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Zeitumstellung in Perleberg : Wer hat an der Rathausuhr gedreht?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Uhrmachermeister Michael Preuß hat den Zeitmesser am historischen Amtssitz der Verwaltung schon auf Winterzeit eingestellt

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 20:45 Uhr

Perleberg ist seiner Zeit voraus. Das verrät der Blick heute auf die Rathausuhr. Denn während allerorts erst in der Nacht zu Sonntag die Zeiger zurückgedreht werden, ist die Rathausuhr bereits seit Freitag auf Winter eingestellt.

Michael Preuß hat an der Uhr gedreht. Seines Zeichens Uhrmachermeister, betreut er seit Anfang 2000 den großen Zeitmesser am historischen Amtssitz der Ratsherren und -frauen. Zwar bei weitem nicht so alt wie das Rathaus aber dennoch schon recht betagt, ist die Uhr. Mit Glockenschlag verkündet sie nicht nur, was die Stunde geschlagen hat, sondern gibt auch den Viertelstundentakt an. Übrigens, das Schlagwerk war ein Geschenk an die Bürger der Stadt zur 725-Jahrfeier, wie Stadtarchivarin Silvia Pieper für den „Prignitzer“ herausfand.

Die Rathausuhr, so wie sie sich heute zeigt, wurde 1963/1964 eingebaut, verkünden die Stadtannalen. Hersteller, Lieferer und Monteur war die Turmuhrenfabrik Zachariä aus Leipzig. Die Uhr musste fortan nicht mehr, wie ihr Vorgänger, alle zwei Tage aufgezogen werden, sondern erhielt einen elektrischen Aufzug.

Mit straffen Schritten geht die Rathausuhr inzwischen aber auch schon aufs Rentenalter zu. „Das hat sie eigentlich längst erreicht“, entgegnet Michael Preuß. Er weiß um all die Zipperlein, die die Uhr derweil schon plagen. Die Rädchen haben sich abgerieben, die Wellen, die sie treiben, sind müde, und immer öfter muss die alte Dame gesalbt, sprich geölt werden. Sie ist wetterfühlig geworden. Ist es feucht, hat sie es eilig, schaltet auf Feierabendmodus, geht zwei bis drei Minuten vor, weiß der Uhrmachermeister. Ein anderes Mal folgt sie dem Grundsatz: Dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Dann lässt sie sich zwar nicht alle Zeit der Welt aber immerhin doch einige Minuten.

Einmal im Monat, manchmal auch öfter, schaut Michael Preuß bei der alten Dame nach dem Rechten, holt sie wieder in die richtige Zeit zurück, sprich reinigt, reguliert und fettet Hebel, Räder- und Schlagwerk. Und jeweils einmal im Jahr dreht er die Uhr eine Stunde vor oder zurück. Letzteres bereits am Freitag. Der Grund: Am Wochenende ist das Rathaus geschlossen, Montag hat die Verwaltung Brückentag, Dienstag ist Feiertag und bis Mittwoch zu warten, hätte womöglich den Anschein erweckt, Perleberg habe die Zeit verschlafen. Ein fatales Zeichen gerade jetzt, wo es darum geht, weitere 200 Jahre zu sichern, dass in Perleberg entschieden wird, was kreisweit die Stunde geschlagen hat. Ein Grund mehr, die alte Rathausuhr zwar nicht komplett aufs Altenteil zu schicken, aber zumindest über einen zeitgemäßen, funkgesteuerten Antrieb nachzudenken. Ein ständiges Nachregulieren per Hand entfiele, die Uhr würde insgesamt nicht mehr so anfällig.

Uhrmachermeister Michael Preuß wird aber auch weiterhin seine nicht alltägliche Kundin fachmännisch betreuen. Er habe einen Faible für alte Uhren und ihr mechanisches Innenleben – egal ob groß oder klein. Einen Unterschied mache da nur das Werkzeug. Hammer und große Zange weiß er genauso zu handhaben, wie Lupe, feine Kornzange und Ölgeber, mit dem man einen 0,5 Millimeter Öltropfen setzen kann.  

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