Wilde Schilderstreiche an der B 5

Ein Schild weist auf die Umleitung zur A24 hin.
1 von 3
Ein Schild weist auf die Umleitung zur A24 hin.

von
09. November 2010, 07:21 Uhr

Grabow / Lauenburg | Seit Montagabend ist auf der B5 ab Abzweig Kremmin nichts mehr so, wie es war: Verwirrte Lkw-Fahrer, verärgerte Anwohner, Vollsperrung ab einem Gewicht von zwölf Tonnen. Kurz vor der Abbiegung nach Kremmin steht ein Schild, das die Komplettsperrung in Richtung Lauenburg für Lkw ab zwölf Tonnen anzeigt. Etwa zwei Drittel der Fahrer ignorierten gestern die Sperrung, die restlichen nutzten die ausgeschilderte Umleitung. Sie führt über die kleinen Orte Kremmin, Neese, Kolbow, Zierzow, Muchow und Blievenstorf bis zur A-24-Auffahrt Neustadt-Glewe. Immer mitten durch die Dörfer geht die Fahrt.

Mit Dorfidylle und frischer Landluft ist es vorerst vorbei

Sehr zum Leidwesen der Bewohner. Mit Dorfidylle und frischer Landluft ist es vorerst vorbei. Und das, obwohl nur die Minderzahl der Lkw die Abkürzung überhaupt nutzt. Auf sonst kaum befahrenen Straßen wie der Kreisstraße 53 durch Kremmin oder der Landesstraße 81 durch Zierzow und Muchow rollen plötzlich Schwerlaster. "Für die Entscheidungsträger war es wohl die einfachste Lösung, ohne lange darüber nachzudenken", empört sich Kremmins Bürgermeister Martin Pinzer. Er hat alle Hände voll zu tun, die Bewohner des 250-Seelen-Ortes zu beruhigen. "Die Anwohner sind mit dieser Lösung sehr unzufrieden", fasst er die Meinung der Kremminer zusammen. Die Straßen der Umleitungsstrecke seien nicht für die schweren Fahrzeuge ausgelegt. Hinzu komme das Problem der Straßenreinigung. "Die Fahrzeuge verschmutzen die Straße, die wir sauber halten müssen", ärgert sich Pinzer.

Auch zwei Dörfer weiter, in Zierzow, äußern die Anwohner ihren Unmut. Ein Mann steht vor seinem Haus und harkt Laub. "Seit der Sperrung fahren hier viele Lastwagen vorbei", sagt er. Und kaum hat er den Satz beendet, da braust auch schon lautstark ein Lkw vorbei.

Fahrer haben sich längst neue Schleichwege ausgedacht

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Das gilt auch für Fahrer und Spediteure. Sie haben sich längst neue Schleichwege ausgedacht, um nicht auf die mautpflichtige Autobahn fahren zu müssen. Eine der neuen Abkürzungen führt von Grabow aus in Richtung Groß Laasch. Direkt an dem Haus vorbei, in dem Anna-Loreen Haberlandt wohnt. "Diese Sperrung ist Blödsinn, plötzlich fahren hier Lkw durch die Straße, selbst nachts", sagt die 20-Jährige. In ihrer Wohnung sei der Motorenlärm gut zu hören und störe sie.

Auch der Grabower Hans Salchow stört sich an der Umleitung. "Das ist keine Lösung, sondern nur die Verlagerung des Problems", sagt der 74-Jährige, der selbst 50 Jahre lang Lkw-Fahrer war. "Ich frage mich, ob die Ludwigsluster, die von dem Problem befreit werden sollen, bessere Leute sind als die Kremminer oder Neesener, die das Problem nun zugeschoben bekommen", ärgert sich der Rentner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen