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Der Prignitzer

20. November 2017 | 13:08 Uhr

Wiegehaus: Abreißen oder sanieren?

vom

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erstellt am 10.Feb.2012 | 09:48 Uhr

Gross Lüben | Manchmal sind es die kleinen Dinge, an denen sich die Geister scheiden. Bestes Beispiel: das Wiegehäuschen in Groß Lüben, vis à vis der Kirche. Ein wirklich winziges, graues Gebäude, an dem der Zahn der Zeit tüchtig nagte und über dessen Abriss bereits offen diskutiert wurde. Allerdings nicht mit den Einwohnern von Groß Lüben. Das holten am Mittwochabend die Ausschüsse für Kultur, Fremdenverkehr und Kurortentwicklung sowie für Ordnung, Bildung und Soziales mit einer Vor-Ort-Sitzung nach.

Abgeordnete und Vertreter der Amtsverwaltung sahen sich mit kritischen Nachfragen der Groß Lübener und mit Alternativvorschlägen konfrontiert. Darin überwog - zumindest gefühlt - der Wunsch, das Wiegehaus und die Waage nicht abzureißen, sondern zu erhalten. Schließlich sei das rund 50 Jahre alte Gebäude ein Zeitzeuge, und es gehöre zum Dorfbild einfach dazu, meinten Einwohner. Einig war sich die Mehrheit der Anwesenden dahingehend, dass das gesamte Areal um Kirche und Wiegehaus dringend aufgewertet und funktionell gestaltet werden muss. Kein neuer Wunsch: Bereits in der Dorferneuerungsplanung, die von 1996 bis 2003 lief, war der Platz rings um die Kirche ein Thema, gab es konkrete Ideen für die Gestaltung - die jedoch bis heute nicht umgesetzt worden sind. Das kritisierte am Dienstag u. a. Brigitte Holländer. "Der Arbeitskreis tagt seit 2004 nicht mehr. Der Kirchplatz blieb in der Tat offen", so Gerald Neu. Und nun wird gerade dieser Teil des Dorfes in einen besonderen Fokus rücken: 2012 und 2013 laufen die Bauarbeiten zur Wiederrichtung des Kirchturmes - mit feierlicher Einweihung im nächsten Jahr. 2014 begeht Groß Lüben dann sein 675-jähriges Bestehen - die Festivitäten werden sich auf genau dieses Areal konzentrieren. Darauf wies Hans-Dieter Haas, Vorsitzender des Kulturausschusses, hin.

Bernd Christiansen, Inhaber des Groß Lübener "Erbkruges", sprach vorgestern für eine Gruppe von Groß Lübenern, die für den Erhalt des Wiegehäuschens plädieren und auch bereit sind, es in Eigenleistung zu sanieren und zu erweitern, so dass man hier beispielsweise künftig auch einen Fahrradunterstand hätte. Die von der Amtsverwaltung veranschlagten Sanierungskosten belaufen sich auf rund 15 000 Euro - Geld, das im Haushalt der Stadt Bad Wilsnack, zu der Groß Lüben gehört, nicht da ist. Fördermöglichkeiten, so Ordnungsamtsleiter Gerald Neu und Bauamtsleiter Peter Rollenhagen, könnte man über das Leader-Programm der EU ausloten, müsse sich aber beeilen, weil die Förderrichtlinie auslaufe. Dabei müsse auch die tatsächliche Nutzung der Waage durch Agrarbetriebe noch einmal unter die Lupe genommen werden. Landwirte hatten in der Zusammenkunft geäußert, dass die Wiegeeinrichtung auch aktuell nach wie vor - wenn auch sporadisch - in Anspruch genommen werde. Albert Gramms brachte die mehrheitliche Interessenslage so auf den Punkt und formulierte damit einen Auftrag an die Verwaltung: "Machen Sie ein Projekt daraus, in dem das Häuschen mit seiner Elektroverteilung für die Straßenbeleuchtung erhalten wird, mit Anschlüssen für die Bewässerung des Platzes und mit Parkmöglichkeiten."

Die nächste Ausschusssitzung, versprach Hans-Dieter Haas, finde wieder in Groß Lüben statt.

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