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Streitschlichter hört auf : Wenn der Ast am Zaun zum Zankapfel wird

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Zwei Jahre lang hat Stephan Meißner als Schiedsperson Streitereien geschlichtet

von
erstellt am 09.Jul.2017 | 07:00 Uhr

Stephan Meißner muss ein friedfertiger Mensch sein. Sonst hätte er sich wohl nicht vor zwei Jahren für das Ehrenamt der Schiedsperson im Amt Bad Wilsnack/Weisen beworben – und letztlich die Aufgabe auch bekommen.

Nun legt der 41-Jährige aus beruflichen Gründen sein Ehrenamt nieder. „Ich habe mich vor einem Jahr mit einem Baustoffhandel in Wittstock selbstständig gemacht. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und ist zeitlich schwer mit dem Ehrenamt vereinbar“, so Meißner, der an sechs Tagen in der Woche zwischen seiner Arbeit und dem Wohnort Rühstädt pendelt.

Rückblickend gab es für den Betriebswirt einige Überraschungen während seiner Amtszeit. „Die Aufgabe kostet doch mehr Zeit als ich vorher annahm. Es finden regelmäßig juristische Schulungen an den Wochenenden statt, die man besuchen muss um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dafür musste ich nach Neuruppin oder Wittstock fahren.“

Die zweite Überraschung: „Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Menschen über Lapalien streiten können.“ Sicher liege es immer im Auge des Betrachters, was eine Lapalie ist, schränkt Meißner ein.

„Aber wenn ein Ast schon zehn Jahre über einen Gartenzaun ragt und das plötzlich dafür sorgt, dass ein Streit entsteht, ist das komisch.“

Meist sei etwas anderes der Auslöser für den Zwist. Solche Nachbarschaftsstreitigkeiten bildeten das Gros der Themen für Meißner als Schiedsperson. Das Wichtigste sei, immer neutral zu bleiben, nur so könne man für beide Seiten im Gespräch das Optimum herausholen. „Auch wenn einer mal das Gefühl hat, dass er mehr nachgeben musste als der andere. Das lässt sich nicht immer vermeiden.“

Meißner hält sich für einen pragmatischen Menschen. Er hört sich alles an, wägt zusammen mit den Parteien ab. Manch ein Streit konnte auch schon bei einem Vor-Ort-Gespräch abgewendet werden. Seinen Job habe er wohl ganz gut gemacht, meint der Familienvater lachend. „Ich habe im vergangenen Jahr keine einzige Verhandlung gehabt. Alles konnte vorher schon geklärt werden.“ Viele, die zu ihm kommen, wollen nur eine Auskunft haben, ob der andere dies oder jenes überhaupt darf.

An seinen ersten Fall kann sich Stephan Meißner noch erinnern. Er spielte in seiner Heimat Rühstädt. „Ein Einheimischer war nicht einverstanden mit der Grundstücksbepflanzung seiner Nachbarn. Berliner, die sich hier ein Wochenendhaus bauten. Letztlich konnten sie sich einigen, heute dulden sie sich.“ Mehr kann man manchmal nicht erwarten. Aktuelle Streitigkeiten hat er an seine Wittenberger Kollegin Annemarie Krämer weitergegeben.

Was trieb den 41-Jährigen zu dem Entschluss, sich als Schiedsperson zu bewerben? „Ich las damals die Ausschreibung, dass ein Nachfolger für Heinz Krüger gesucht wird. Damals beim CJD war ich in der beruflichen Weiterbildung tätig und meine Arbeitszeiten ließen mir Raum für so ein Engagement. Also habe ich es versucht.“

Einen konkreten Tipp für seinen Nachfolger hat Stephan Meißner nicht. „Auf alle Fälle sollte derjenige nicht kontaktscheu sein. Man muss mit den Leuten sprechen.“
 

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