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Herbstböllerei Eldenburg : Wenn die „Schwiegermutter“ knallt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Herbst-Böllerei zeigt Kanonen im rauchigen Einsatz. Sechspfünder Luise von Quitzow bekommt nun Konkurrenz vom donnernden „Drachen“.

svz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Wer am Samstagvormittag in Richtung Eldenburg auf der Landesstraße 136 fuhr, der wurde kurz vor Ortseingang von einer dicken, weißen Wand überrascht – kein Nebel, sondern eine nach Schießpulver riechende Bodenwolke. „Zu jeder vollen Stunde lassen wir es hier auf dem Sportplatz ordentlich krachen“, sagt Urban Britzius, Standortvorsitzender des Böllercorps „Quitzow zu Eldenburg“ vom Verband Deutscher Schwarzpulver Kanoniere VDSK e. V.

Zur alljährlichen Herbstböllerei laden der 64-Jährige und seine neun Vereinsmitglieder immer befreundete Kanonier- und Schützenabteilungen zu sich nach Eldenburg. „Dann rumst, qualmt und stinkt es“, freut sich der Sportschütze mit „pyromanischer Ader“, wie er es selbst scherzhaft nennt.

Zwölf Kanonen aus Eldenburg, Wittenberge, Stendal, Havelberg und sogar aus Barleben bei Magdeburg reihten sich am Samstag in Reih und Glied auf dem Rasen des Sportplatzes. Eine von ihnen feierte sogar Premiere: Die Anna von Quitzow, ein preußischer Zwölfpfünder – eine Donnermaschine.

Sie wurde von einem Kanonengießer aus Rudolstadt bei Jena gefertigt – 3000 Euro kostete nur der Guss, weitere 4000 Euro kamen für das extra hergestellte Holzgestell dazu. „Alles aus Spaß an der Freude“, wie Britzius sagt.

Das Eldenburger Böllercorps feierte erst vor zwei Jahren seine neue Kanone, die Luise von Quitzow. „Eine Kanone sollte früher ja nicht nur Dinge zerstören, sondern auch Angst einflößen. Welcher Spitzname ist das passender, als ,die Schwiegermutter‘“, sagt Britzius über den preußischen Sechspfünder.

Doch die Schwiegermutter hat Konkurrenz bekommen: vom „Drachen“ – der Anna von Quitzow. Eine Mischung aus Schwefel, Holzkohle und Kalisalpeter – besser bekannt als Schwarzpulver – erweckt das „Monstrum“ zum Leben. Auch wenn am Samstag ohne echte Munition geschossen wurde, die Böllerladungen hatten es in sich. Ein „Feuer frei!“ vor dem Salut aus allen Rohren, grüne Fähnchen, die die Einsatzbereitschaft signalisierten, zwölf Kanonen, zwölf Explosionen. Die Druckwelle war deutlich zu spüren, Neulinge sind auf der Veranstaltung nicht ohne Grund aufgeschreckt. „Ohrenschützer sind hier schon angebracht“, rät Urban Britzius.

Immer wieder verschob sich die Anna-Kanone aufgrund der gewaltigen Entladung nach hinten und musste neu positioniert werden. Dann erneut „Feuer frei!“ Ein beißender Schießpulver-Geruch stieg in die Nase. Ob von rechts nach links oder alle gleichzeitig: Die Kanonen waren bis in umliegenden Dörfer zu hören. Durch die Rauchwolke waren nur noch Konturen erkennbar.

 

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