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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 18:31 Uhr

Wenn Perlen der Musik erklingen

vom

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2013 | 07:50 Uhr

Perleberg | Die berauschende Mischung der milden Spätsommerluft und den aus Fenstern und Hoftüren quellenden Musik- und Gesangsfetzen, die am Samstagabend durch das Zentrum der Rolandstadt wabert, macht für die Besucher des Perleberg-Festivals schon den Weg von einem Spielort zum nächsten zu einem besonderen Erlebnis. Zwar trübt die Erkenntnis, dass die große Masse an Besuchern möglicherweise aufgrund diverser Parallelveranstaltungen ausgeblieben ist, die Vorfreude, die sich auf diesem Weg bei jedem Musikfan nahezu zwangsläufig ausbreitet, doch entschädigen die spielfreudigen Ensembles auf den fünf Bühnen für das fehlende Getümmel und machen manches Konzert zum intimen Erlebnis.

IC Falkenberg und der "Angst-Akkord" G-Dur

20 Uhr, Museumshof: Ralf Schmidt, vielen Musikfans besser bekannt als IC Falkenberg, haut in die Tasten. Doch was macht der Mann, der von 1983 bis 1989 als Frontmann mit der Stern-Combo Meißen durch die Konzerthäuser tingelte, hier eigentlich? Ist es Pianomusik mit Tiefgang, tragikomisches Kabarett oder Klamaukrock mit Pointen-Garantie? Irgendwie trifft das alles zu, wenn der Pop-Poet sich in Tonspielereien zu verlieren scheint, um wenige Sekunden später über den "Angst-Akkord" G-Dur zu philosophieren, der diesen Titel deshalb verdient, weil ihn Helene Fischer regelmäßig als Gerüst ihrer Lieder verwendet. Doch Falkenberg kann auch anders, flicht lokale Aspekte wie den A 14-Bau gekonnt in seine Wortakrobatik ein und entführt mit Stücken wie "Da ist die Angst " oder "So nah vom nächsten Meer" nicht wenige der Besucher in lyrische Traumlandschaften.

Stellmäcke und die Kleinkunst-Payback-Karte

Auch Stellmäcke und Band, die im Taverna Mythos abwechselnd mit dem Softbarjazz-Duo die Bühne entern, verüben den ein oder anderen Anschlag auf das Zwerchfell der Besucher. Lebens- und todesnahe Lach- und Sachgeschichten untermalt das Trio mit einem bunten Sammelsurium klingender und tönender Gerätschaften, von denen jene Besucher, die nicht gerade mit einem Magister in Musikwissenschaft gesegnet sind, allenfalls Gitarre, Schlagzeug, Saxofon und Klarinette zu erkennen vermögen.

Dass Stellmäcke und seine Truppe die Marktwirtschaft begriffen haben, zeigt ihre Werbeeinlage für die Kleinkunst-Payback-Karte: Für jeden Konzertbesuch gibt es drei Payback-Punkte, für jede gekaufte CD sogar fünf. Ist die Karte voll, ist das nächste Konzert gratis. Schließlich sind die drei auch im Datenschutz aktiv. "Doch Daten kann man nur schützen, wenn man sie hat", stellt der Bandleader selbstzufrieden fest und bittet um reichhaltige "Datenabgabe" für seinen Newsletter.

Rubini Zöllner und die Perleberger Stadtmusikanten

Während im zauberhaft illuminierten Parchimer Hof Carin Pfeifer zu lateinamerikanischen Rhythmen von Kontrabass und Congas die letzten Töne aus ihrem Akkorden quetscht, entern im Wallgebäude die Youngsters die Bühne: Rubini Zöllner, Tochter des Ost-Berliner Rockers Dirk Zöllner, intoniert stimmgewaltig Rockklassiker aus Ost und West. Lifts "Nach Süden" röhrt sie gemeinsam mit Musicalsänger Sven Fliege, einem gebürtigen Perleberger, ebenso stilsicher ins begeisterte Publikum wie Udo Lindenbergs "Ein Herz kann man nicht reparier’n". Und auch für die Begleitmusiker Marko Phillip (Schlagzeug) und Eike Steuer (Bass, Klavier) ist es ein gelungenes Rock-Heimspiel, denn beide stammen ebenfalls aus Perleberg.

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