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Der Prignitzer

19. November 2017 | 13:41 Uhr

Wenn der Stromfluss versiegt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Szenario ist jederzeit möglich / Prignitzer Katastrophenschutz rät zu Vorsichtsmaßnahmen, die jeder ohne großen Aufwand für sich treffen kann

svz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:38 Uhr

Vor kurzem jährte sich zum zehnten Mal der flächendeckende Stromausfall im Münsterland: Nach einem heftigen Wintereinbruch waren tausende Haushalte über längere Zeit ohne Elektrizität, wurden vom THW mit Notstrom versorgt.

Auch, wenn es im November und Dezember dieses Jahres bislang noch eher mild abging – Winterstürme und Schneemassen können sich in der Saison 2015/16 jederzeit einstellen. Gerissene Stromleitungen sind in diesem Zusammenhang keine Seltenheit. Auch die Prignitz traf ein solches Szenario bereits – zuletzt vor fünf Jahren, als viele Haushalte entlang der Elbe kurz vor Heiligabend im Dunkeln saßen.

Ursache waren gerissene Leitungen, hervorgerufen durch massive Eisschichten und in die Trassen geknickte Bäume. Feuerwehren, THW und Mitarbeiter des Stromversorgers Wemag waren damals im Dauereinsatz. Dennoch waren die Bewohner von Cumlosen und Wentdorf fast 24 Stunden ohne Strom. Erst gegen 19 Uhr flackerten die Lampen in der Region Lenzen-Elbtalaue wieder.

„Zu solchen Szenarien kann es immer wieder kommen“, sagt der Leiter des Prignitzer Brand- und Katastrophenschutzes, Erich Schlotthauer. Eine Risikoanalyse des Landkreises könne diese These belegen. Neben Wetterkapriolen kommen als auslösende Momente auch Betriebshavarien oder Probleme in Schaltanlagen in Betracht. Denkbar sei zudem, dass Treckerfahrer Hochspannungsmasten rammen und die umkippen, erklärt Schlotthauer im Gespräch mit unserer Redaktion.

Spätestens seit dem Vorfall 2010 ist die Prignitz gewappnet, hat Übungen zusammen mit dem Katastrophenschutz und den Energieversorgern durchgeführt. Die letzte habe erst vor einem Jahr stattgefunden. „Von der Sache her gehe ich davon aus, dass wir hier in der Lage sind, im Notfall einige Zeit zu überbrücken“, betont der Sachbereichsleiter. Die Energieversorger hätten nach Schlotthauers Angaben einen Plan B in der Tasche, wie sie zügig reagieren könnten.

Er hofft aber, dass es in seinem Zuständigkeitsbereich niemals zu so einem Zwischenfall kommt, wie vor zehn Jahren im Münsterland (Nordrhein-Westfalen), wo der Schneesturm fast das komplette Freileitungsnetz zerfetzte.

„Das Münsterland ist halb so groß wie die Prignitz und da dauerte der Stromausfall fünf bis sechs Tage. Um wichtige Gebäude wie Krankenhäuser dennoch mit Strom versorgen zu können, mussten 760 Notstromaggregate aus ganz Deutschland in die Region geholt werden“, erinnert sich Erich Schlotthauer. „Nicht auszumalen, wenn unsere Region so eine Katastrophe durchmachen müsste.“

In diesem Zusammenhang erinnert sich der Sachbereichsleiter an den Rekordwinter 1978/79, als viele deutsche Regionen von der Stromversorgung abgeschnitten wurden. „So ein Ereignis kann immer wieder kommen. Da sollte sich jetzt einmal jeder an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob er sich auf Notfälle zu Hause vorbereitet hat.“

Schlotthauer verwies in diesem Zusammenhang auf die Hinweise des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). „Im Internet hat das Amt auf seiner Webseite einen sehr guten Leitfaden zur Vorsorge und Selbsthilfe veröffentlicht“, sagte er.

Allerdings sind nach Schlotthauers Angaben ganze 68 Prozent der Bevölkerung nicht auf massive Stromausfälle vorbereitet. „Je näher man an städtische Siedlungen herankommt, desto schlechter sind die Menschen auf alle Eventualitäten eingerichtet."

Die Auswirkungen, ohne Strom dazusitzen, können immens sein: So ist die Bargeldversorgung gestört, weil Geldautomaten nicht funktionieren. Die ganze Telekommunikation ist abgeschnitten – kein Internet, kein Telefon. Die gesamte Krankenhaustechnik kann nur noch über Notstromaggregate am Laufen gehalten werden.

Für den Fall der Fälle sollte man sich laut BBK neben Nahrung auch ausreichend mit Kerzen, Taschenlampen oder Gaslichtern bevorraten. Dazu gehöre überdies die Anschaffung eines eigenen Gaskochers sowie warme Kleidung und batteriebetriebene Kofferradios, um Infos vom behördlichen Krisenstab zu empfangen. Außerdem gebe es elektrische Geräte mit Dynamoantrieb und Handkurbel.  

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