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Junger Wetterfrosch aus Karstädt : Wetterfrosch will hoch hinaus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit zwölf Jahren hat Johannes Herper nur eines im Kopf: Temperaturen, Niederschlag und Windgeschwindigkeit

Johannes Herper sitzt an seinem Computer. Vor ihm, auf dem Bildschirm, blättern sich Statistiken und Diagramme auf. Schnell scrollt er durch die Zahlen, kontrolliert verschiedene Werte, studiert Grafiken, bis er schließlich nickt: „Dichte Wolken, leichter Regen, bis fünf Grad Celsius erwarten uns morgen in Karstädt.“

Johannes Herper ist zwölf Jahre alt. In seinem Kinderzimmer in Karstädt hängt ein Boxsack von der Decke, im Regal steht eine X-Box. Dennoch verbringt Johannes die meiste Zeit nur mit einer Sache: dem Wetter. Wenn er nicht auf den Bildschirm schaut, schaut er aus dem Fenster, beobachtet die Wolken, den Wind in den Ästen, den Regen in den Pfützen. Er ist der wohl jüngste Wetterfrosch der Prignitz.

Schon immer faszinierte ihn, was am Himmel passiert. Mit neun Jahren schnappte Johannes sich das erste Mal die Kamera seines Vaters, um bei einem Gewitter die Blitze zu filmen. Je heftiger der Sturm, desto besser. „Als 2007 der Orkan Kyrill über die Prignitz fegte, kamen hier vor dem Haus die Äste von den Bäumen runter. Alle hatten Angst. Aber ich saß die ganze Zeit am Fenster, weil ich alles sehen wollte“, erzählt Johannes. Draußen ist ein einziges grau in grau. Es nieselt. Kein Wetter zum Rausgehen.

Als Johannes neun Jahre alt war, glaubten seine Eltern noch, dass sein ungewöhnliches Interesse schnell nachlassen würde. Doch Johannes wollte mehr erfahren. Von seinem Opa bekam er sein erstes Buch über Wetterphänomene. Kurze Zeit später schenkten seine Eltern ihm die erste Wetterstation. Die konnte nur drei Einheiten messen: Niederschlag, Temperatur und Windgeschwindigkeit. „Damals habe ich alle Messdaten selber aufgeschrieben. Doch das war sehr aufwendig und die Daten waren nicht genau genug. Ich musste jede Stunde rausgehen, um die Werte zu überprüfen“, erinnert sich Johannes. Für sein Hobby gab er sein ganzes Taschengeld aus. Schließlich ging die Wetterstation kaputt. Eine neue, bessere musste her. Zum Geburtstag bekam er seine erste automatische Station.

Inzwischen stapelt sich in Johannes Zimmer die Technik. Auf seinem Schreibtisch liegt ein kleines schwarzes Gerät. „Das ist ein Gewitterwarner. Der kann die Blitzaktivitäten im Umkreis von 40 Kilometer bestimmen“, erklärt Johannes. „Wenn es irgendwo blitzt, leuchtet er auf.“ Neben ihn an der Wand hängen drei kleine Bildschirme, die Wetterdaten erheben, im Nebenzimmer verarbeitet ein Computer 24 Stunden am Tag die Daten.

Doch Johannes ganzer Stolz steht draußen auf dem Dach. Eine Davis Vantage Pro2. Das ist eine Funk-Wetterstation der Spitzenklasse. Sie sieht ein bisschen aus, wie eine moderne Kunstskulptur. In Wahrheit misst das Gerät die Innen- und Außentemperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, den Niederschlag, die Windrichtung und die Windstärke. „Die Station ist die Beste, die ich bisher hatte. Die misst sehr genau. Ich habe sie von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen“, erzählt Johannes stolz.

Und was macht ein Zwölfähriger mit einer professionellen Wetterstation? „Ich warne die Leute gerne. Ich sage zum Beispiel Glatteis voraus. Und meine Vorhersagen sind ziemlich genau.“ Diese Warnungen sowie alle Messergebnisse zusammen mit Fotos und Grafiken stellt Johannes seit Mai 2013 auf seiner Website wetter-karstaedt.de.tl online. In nur drei Monaten hatten die Seite bereits 2000 Besucher. Anfangs trug er die Daten noch alle sechs Stunden manuell ein. Inzwischen übernimmt eine Software diesen Arbeitsschritt: „Das spart sehr viel Zeit.“ Und Zeit kann der Siebtklässler gebrauchen. Mehrere Stunden täglich verbringt er mit seinem Hobby. Am Wochenende ist er dafür auch schon einmal bis drei Uhr nachts wach. „Es ist wie eine Sucht“, scherzt er.

Sein sehnlichster Wunsch ist es, Meteorologe zu werden und dafür braucht er ein gutes Abitur. „Ich sitze in der Schule am Fenster und da beobachte ich oft das Wetter. Bei einem Orkan kam es sogar einmal so weit, dass mir eine Lehrerin den Computerraum aufschließen musste, damit ich auf meiner Website die Leute warnen konnte.“

In der Schule wundert sich darüber inzwischen niemand mehr. Freunde und sogar Lehrer erkundigen sich bei Johannes über das Wetter. Und auch zu Hause ist sein Hobby immer Thema: „Er spricht viel über das Wetter. Ich finde das klasse und hoffe, dass er das schafft und Meteorologe wird“, meint Markus Herper, Johannes Vater stolz.

Bis es so weit ist, will Johannes weiterhin die Prignitzer auf seiner Website und auf seiner Facebookseite vor Unwetter warnen. Wer will, kann seine Homepage auf www.top100.wetterpage24.de/toplist/index.php bewerten.



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erstellt am 16.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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