Wenn der Zahnarzt bis ans Bett kommt

 Dr. Kerstin Finger behandelt gemeinsam mit Zahnarzthelferin Christine  Zessel einen Rentner im Seniorenheim von Milmersdorf. Dank ihrer mobilen Technik sind die Therapien vor Ort möglich.dpa
Dr. Kerstin Finger behandelt gemeinsam mit Zahnarzthelferin Christine Zessel einen Rentner im Seniorenheim von Milmersdorf. Dank ihrer mobilen Technik sind die Therapien vor Ort möglich.dpa

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05. Mai 2011, 06:18 Uhr

Baek | Zum dritten Workshop trafen sich gestern Vertreter der drei brandenburgischen Gemeinden Milmersdorf (Uckermark), Neupetershain (Oberspreewald-Lausitz) und Groß Pankow, die sich am Forschungsprojekt des Bundesbauministeriums "Strategien zum Dorfumbau - Auswirkungen des demografischen Wandels auf ländliche Gemeinden" beteiligen. Treffpunkt war diesmal die Prignitz, und zwar der Ort Baek, Thema die regionale Daseinsvorsorge am ganz konkreten Beispiel der ärztlichen Versorgung auf dem Land.

Die Probleme der ländlichen Regionen sind dabei sehr ähnlich, das machte der Workshop deutlich. Die Einwohner in den Dörfern werden immer weniger und immer älter, sind oft nicht mehr in der Lage, weite Wege bis zum Facharzt in der Stadt auf sich zu nehmen. Dieses Problem hat Dr. Kerstin Finger, seit 26 Jahren Zahnärztin in Templin, erkannt und eine Lösung gefunden. Sie stattete ihre Praxis zusätzlich mit mobiler Technik und einem entsprechenden Fahrzeug dafür aus und fährt jetzt zu den Patienten, beispielsweise regelmäßig ins Seniorenheim von Milmersdorf. Gestern stellte sie ihr Projekt in Baek vor, sprach von einer Qualität, die in der Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten, deren Familienangehörigen oder Pflegern und auch den zuständigen Kommunen liege.

Genau dieser neue Kommunikationsprozess sei es, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung mit diesem sowie zwei weiteren Projekten verfolge, erklärte Forschungsbegleiterin Iris Ammann gegenüber dem "Prignitzer", es gehe nicht in erster Linie um Finanzierungen.

Doch ohne Geld ist vieles nicht umsetzbar, macht Wolfgang Müller, ehrenamtlicher Bürgermeister von Neupetershain, deutlich. Und er spricht ganz konkret das Gemeindeschwestern-Pilotprojekt an, das in der Lausitz leider nur so lange funktioniert habe, wie Fördermittel geflossen seien. Doch diese Vor-Ort-Versorgung sei auf den Dörfern enorm wichtig. "Wir sind noch in der guten Lage, bei entsprechenden Projekten eine Kofinanzierung von Vattenfall zu bekommen als bei uns ansässigem großen Unternehmen", fügt Müller an.

Andere Kommunen, wie beispielsweise die Gemeinde Groß Pankow (Prignitz), sind nicht in einer so günstigen Situation. Dennoch: "Auch wir tun alles, um gerade für Groß Pankow wieder einen Allgemeinmediziner zu gewinnen. Die Möglichkeiten sind da, und wir würden einen Interessenten auch finanziell unterstützen", stellt Bürgermeister Thomas Brandt klar. Denn die Entscheidungsgewalt liegt in der Gemeindevertretung. Diese kommunale Selbstbestimmung mahnt Klaus-Christian Arndt, ehrenamtlicher Bürgermeister von Milmersdorf, auch für die Zukunft an. Denn vieles, was Milmersdorf geschafft habe, wäre nach Eingliederung als Ortsteil in eine Stadt nicht mehr möglich, ist er sich sicher.

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