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Der Prignitzer

18. November 2017 | 05:46 Uhr

Jubiläum in Perleberg : WG feiert Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Awo-Wohngemeinschaft (WG) für Kinder und Jugendliche besteht seit 20 Jahren in Perleberg.

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Für Desy ist der heutige Tag ein ganz besonderer. Die Wohngemeinschaft (WG) der Awo für Kinder und Jugendliche, die viele Jahre ihr Zuhause war, feiert ihren 20. Geburtstag. Zudem ist es für das junge Mädchen der letzte Tag hier. Sie ist jetzt 18 Jahre, für sie beginnt nun ein eigenständiges Leben. „Desy hat eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten begonnen. Sie wird ihren Weg machen“, ist sich Birgit Pieper sicher. Seit 2010 leitet sie die WG, wo Heranwachsende, deren Eltern überfordert oder aber diese Aufgabe und Verantwortung nicht übernehmen wollen bzw. können, mehr als nur ein Dach über dem Kopf finden.

Am 1. Januar 1997 beschloss der Kreistag, das Internat des Landkreises in der Wittenberger Straße in freie Trägerschaft zu geben. Bisher waren hier die Fahrschüler der Förderschule untergebracht. Etliche der Kinder aber brauchten mehr als nur ein Bett und einen Schreibtisch für die Hausaufgaben.

Heimerziehung, Hilfe zur Erziehung – für die Awo war es nicht nur ein neues Konzept, mit dem sie hier antrat, es war auch eine Art Feuertaufe. Bis heute ist diese Heimeinrichtung die einzige, die die Awo Prignitz betreibt. Neben der internatsmäßigen Unterbringung der Fahrschüler gab es nun hier auch acht Plätze für die Heimerziehung. Die Woche über wurden jene Mädchen und Jungen besonders betreut, übers Wochenende ging es dann nach Hause.

Doch Hilfe benötigen diese Kinder nicht nur montags bis freitags. So wurden daraus 365 Tage rund um die Uhr, „was auch für die Kollegen ein Umdenken bedeutete. Denn fortan beinhaltete der Dienstplan auch das Wochenende“, fügt Birgit Pieper an.

Für 100 Kinder und Jugendliche war die WG in der Wittenberger Straße das Zuhause, für viele zehn Jahre. „Für sie war es wichtig und gut“, weiß die engagierte Leiterin, die über ihre Arbeit sagt, dass sie kein Job, sondern eine Berufung ist. Und die werde hier gelebt, von ihrem gesamten Team.

Sechs Kinder wohnen derzeit in der WG und seit dem vergangenen Jahr kommen sie nicht nur aus dem Landkreis Prignitz. „Wenn wir Platz haben, wird auch über den eigenen Tellerrand geschaut. Es geht hier um Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen“, betont Birgit Pieper. Der Rucksack, den diese tragen, ist nicht mit dem vor 20 Jahren zu vergleichen. Er ist größer, schwerer geworden. Nicht von ungefähr sieht Birgit Pieper ihr Team, ihre Einrichtung als „Naturschutzgebiet für die kleinen Seelen“. Hier können jene erfahren, was ihnen bis dato fremd war, spüren, dass sie was können, was wert sind und, dass sie anderen etwas bedeuten, diese sich auch für sie stark machen. Letzteres wohl wissend, dass sie sich damit nicht gerade immer beliebt machen. „Wir spüren schon Ausgrenzung und Ablehnung“, gesteht die Leiterin. Der Paragraf 34 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ist für Birgit Pieper daher auch die Königsdisziplin: 24 Stunden starke Nerven, das Herz auf dem rechten Fleck, eine gehörige Portion Idealismus und eine tolle Crew.

Wie in einer Familie spielt sich das Leben hier ab. Schule, gemeinsames Essen, Hausaufgaben, Freizeit, Fußball oder Tanzen im Sportverein, gemeinsamer Urlaub. Da gibt es Zoff, fliegen auch mal die Türen, wird gerauft und gestritten aber genauso gelacht, werden kleine Geheimnisse geteilt und gegenseitig darauf geachtet, dass auch jeder seine Pflichten erfüllt. Normalität – bis dato sah diese für die Kinder anders aus. So ist es gut, dass diese Einrichtung besteht. Birgit Pieper und ihrem Team gibt man hier die Zeit, die Mädchen und Jungen nicht nur auf das Leben vorzubereiten, sondern ihnen auch zu vermitteln, wie schön dieses ist. Dabei werden sie von vielen Partnern unterstützt.  

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