Architektur in Platte : Wenn Stuck am Neubau „wächst“

Der Neubau passt sich optisch in die umgebenden Häuser ein.
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Der Neubau passt sich optisch in die umgebenden Häuser ein.

Dann sind Illusionsmalerei und eine gehörige Portion Mut zum Besonderen im Spiel / Zu erleben in der Bahnstraße 57 a bis c

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03. November 2014, 22:00 Uhr

Gucken, staunen, Begeisterung: Seit in der vergangenen Wochen (wir berichteten bereits kurz) das Baugerüst und die Planen am Haus Bahnstraße 57 mit seinen drei Eingänge gefallen sind, wird darüber gesprochen. Aus dem Plattenbau mit seiner schmucklosen Zweckarchitektur sind – optisch – drei Jugendstil-Stuckhäuser geworden.

Illusionsmalerei sowie die Neugliederung der Dachlandschaft und der Fassade haben die äußere Verwandlung vom schlichten Neubau zum Hingucker im Gründerzeitstil bewirkt. Die Wohnungsbaugesellschaft hat das für Wittenberge (WGW) einmalige Projekt umgesetzt.

Geschäftsführer Torsten Diehn sagt, die WGW habe sich im Interesse des Stadtbildes zu der sicher ungewöhnlichen äußeren Veränderung entschlossen. Wichtig ist dem Geschäftsführer dabei die Feststellung, dass „die 30 Wohnungen in den drei Aufgängen technisch sämtlichst in Ordnung sind, mit den Vorzügen, die diese kompakten Wohnungen im Plattenbau aufzuweisen haben“. „Ein großes Manko war die Optik des Blocks. Das haben wir beseitigt.“ Eine Art Wunder haben die Illusionsmaler einer Berliner Spezialfirma vollbracht. An den Gesimsen von Fenstern ließen sie optisch Stuck „wachsen“. Durch das geschickte Setzten von Licht und Schatten erkennt man erst auf den zweiten oder dritten Blick: Alles Illusion – die aber dazu führt, „dass sich das Wohnhaus sehr viel harmonischer in die Häuserzeile mit seinen beiden Nachbargebäuden im Stil der Gründerzeit einfügt“, wie Diehn sagt. Das sei auch der Grund gewesen, sich nicht für ein anderes von der Firma auch vorgeschlagenes Motiv zu entscheiden, sondern auf Jugendstil zu setzen. Und das dann wiederum so konsequent, dass sämtliche drei Eingänge Holztüren erhielten. Türen, die nach realen Vorbildern in Gründerzeithäusern für den Neubau größenmäßig angepasst wurden. „Die Originaltüren haben wir in der Steinstraße 15a, in der Johannes-Runge-Straße 18 und in der Quitzowstraße 1 gefunden“, fügt Diehn an.

Dass es sich bei den Arbeiten in der Bahnstraße 57 a bis c keinesfalls um eine reine Schönheitsmaßnahme handelt, belegt der Geschäftsführer mit dem Verweis auf zahlreiche Einzelmaßnahmen und fasst zusammen: „Wir haben eine für die Mieter bezahlbare Sanierung vorgenommen.“ Dazu zählt beispielsweise, dass die Fenster ausgetauscht wurden. Nach vorne zur Bahnstraße hin wurden sie der Optik von Bürgerhäusern angepasst, sind also unterteilt. In der Hinterfront blieb es bei der bisherigen Form. Mit ziemlichem Aufwand hat die WGW auch die Austritte auf die Balkone verändert, sie sind niedriger und damit Mieter freundlicher geworden. Das Dach wurde nicht nur etwas abgeschrägt, sondern erhielt neue Dämmung.

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