Widerstand gegen Windkraft wächst

<strong>'Wir haben genug</strong> Windräder', sagt Günter Kolrep und warnt vor noch mehr Anlagen.<foto>Manfred Drössler</foto>
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"Wir haben genug Windräder", sagt Günter Kolrep und warnt vor noch mehr Anlagen.Manfred Drössler

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13. Juni 2012, 07:36 Uhr

Karstädt | Pro und Kontra gibt es in der Gemeinde Karstädt zu noch mehr Windrädern, die ein Investor aufstellen möchte. Die Gemeindevertretung befasst sich heute mit der Ausweisung künftiger Windeignungsgebiete. Mit einem Beschluss würde sie die Weichen stellen, dass Potenzialflächen von etwa 500 Hektar in den neuen Teilplan Windenergienutzung aufgenommen werden könnten. Die Ortsbeiräte Premslin, Nebelin und Karstädt befürworteten einstimmig bzw. mehrheitlich eine Beschlussempfehlung (wir berichteten). Doch regt sich in Karstädt bzw. Stavenow Widerstand.

"Ich bin für die Nutzung von Windenergie, doch ist es unfair, was Karstädt und Semlin da vor die Nase gesetzt werden soll", erklärt Okka de Wall aus Stavenow. "Die Ortslage ist bereits östlich von Windkraftanlagen gesäumt - und soll jetzt auch westlich mit zugebaut werden. Hinzu kommt, dass es mit der Bahn und der Umgehungsstraße bereits zwei Lärmquellen gibt und mit der A 14 eine dritte hinzu kommt", sagt sie. Das sei eine Bündelung von Lärm und "ich bin nicht der Meinung, dass nur jede Lärmquelle für sich allein zu bewerten ist. Daher unterstütze ich die Forderung nach Kappung im nördlichen Bereich."

Auch Günter Kolrep ist ein Verfechter der Windenergie, jedoch kein Lobbyist, wie er selbst sagt. "Was da für Karstädt jetzt beschlossen werden soll, kann ich nicht nachvollziehen, ebenso die Beweggründe, warum sich der Ortsbeirat mehrheitlich für die Ausweisung neuer Flächen aussprach", wandte sich der Karstädter an den "Prignitzer".

Kolrep, von 1990 bis 2008 Gemeindevertreter und langjähriges CDU-Kreistagsmitglied, ist der Auffassung: "Mit dem Windpark Karstädt waren wir Anfang der 90er Jahre Vorreiter in der Prignitz. Wir haben für das Gebiet einen Bebauungsplan erstellt und ich denke, es ist mit Windrädern gut ausgelastet." Die Gemeindevertretung sei sich einig gewesen, dass die Bahnlinie die Grenze in der Gemarkung sein sollte, hinter der es keinen weiteren Windpark gibt, "um uns ein Stück Natürlichkeit zu erhalten", unterstreicht er.

Kolrep fragt, warum man von diesem Standpunkt abweichen wolle. Es gebe hier genug Windräder. Andere Regionen, hätten eher Nachholebedarf. "Auch sollten wir die geplante Höhe der Anlagen von 200 Metern bedenken, was den Schattenwurf angeht, ebenso den Geräuschpegel für Karstädt und Semlin bei oft starkem Westwind", benennt Kolrep weitere Argumente.

Aus privaten Gründen könne er leider nicht an der heutigen Sitzung teilnehmen, wolle aber auch noch mit André Lüdemann als Ortsvorsteher sprechen und ihn bitten, die Beschlussempfehlung zurück zu ziehen und noch einmal beraten zu lassen.

Von der Ausweisung eines neuen Windparks wirtschaftlich besonders betroffen wäre die Agrargenossenschaft Karstädt als Flächeneigentümer bzw. Pächter. "Wir sind schon gehandicapt durch Flächenverluste für die A 14-Trasse bzw. Ausgleichsmaßnahmen. Deshalb begrüßen wir einen neuen Windpark nicht gerade, können uns aber nicht völlig dagegen stellen", meint Vorstandsvorsitzender Lothar Pawlowski.

"Denn sagen wir nein, umgehen uns die Investoren und setzen ihre Anlagen auf Privatland. Sind das Pachtflächen, geht uns auch hier Acker verloren. Dann können wir lieber etwas von unserer Fläche abgeben und haben davon noch einen Vorteil."

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