Perleberg : Wetterfrosch verheißt Frühling

Hobbymeteorologe Günter Redlin übergibt der Bürgermeisterin die Datensammlung.  Fotos: Doris Ritzka
Hobbymeteorologe Günter Redlin übergibt der Bürgermeisterin die Datensammlung. Fotos: Doris Ritzka

Hobbymeteorologe Günter Redlin übergab Stadt 129 Seiten mit Langzeitwetterdaten

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24. März 2016, 09:48 Uhr

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Hobbymeteorologe Günter Redlin weiß wovon er spricht. Seit 1993 beobachtet er das Geschehen an der Wetterfront über Perleberg. Gott Lob, so der Perleberger, dass an dem Wetter noch keiner drehen kann. Wobei, ganz stimme das nicht, denn der Mensch und sein Verhalten haben schon Einfluss darauf, was mit dem Klima passiere.

Direkt verantwortlich für die Wetterkapriolen in jüngster Zeit sei aber El Niño und „das bekommen wir auch in unserem kleinen Perleberg zu spüren“, so Günter Redlin. Während die einen von großer Trockenheit heimgesucht wurden bzw. werden, wie der Regenwald im Amazonasgebiet, es anderswo zu heftigen Stürmen kommt, spüren wir die Feuchtigkeit und eine relative Wärme. „Laut meinen Aufzeichnungen nimmt jene seit 2004 kontinuierlich zu“, fügt der Hobbymeteorologe an. Übrigens, das wärmste Jahr in Perleberg nach seinen Aufzeichnungen war 2011. Da steht eine Durchschnittstemperatur von 15,32 Grad zu Buche.

Hat der Winter sich in diesem Jahr nun endgültig verabschiedet und wird es Frühling, wie zu Ostern angekündigt? „Wahrsagen kann ich nicht, aber fest steht, wir haben nicht nur laut Kalender Frühling, sondern er kommt jetzt auch. Und er wird feucht,“, prognostiziert der Wetterfrosch.

Gewiss, es gebe Bauernregeln, beispielsweise wo nach einer grünen Weihnacht weiße Ostern folgt. Hundertprozentig seien die nicht, obwohl sie durchaus Ausdruck der sogenannten Bauernschläue gepaart mit ganz viel Erfahrung seien. Denn wer, wenn nicht der Bauer, war und ist am dichtesten an der Natur dran und eben auch von ihr besonders abhängig.

Für den Sommer stellt Günter Redlin eher Mischwetter als durchgehend heiße Wochen und Monate in Aussicht. Die Meeresströmung müsste sich Richtung Atlantik ändern, dann könnte es durchgehend heiß auch bei uns im Sommer werden. Doch bis dato sehe nichts danach aus, sagt er.

Insgesamt sei es in unseren Breiten laut seinen Aufzeichnungen feuchter geworden. 2007 war danach ein total verregnetes Jahr. Und betrachte man den Zeitraum von 1998 bis 2015 so fielen 15820 Liter pro Quadratmeter Niederschlag auf die Stadt. Insofern hegt der Hobbymeteorologe auch Zweifel an der Aussage, dass sich die Prignitz zu einem Trockengebiet entwickle, wie er in einer Publikation las.

Seit 1993 beobachtet Günter Redlin täglich das Wetter, liest die Daten von seinen Stationen ab und notiert alles akribisch per Hand. 220 017 sogenannte Primärdaten habe er mittlerweile erfasst, sprich Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchte und Luftdruck sowie Windstärke und -richtung, Wolkengattungen, die Regentage und jene, an denen es trocken war, Frost- und Schneetage notiert. Jede Menge Ordner füllen all diese Daten, allein eines der Erfassungsbücher beinhaltet schon 154 191 Daten, berichtet der Perleberger, der dieser Tage seinen 91. Geburtstag feierte. „Ich brauche diese Beschäftigung“, gesteht er, das Wetter halte ihn in Bewegung, denn die Daten müssen abgelesen werden. Und das Wetter halte ihn auch geistig fit.

Übersichten der gesammelten Daten hat er nun auch Bürgermeisterin Annett Jura übergeben. „Ich will nicht, dass sie verloren gehen.“ Denn bezogen auf Perleberg dürften sie für eine wissenschaftliche Auswertung schon interessant sein. So habe sich unter anderem auch die PVU für seine Daten zu den Niederschlägen und deren Entwicklung interessiert. „Wie ich mit den Aufzeichnungen begonnen habe, lagen wir bei 750 Liter im Jahresdurchschnitt, heute sind es 870 Liter Niederschlag. Entsprechend dimensioniert werden müssen die Leitungen, wenn neue verlegt werden.“

Allein auf 23 Seiten hat der Hobbymeteorologe die Temperaturdaten festgehalten. Von 1993 bis Dezember 2015 lag danach die Durchschnittstemperatur für die Rolandstadt bei 11,04 Grad Celsius. Tendenz steigend. Für den Zeitraum von 2004 bis 2015 registrierte der Perleberger 374 Sonnentage mit einer Temperatur über 25 Grad Celsius. Dem gegenüber stehen 375 Frosttage. Spitzenreiter hier, der Februar 1996. Als tiefste Temperatur für die Stadt notierte Günter Redlin minus 17 Grad Celsius.

58 226 Daten in sieben Erfassungsbüchern akribisch festgehalten übergab Günter Redlin der Stadt. „Eine Fleißarbeit“, wie Bürgermeisterin Annett Jura betonte. Als wichtig und gleichermaßen wertvoll bezeichnete Antje Hartwig vom Umweltamt der Stadt die Langzeitbetrachtungen. Erkenntnisse daraus könne man beispielsweise nutzen bei der Auswahl von Bäumen.

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