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Der Prignitzer

25. November 2017 | 04:53 Uhr

Wenn der Fluss zur Wiese wird

vom

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2012 | 08:17 Uhr

Perleberg | Es grünt so grün. Mittlerweile kann man die Stepenitz an einigen Stellen kaum noch von einer Wiese unterscheiden. Unsere Leserin Bärbel Zander ist sichtlich verärgert angesichts der Verkrautung des Flusses, der sich durch die Stadt schlängelt. Dann ragen auch noch umgefallene Bäume, an denen Biber ihren "Zahnstatus" hinterlassen haben, in die Stepenitz. Breite Schilfgürtel machen noch dazu die Uferzone unansehnlich, schreibt unsere Leserin. "Viel Unrat, den verantwortungslose Bürger hier entsorgt haben, bleibt nun hängen und verunziert den Fluss.

Ein Blick von der Wittenberger Torbrücke lässt nur noch vermuten, wo die Grenze zum Altstadtkern verläuft. Schaut man von der Hamburger Torbrücke Richtung Schwanenhaus, sieht man die Stepenitz langsam zuwachsen. Ein ähnlicher Anblick von der Jungfernbrücke und der Ziegelhofbrücke, heißt es weiter in dem Brief.

"Historisch gesehen schützt sich eine Stadt durch ihren günstigen Standort am Wasser vor eindringenden Feinden. Nun ist man auf dem besten Wege, Touristen abzuschrecken. Was nützt uns eine denkmalgeschützte Altstadt, umgeben von einem zugewucherten Pfuhl?" Bärbel Zander kann sich noch an jene Tage erinnern, wo Männer in Wathosen per Hand das Grün im Fluss gemäht haben. "Da war alles top sauber. Heute zieht das Mähboot seine Bahn in der Mitte der Stepenitz, und alles am Rand bleibt wie gewachsen."

Der "Prignitzer" griff zum Hörer und wandte sich an das Landesumweltamt. Denn in seiner Hoheit befindet sich die Stepenitz. Die tropischen Temperaturen zum einen, dann wieder die überaus feuchte Witterung der vergangenen Wochen ließen den Fluss mächtig ins Kraut schießen. Teilweise mehr, als in den Vorjahren, räumt Bodo Schwiegk, Leiter Regionalabteilung West im Landesumweltamt, ein. Unabhängig davon sei für die Stepenitz im Stadtbereich jährlich planmäßig eine zweimalige Mahd vorgesehen. "Und die zweite erfolgt Ende des Monats", so Schwiegk.

Rund 20 Kilometer Stepenitz - von der Stadtmühle bis zum Hochwasserrückhaltebecken sowie von den Riese leiwiesen bis in die Stadt hinein - werden dann wieder gekrautet, wie der Fachmann sagt. Zum einen gewährleiste man mit diesen Arbeiten die Vorflut, zum anderen den Hochwasserschutz. Durch die Verkrautung kann das Wasser nicht ungehindert fließen. Im Fall einer Hochwasserwelle könnte es unter Umständen Probleme geben, da das Kraut die Fließgeschwindigkeit bremse.

Stichwort Schilfgürtel, auch auf diesen werde ständig ein Auge geworfen, denn "die hydraulische Leistungsfähigkeit des Flusses muss gegeben sein. Und das ist sie", betont der Abteilungsleiter. Bestimmte Abschnitte der Uferbereiche, wo diese Voraussetzung nicht mehr geben seien, werden so auch beräumt. Allerdings seien die Zeiträume weitaus größer. Schwiegk spricht von fünf Jahren in der Regel. In diesem Zusammenhang verweist er auf die so genannte europäische Wasser-Rahmenrichtlinie, die die Wasserpolitik stärker auf eine nachhaltige und umweltverträgliche Wassernutzung ausrichtet. "Vor 20 Jahren erfolgte damit ein Umdenken." Im Klartext: Pflanzen- und Tierwelt werde die Möglichkeit eingeräumt sich anzusiedeln. Doch alles unter dem Aspekt des Hochwasserschutzes, denn der habe absolute Priorität.

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