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Der Prignitzer

20. November 2017 | 10:53 Uhr

Wie holt man einen Arzt aufs Land?

vom

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erstellt am 19.Apr.2013 | 05:22 Uhr

Prignitz | Der Prignitz fehlen Ärzte, vor allem in ländlichen Regionen wie beispielsweise Putlitz-Berge. Dort hatte sich der Amtsausschuss in der vergangenen Woche Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburgs (KVBB)eingeladen. Dabei fiel auch der Vorschlag, Ärzte wieder nach ihrem Studium dorthin zu schicken, wo sie gebraucht werden. Diese zu DDR-Zeiten praktizierte Form funktioniere unter heutigen Bedingungen nicht, machte KVBB-Sprecher Ralf Herre deutlich. Aber es gibt andere Möglichkeiten, sich um medizinischen Nachwuchs zu bemühen.

Variante I: Stipendien für Medizinstudenten

Eine solche praktiziert der Elbe-Elster-Kreis. Seit 2010 vergibt er nämlich Stipendien an junge Leute, die an deutschen Universitäten Humanmedizin studieren. Nach bestandenem Physikum erhalten diese Studenten für maximal vier Jahre monatlich 500 Euro Zuschuss vom Landkreis, wenn sie sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung im Landkreis zu arbeiten, egal ob in einer Klinik, im Gesundheitszentrum oder als frei niedergelassener Arzt. 12 Stipendien sind es mittlerweile, die der Landkreis Elbe-Elster zahlt, erfuhr der "Prignitzer" von Anne-Marie Gundermann, zuständig für Lenkungsaufgaben und Soziales in der Herzberger Kreisverwaltung. Hätten sich zunächst vorwiegend junge Leute aus der Region gemeldet, die nach erfolgter Ausbildung gerne wieder in die Heimat zurück kommen wollen, so gebe es inzwischen auch Bewerber aus anderen Regionen. Wer den Vertrag mit dem Landkreis Elbe-Elster abschließt, der wisse auch, dass er das Stipendium zurück zahlen muss, sollte er seinen Teil der Verpflichtung nicht einlösen, nämlich dann auch in diesem Kreis zu arbeiten.

Etabliert hat sich im Land Brandenburg seit etwa fünf Jahren aber noch eine weitere Praxis, um junge Ärzte an Regionen zu binden. Und das sind die Weiterbildungsnetzwerke, wie Herre erklärt. Dahinter verbirgt sich die konkrete Hilfe für die Facharztausbildung. "Denn wer als Arzt ambulant arbeiten möchte, muss sich vorher zum Facharzt qualifizieren. Dafür sind in Deutschland generell fünf Jahre vorgesehen. Mancher Absolvent benötigt aber länger, denn die Facharztausbildung setzt sich aus ganz unterschiedlichen medizinischen Gebieten zusammen, die sowohl in Kliniken als auch in ambulanten Praxen zu durchlaufen sind. Dafür muss man erst einmal Ansprechpartner mit entsprechender Weiterbildungsgenehmigung finden, und dann muss alles noch koordiniert werden", erklärt Herre das Prozedere.

Variante II: Koordinierte Facharztausbildung

Genau hier setze das Weiterbildungsnetzwerk an. Es bündele in einer Region die entsprechenden Partner in Kliniken und im ambulanten Bereich, zudem einen Ansprechpartner und Vermittler für die aprobierten Mediziner. Und es vermittle auch noch Wohnraum, Kitaplätze und anderes, "denn die jungen Ärzte sind zu diesem Zeitpunkt Ende 20, haben häufig schon Familie", verdeutlicht Herre deren Ausgangssituation für die Facharztausbildung. Genau darin, in dieser Etablierung in eine Region, liege aber auch der Schlüsse für eine langfristige Ansiedlung, "denn wer sich fünf Jahre lang erst einmal nieder lässt, wird auch schneller heimisch", schätzt der KVBB-Sprecher ein.

Insgesamt gibt es in Brandenburg derzeit acht solcher Weiterbildungsnetzwerke. Auffallend viele befinden sich im Süden des Landes, so in Cottbus, Senftenberg und Spremberg. Aber auch Frankfurt (Oder), Eberswalde, Luckenwalde, Oranienburg und Sommerfeld-Templin in der Uckermark haben diese Netzwerke aufgebaut. In der Prignitz gibt es so etwas bislang noch nicht. "Hier haben wir auch das Problem, dass nur ganz wenige Ärzte über eine Weiterbildungsqualifikation verfügen", räumt Herre ein. Er fügt aber gleich hinzu, dass die KVBB gemeinsam mit der Ärztekammer immer wieder derartige Lehrgänge an biete.

Variante III: Lehrkrankenhaus für Ärzte in spe

Was tut die Prignitz konkret, um dem Ärztemangel zu begegnen? "Wir versuchen nun schon seit längerem, über unserere Kreiskrankenhaus gGmbH junge Mediziner für die Region zu begeistern, denn sie ist Lehrkrankenhaus. Mit anderen Worten, Medizinstudenten von der Rostocker Universität absolvieren hier ihr praktisches Jahr, finanziert von unserem Krankenhaus", erläutert Torsten Uhe, 1. Beigeordneter des Prignitzer Landrates. Das funktioniere gut, weil das Perleberger Krankenhaus technisch sehr anspruchsvoll ausgestattet und es damit für künftige Ärzte sehr interessant sei, hier Praxis-Luft zu schnuppern. Diese Kooperation habe bereits zur erfolgreichen Ansiedlungen von einigen jungen Ärzten geführt. Doch dabei wolle der Landkreis, dessen Tochterunternehmen die Kreiskrankenhaus Prignitz gGmbH ist, nicht stehen bleiben, sondern künftig verstärkt Nachwuchs aus der Region für die Region gewinnen, auch für den ambulanten Bereich. Dazu gebe es Ideen. Es sei aber derzeit noch zu früh, schon darüber öffentlich zu reden.

Zudem sei das Kreiskrankenhaus in die Initiative der Neuruppiner und Brandenburger Kliniken involviert, die private Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane zu gründen mit Sitz in Neuruppin, die ab dem Wintersemester 2013/14 jährlich 45 Mediziner ausbilden will. Bis Juni wolle der Wissenschaftsrat des Bundes die Prüfung dieses Antrages abgeschlossen haben, erklärt Uhe. Gibt es grünes Licht, wäre das ein großer Fortschritt, denn gegenwärtig gebe es keine medizinische Ausbildung an brandenburgischen Hochschulen. Und für die Prignitz im besonderen, hätten junge Leute dann die Ausbildungsmöglichkeit sozusagen vor der Haustür.

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