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Der Prignitzer

21. November 2017 | 05:50 Uhr

Hochwasser : Wenn die Wische zum Retter wird

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hochwasserschutz: Mammutprojekt sieht Ausbau der Polder vor

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Die Idee zu einem Hochwasserschutzprojekt in der Lenzener Wische nimmt Konturen an. Es geht um eine gesteuerte Flutung der Polder, ähnlich wie es bei den Havelpoldern möglich ist, die 2002 und 2013 geflutet wurden. Jetzt stellten die beteiligten Behörden den Stand des Projektes und die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor (wir berichteten).

Die Studie zeigt das Potenzial des Polders, und das ist groß, sagt Hermann Stoppsack, der die Studie im Auftrag des Landes erstellte. Um zehn bis 30 Zentimeter könnte der Elbpegel gesenkt werden. Davon würden die Gebiete flussabwärts in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen profitieren.

Die Ergebnisse basieren auf unterschiedlichen Modellen. Aktuell hat der Polder zwischen Gaarz und Lenzen ein Fassungsvermögen von 20 Millionen Kubikmetern. Je nach Ausbau könnte das auf bis zu 65 Millionen steigen.

Die Voraussetzungen seien ideal, da es sich fast ausschließlich um Grünland handelt. Außerdem sei der Großteil bereits als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen, was die rechtliche Situation vereinfache.

In der Studie wurden die bestehenden Deiche vermessen und ihre Standsicherheit untersucht. „Reparaturen und teilweise auch Neubauten wären notwendig“, sagt Stoppsack.

Eine gesteuerte Flutung setzt Bauwerke voraus. Das Wasser muss aus der Elbe in den Polder gelangen und gezielt wieder ablaufen können. Auch dafür zeigt die Studie diverse Möglichkeiten auf.

Als besonders effektiv bezeichnete er ein Einlaufwerk im südlichen Bereich. Es hätte eine Breite von rund 100 Metern. Der Auslauf könnte in die Löcknitz oder in die Elbe hinein erfolgen. So oder so müsste das Schöpfwerk Gaarz modernisiert werden. Für das zu erwartende Qualmwasser werde wahrscheinlich ein zusätzliches Schöpfwerk benötigt.

Laut Studie würde die Flutungszeit zwischen 56 und 100 Stunden betragen. Je nach Füllstand des Polders und der letztlich gewählten Auslaufvariante könnte das Wasser elf bis 90 Tage auf der Fläche stehen.

Das ist die Theorie. Eine rechtliche Umsetzung könne nur mit Zustimmung der Landeigentümer gelingen, sagte Kurt Augustin, Abteilungsleiter im Umweltministerium. „Der Ernteausfall wird zu 100 Prozent kompensiert“, sagte er. 20 Prozent des Verkehrswertes bekommen die Landeigentümer einmalig ausgezahlt, im Gegenzug wird im Grundbuch eine Dienstbarkeit eingetragen. Weitere Details zu möglichen Entschädigungen seien noch zu klären.

Erste Reaktionen zu diesem Projekt fielen unterschiedlich aus. Bei der öffentlichen Vorstellung gab es Zuspruch, aber auch völlige Ablehnung.

Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes, wies auf die Gefahr des Schadstoffeintrags hin. Es werden Bodenwerte genommen, um den Ist-Zustand zu dokumentieren, so Augustin. Messergebnisse nach der Flutung der Havelpolder hätten ergeben, dass Grenzwerte nicht überschritten wurden.

Albrecht von Willamowitz wollte wissen, ob Landwirte im Fall eines Rückstaus der Löcknitz mit Entschädigung rechnen dürften. Das sei noch nicht entschieden, lautet die Antwort. Margit Hülsebeck erinnerte an das starke Qualmwasser beim Hochwasser 2011 und mahnte an, dass dafür im Zuge des Projektes eine Lösung gesucht werden sollte.

 

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