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St.Jakobi-Kirche zu Perleberg : Wenn um 6 Uhr die Glocken rufen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

…dann wird in der St. Jakobi-Kirche zu Perleberg Quempas gefeiert, sind Groß und Klein zum Mitsingen eingeladen

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erstellt am 15.Dez.2014 | 12:00 Uhr

6 Uhr am ersten Weihnachtstag: In der St. Jakobi-Kirche zu Perleberg zündet Herr Brauer wie seit mehr als 20 Jahren die Kerzen an, die Glocken läuten, rufen zum Quempas. Es ist etwas Besonderes, was Perleberg hier zu bieten hat – ein szenisches Singspiel der Weihnachtsgeschichte, wie man es ähnlich nur noch in Luckau erleben kann, weiß Pfarrer Tilmann Kuhn zu berichten, während die Generalprobe läuft.

Zurück geht jenes auf vorreformatorische Zeiten, sprich auf das 15. Jahrhundert. Eine Tradition, die sich hielt, auch mit dem reformatorischen Wechsel nicht abgeschafft wurde. Das Besondere gegenüber dem üblichen Weihnachtsspiel – die ganze Gemeinde, alle Menschen in der Kirche werden eingebunden und so wurde diese Art szenischer Wechselgesang sicher auch mit der Kraft der ganzen Stadt einst eingeführt und am Leben erhalten.

Warum in Perleberg? Auf diese Frage gibt es keine Antwort, jedenfalls keine verbriefte. Verbrieft aber ist, dass der Quempas immer von Frauen vorbereitet wurde. Viele verbinden Quempas noch mit dem Namen von Konstanze Spiering. 2001 übernahm dann Irmela Czubatinski die Aufgabe, unterstützt von Gabriela Oltersdorf und Christiane Nüsse. Heute hilft ihr Petra Eggert.

Interessant ist, dass selbst zu DDR-Zeiten der Quempas stattfand, obwohl er so gar nicht ins Bild des Sozialismus passte. Der Versuch, diese Tradition in zumindest ruhigere Bahnen zu leiten, wurde zu weitaus früheren Zeiten von der Obrigkeit unternommen. Damals riefen die Glocken um 1 Uhr nachts zum Quempas. Die Zeit bis dahin vertrieben sich viele in den Wirtschaften, entsprechend glückselig ging es dann in die Kirche. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Quempas auf 6 Uhr verlegt, möglicherweise, damit die Gasthausgänger wenigstens ein paar Stunden schlafen konnten.

Heute treffen sich viele nach dem Quempas noch zum gemeinsamen Frühstück. „Im vergangenen Jahr saßen auf einmal an die 30 Leute in meiner Wohnung. Meine Jungs hatten sie eingeladen. Und es war schön“, berichtet schmunzelnd Tilmann Kuhn. Ähnlich sieht es in anderen Familien aus. Eine kleine Gruppe treffe sich im Anschluss auch vor der Kirche bei Glühwein.

„Für die, die von klein auf den Quempas kennen, gehört er einfach zu Weihnachten“, bestätigt Irmela Czubatinski. Einige kommen eigens aus Berlin, stehen in der Nacht auf, um beim Quempas dabei zu sein. Auch aus den umliegenden Dörfern und Städten der Prignitz kommen sie. „Es ist einfach ein Erlebnis“, ergänzt Petra Eggert. Ihre beiden Kinder gehören zu den Hirten bzw. den Königen. Sie selbst hilft in diesem Jahr, gemeinsam mit Irmela Czubatinski den Quempas zu organisieren.

Am Sonnabend wurde die Weihnachtsgeschichte geprobt, am 19. Dezember, 18 Uhr, sowie am 21. Dezember, 16 Uhr, wird der Wechselgesang in der Kirche geübt. Jeder ist willkommen, denn während beim Quempas von der Empore der Chor erklingt, stimmt die Gemeinde unten das Resonet, den Antwortgesang, an. Der Quempas ist live, davon lebt er. Er ist aber auch darauf angewiesen, dass viele mitsingen. 

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