. Wenn die Blase drückt und die nächste Toilette weit weg ist, sieht jedes stille Örtchen sehr verlockend aus. Doch Wildpinkeln ist teuer. Wer beim Urinieren in der Öffentlichkeit erwischt wird, muss in Deutschland mit horrenden Strafen von bis zu 5000 Euro rechnen. Jedoch nicht in der Prignitz. Hier ist das Verrichten der Notdurft angesichts fehlender Regelungen meistens gratis. Das ergab eine Recherche des „Prignitzers“ bei den Ordnungsämtern im Landkreis.

Fünf bis 1000 Euro muss in Rostock zahlen, wer beim Freipinkeln erwischt wird. In Schwerin sind es 100 bis 1000 Euro. Das steht zumindest in dem neu erschienen „Wildpinkel-Atlas“, den jüngst die Adamus Group herausgab. Der Halberstädter Hersteller von sogenannten Taschentoiletten hat darin die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zusammengefasst. Die in Deutschland höchsten Strafen fallen demnach in Hannover (fünf bis 5000 Euro) und in Stuttgart (35 bis 5000 Euro) an.

Das Stadt- und Hafenfest in Wittenberge, die VuuV in Putlitz oder die Jubiläumsfeier in Perleberg – in der Sommerzeit wird draußen gefeiert, getanzt und natürlich getrunken. Wer da nicht mehr an sich halten kann, der schlägt sich oft, vorhandenen Toiletten zum Trotz, in die Büsche. Nasse Flecken und unangenehme Gerüche sind die Folge. Das bundesweit gültige Ordnungswidrigkeitengesetz sieht im Paragrafen 17 im Allgemeinen Bußgelder von fünf bis 1000 Euro vor – und gilt demnach auch für Delikte wie das Wildpinkeln.

Doch geahndet wird dieses Vergehen in der Prignitz bisher nicht, bestätigten die Kommunen. Dazu hätte es bis heute auch keinen Anlass gegeben. Eine Satzung zum Urinieren in der Öffentlichkeit wurde ebenfalls nicht festgelegt. Selbst über die Verordnung, die in solch einem Fall greifen könnte, gibt es in den Ordnungsämtern Unstimmigkeiten.


Uneinigkeit in den Ordnungsämtern


Wittenberge sieht den Tatbestand beispielsweise in der Verordnung zur Verunreinigung von Straßen und Wegen verankert. Demnach würden Wildpinklern Strafen von zehn bis 400 Euro blühen. Bad Wilsnack hingegen versteht diese Vorschrift eher auf Fahrzeuge bezogen und vermag gar keine geltende Vorschrift nennen. Und auch ein Sprecher des Ordnungsamtes Perleberg verweist: „Das kann höchstens über die Polizei mit einer Ordnungswidrigkeit, nach Paragraf 118 vergolten werden.“ Wozu auch eine Satzung, wenn es eh nicht genug Personal für Kontrollen gebe?

Wenigstens in diesem Punkt sind sich die Ordnungsämter einig: Bisher stellte sich das Problem der Wildpinkler in der Prignitz nicht. Eine genaue Satzung brauche es daher auch nicht. In den letzten Jahren wurde kein Urinieren in der Öffentlichkeit geahndet. Die Ordnungsämter appellieren an die Vernunft der Prignitzer: Es sei doch eine Selbstverständlichkeit, die nächste Toilette aufzusuchen.

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