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Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 02:52 Uhr

"Wer rastet, der rostet"

vom

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erstellt am 11.Sep.2013 | 06:42 Uhr

Wittenberge | Ein wenig verdutzt war Giesela Littmann schon, als sie in der Heilig-Geist-Kirche in Berlin einen flüchtigen Blick auf den Ablaufplan der Veranstaltung warf. Zwar hatte die Awo-Vorsitzende aus Wittenberge bereits eine Woche zuvor erfahren, dass sie in diesem Jahr zu den Preisträgern der Regine-Hildebrandt-Medaille gehören würde.

Wer ebenfalls geehrt werden sollte, wusste sie jedoch nicht: die Berliner Sozialgerichtspräsidentin Sabine Schudoma und Prof. Dr. Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor am Deutschen Herzzentrum. "Und daneben dann ich, die kleine Frau aus Wittenberge", schmunzelt Giesela Littmann. Ihr Kreisverband hatte die 78-Jährige vor gut einem Jahr für die Regine-Hildebrandt-Medaille vorgeschlagen, die Landesverbände Berlin und Brandenburg befürworteten die Bewerbung.

Kaum verwunderlich, so ist Giesela Littmann doch schon seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Awo tätig. Im Jahr 1990 gründete sie zusammen mit fünf Mitstreitern den Ortsverein Wittenberge und wurde wenig später dessen Vorsitzende. Bis heute hat die Rentnerin diesen Posten inne und ist nebenbei auch Chefin der Begegnungsstätte in der Perleberger Straße, die im Jahr 1993 eröffnet wurde. Insbesondere hier hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einiges getan. "Im Innenbereich ist mittlerweile alles sehr gut eingerichtet." Auch das marode Dach der Einrichtung soll noch in diesem Jahr in neuem Glanz erscheinen. "Dafür habe ich fünf Jahre lang gekämpft."

Stolz ist Giesela Littmann darauf, dass sich die Begegnungsstätte mittlerweile weitestgehend selbst trägt. "Die Stadt hat uns das Haus kostenlos zur Nutzung überlassen, von ihr bekommen wir jedes Jahr einen Betriebskostenzuschuss von 5 000 Euro." Zwar würde hierdurch nur rund ein Fünftel der Kosten für Strom, Wasser, Heizung und Reparaturen abgedeckt werden, der Rest könne jedoch aus eigenen Einnahmen gedeckt werden. "Wir haben einen Gaststätten-Status und bieten jeden Tag einen Mittagstisch an."

Auch Giesela Littmann selbst darf sich inzwischen über eine kleine Aufwandsentschädigung von 200 Euro im Monat freuen. Seit August letzten Jahres leistet sie offiziell den neu eingeführten Bundesfreiwilligendienst in der Awo. "Ich dachte mir, wenn ich sowieso schon hier bin, dann kann ich auch als Bufdi arbeiten", berichtet sie stolz. Wenn es die Gesundheit mitmacht, möchte sie noch anderthalb Jahre als Vorsitzende der AWO aktiv sein: "Bis zu den nächsten Neuwahlen." Nachwuchssorgen gibt es bei der Arbeiterwohlfahrt ohnehin nicht. Der Ortsverein Wittenberge zählt derzeit 408 Mitglieder, von denen sich Giesela Littmann auch schon ihren potenziellen Nachfolger ausgeguckt hat.

Ganz ohne ihre Awo wird sie jedoch auch nach dem Ausscheiden nicht können. "Wenn ich sehe, wie glücklich die Leute bei uns sind, dann ist das auch für mich eine Genugtuung." Die Awo sei mittlerweile zu einem zweiten Zuhause für sie geworden, das ihr unglaublich viel zurückgebe. Ein tristes Rentner-Dasein kommt für Giesela Littmann daher nicht in Frage: "Ich sage immer: ,Wer rastet, der rostet."

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