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Eichenprozessionsspinner : Wer soll die Raupen stoppen?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bundesweite Debatte über Eichenprozessionsspinner, aber keine klare Linie in der Bekämpfung absehbar.

von
erstellt am 16.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Der Eichenprozessionsspinner ist kein Problem der Prignitz allein. Bundesweit wird der Schädling in immer mehr Regionen zu einer Plage. Dienstagabend thematisierte sogar die ARD in ihrem Report aus Mainz die Raupe, dessen Härchen heftige allergische Reaktionen auslösen können.

Hintergrund ist der bundesweite Streit um eine Bekämpfung des Schädlings. Befürworter und Gegner stehen sich offenbar unversöhnlich gegenüber. Die ARD-Reporter berichten über eine Schule in Frankfurt am Main. Aufgewirbelte Haare der Raupen auf dem Schulhof hatten zu einem Großeinsatz des Rettungsdienstes geführt. 180 Kinder klagten über Probleme, einige von ihnen kamen ins Krankenhaus.


Eine Woche Krankenhaus


Die Reporter waren in der Prignitz, sprachen mit Holger Galonska. Der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz zeigte den Journalisten abgestorbene Eichen. Mittlerweile sind ganze Bestände in der Prignitz gefährdet.

Durch den wiederholten Kahlfraß können sich die Bäume nicht mehr regenerieren. „Da blutet einem das Herz, wenn wir die Eichen fällen müssen, obwohl sie noch jahrelang weiter wachsen könnten“, sagt Galonska. Bereits im August hatte er unserer Zeitung tote Eichen gezeigt.

Im Nachbarkreis klagt Familie Reinhardt aus Heiligengrabe über die Raupen auf ihrem Grundstück. Frank Reinhardt habe einen Kreislaufzusammenbruch erlitten, war eine Woche im Krankenhaus.


Bundesumweltamt sieht keine Probleme


Problem sei das unkoordinierte Vorgehen der einzelnen Behörden, so Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn. Er sei für kommunale Flächen zuständig, die Forst für den Wald, Kreis und Land für ihre jeweiligen Straßenbäume. Der eine bekämpft, der andere nicht. Gewinner sind die Raupen, die von unbehandelten Flächen die besprühten Bäume zurückerobern.

Auch in der Prignitz konnte in diesem Jahr nur bruchstückhaft bekämpft werden. Behörden und Naturschutzverbände hatten diverse Verbote erlassen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium ist tatenlos, verweist lediglich auf Gespräche mit den Ländern. Und das Bundesumweltamt sagt in der ARD: Es gebe keinen Grund, den Eichenprozessionsspinner chemisch zu bekämpfen. Es gebe Alternativen, Menschen könnten den Kontakt zu Raupen vermeiden und die Behörde widerspricht Waldeigentümern: Es bestehe keine Gefahr für die Wälder.

Philipp zu Guttenberg, Präsident des Waldeigentümerverbands stellt es so dar: Wer eine Bekämpfung ablehnt „akzeptiert die großflächige Zerstörung des erneuerbaren Rohstoffs Holz, willigt ein, dass wichtige Naherholungsgebiete für die Bevölkerung gesperrt werden und auch von jenen nicht mehr betreten werden dürfen, die im Wald arbeiten und von ihm leben.“

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