Perleberger Schützen : Wiedergeburt der Schützengilde

Fahnenweihe: Alle anwesenden befreundeten Vereine erhalt anlässlich des Jubiläums der Perleberger Gilde von dieser ein Fähnchen für ihre Vereinsfahne.
Fahnenweihe: Alle anwesenden befreundeten Vereine erhalt anlässlich des Jubiläums der Perleberger Gilde von dieser ein Fähnchen für ihre Vereinsfahne.

Diesjähriges Fest mit Proklamation von Lothar Runge als neuen König steht unter einem besonderen Zeichen

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07. Juni 2016, 04:45 Uhr

Der neue Schützenkönig heißt Lothar Runge. Er erhielt von der bis dato amtierenden Majestät David Lemke die Königskette. Doch auch dieser gehört weiterhin zum Hofstaat, in diesem Jahr als 1. Ritter. Peter Naujoks wurde 2. Ritter.

Doch nicht nur die neue Majestät samt Hofstaat wurde am Sonnabend proklamiert. Das diesjährige Schützenfest stand unter einem besonderen Stern: Vor 25 Jahren wurde die Schützengilde v. 1572 e.V. Perleberg wiedergeboren. Übrigens schon das zweite Mal, denn im Jahre 1848 wurde dem Verein schon einmal neues Leben eingehaucht. Bis 1939, dann sorgten die Nazis für das Aus des Vereins, weiß Lothar Runge, 1. Gildemeister, zu berichten. „Die Mitglieder wollten sich dem Nationalsozialismus nicht unterwerfen. Also wurde der Verein verboten.“ Das Vermögen und Eigentum bekam das Perleberger Museum, unter anderem auch die Kanone. „So blieb sie erhalten und wurde uns als Leihgabe wieder übergeben“, so Lothar Runge. Übrigens, es gibt ein Duplikat von der Luise, jenes steht im Museum.

Im Mai 1991 – also mit einem Augenzwinkern fast auf den Tag vor 25 Jahren – holten an die 35 Enthusiasten den totgesagten Verein ins Leben zurück. 1. Gildeherr war Dieter Aufenbauer. Inzwischen ist aus dem Herr ein Meister geworden, denn „Gilden haben nun mal Meister“, ergänzt Lothar Runge, der seit 2003 dieses Amt bekleidet. Außerdem ihn gibt es den 2. Gildemeister, den Schatzmeister, den Gewandmeister und den Waffenmeister. Einzig der Kommandeur fällt hier etwas aus dem Rahmen, „doch auch ein solcher gehörte immer zu einer Schützengilde“, betont der Perleberger.

Die Gilde war wiedergegründet, zu Versammlungen traf man sich fortan in Dahses Gasthof in Glövzin oder in Perleberger Gastlichkeiten. „Und geschossen wurde auf dem ehemaligen Schießstand der GST in Lübzow. Der befand sich allerdings Mitten im Dorf gleich hinter dem Friedhof. „Der Ärger war eigentlich vorprogrammiert“, gesteht Lothar Runge. Also sah man sich nach einer anderen Örtlichkeit um. Und da ging der Blick in Richtung ehemaliger Flugplatz. Hinter dem früheren Ausflugslokal „Alte Eiche“ befand sich der Schießstand, wo die Bordkanonen der Flugzeuge einst eingeschossen wurden. „Wir waren schon emsig am Wirken und hatten ein tolles Konzept. Gemeinsam mit den Segelfliegern wollten wir hier was auf die Beine stellen. Für die Gilde sollte eine 500-Meter-Schießbahn entstehen. Davon gibt es nur drei in Deutschland. Damit wäre Perleberg natürlich groß rausgekommen“, erinnert sich der 1. Gildemeister. Doch dann kam das Aus. Angeblich sollte hier ein Euro-Park entstehen, was sich letztlich aber als Luftnummer erwiesen habe.

Die Perleberger Schützen suchten weiter und fanden direkt in der Stadt eine Lösung: Eine ehemalige Kfz-Werkstatt auf dem Hof des Hotels „Stadt Magdeburg“. Mit Unterstützung der GWG und in vielen Arbeitsstunden schufen sie sich hier einen Schießstand samt dazugehörigen Räumlichkeiten, sprich Vereinszimmer, Waffenkammer, Sanitärtrakt. „Unser Schießstand war vom Technischen her super modern, schon mit Absaug- und Filteranlage. Und das ist er auch heute noch“, so sichtlich stolz Lothar Runge.

89 Mitglieder zählt der Verein heute. Der Benjamin dürfte mit seinen 15 Jahren Tobias Guhl sein, mit über 80 Lenzen ist Joachim Busse aus Laaslich der älteste. Und wie ersichtlich, kommen die Mitglieder nicht nur aus der Rolandstadt. „Wir haben sogar einen Schützenbruder aus Düsseldorf. Er ist beruflich unter anderem oft und für mehrere Tage in Perleberg und wollte dann auch seinem Sport nachgehen.“

Am vergangenen Wochenende nun wurde aber gefeiert: Geburtstag und Schützenfest, Letzteres seit 1993 jedes Jahr. Was wünscht sich eine Schützengilde zum „Wiegenfest“? „Dass es uns noch lange gibt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sich die Beschäftigungslage in Perleberg, in der Prignitz weiter verbessert, die Leute hier Arbeit finden und somit den Vereinen erhalten bleiben. Denn was uns fehlt, ist insbesondere das sogenannte Mittelalter.“

Die Stadt, in persona von Bürgermeisterin Annett Jura, überbrachte schon mal ihre Geschenke zum Jubiläum. Eine Luftbildaufnahme von Perleberg und Bares. „Letzteres können wir natürlich auch gut gebrauchen, insbesondere für die Arbeit unserer Jungschützen “, bedankte sich der 1. Gildemeister, Lothar Runge.

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