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Hilfe für schwer kranke Sophie : Wenn das Blut versiegt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Welle der Hilfsbereitschaft für schwer kranke junge Frau aus Schönhagen bei Pritzwalk / DKMS-Typisierungsaktion am 8. Oktober

Am 9. September feierte sie ihren 23. Geburtstag: Sophie Kukuk aus Schönhagen (Stadt Pritzwalk). Eine große Party gab es nicht – das ist auf der Isolierstation der Uni-Klinik Kiel nicht möglich. Dort befindet sich die junge Frau seit diesem Sommer. Sophie Kukuk leidet an der ebenso seltenen wie schwerwiegenden Bluterkrankung: PNH (siehe unten).

Die zuvor kerngesunde Studentin war von heute auf morgen betroffen. Weil sie sich schwach fühlte, suchte sie einen Arzt auf. Mitte August wurde die Krankheit diagnostiziert. Weil sie inzwischen keinerlei Abwehrkräfte mehr hat, wird sie derzeit isoliert, befindet sich in Kiel – dem Ort, an dem sie bis vor kurzem Maschinenbau studierte – an einem besonders geschützten Ort. Im Krankenhaus erhält sie Transfusionen, allerdings bildet sie dennoch keine weißen Blutkörperchen mehr nach.

Ihre Eltern, Jeannette und Mirko Kukuk, bitten – ebenso wie Sophies Tante Annette Heusinger, mit der der „Prignitzer“ am Dienstag telefonieren konnte – um Unterstützung. Konkret geht es um Geldspenden an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die gemeinsam mit Akteuren vor Ort für den 8. Oktober, 10 bis 15 Uhr, eine große Typisierungsaktion in Pritzwalk (Jahn-Halle, Giesensdorfer Weg) durchführt. Dafür werden möglichst viele Teilnehmer gesucht.

Mit einer passenden Knochenmarkspende und der daraufhin möglichen Stammzellentherapie wäre eine komplette Heilung für Sophie möglich, so Antonia Lukas von der DKMS. Es gebe auch medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, diese hätten jedoch lediglich eine hinauszögernde Wirkung. Am Dienstag war sie gemeinsam mit Michael Path aus Perleberg im Pritzwalker Goethe-Gymnasium. Hier absolvierte Sophie einst ihr Abi und hier laufen viele Fäden der Hilfsaktionen zusammen. Schüler ab 17 Jahren konnten sich gestern informieren und sich anschließend per Wattestäbchen und Speichelprobe typisieren lassen. Michael Path ist bereits seit 2006 bei der DKMS registriert. Seinerzeit hatten der Rotary Club Perleberg und der „Prignitzer“ gemeinsam zu einer Typisierung aufgerufen. 307 Menschen folgten diesem Aufruf. Der Rotary Club spendete 4000 Euro für den weiteren Aufbau der Spenderdatei. Path wurde dann 2011 für einen sechsjährigen Jungen aus Spanien zum Spender und Lebensretter. Er berichtete über seine Erfahrungen und ermunterte die jungen Leute zur Typisierung.

Annette Heusinger berichtete, dass Sophies Zustand derzeit – den Umständen entsprechend – stabil sei. Geplant war, dass sie ab diesem Herbst in Hannover ihren Masterstudiengang in Maschinenbau startet. Dieses Ziel rückt zunächst jedoch in weite Ferne. Etwas näher liege, so Heusinger, zunächst die Rückkehr nach Schönhagen, wo dafür gerade die Vorbereitungen laufen. 

Was ist PNH?

Die Abkürzung PNH steht für paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie –  eine Krankheit, bei der sich die roten Blutkörperchen vorzeitig innerhalb der Blutgefäße auflösen.  Es handelt sich  um  eine erworbene Erkrankung,  die  sehr selten ist und einen  lebensbedrohlichen  Verlauf nehmen kann. Ursache ist eine Genmutation, die die Bildung eines speziellen Proteins auf den Blutzellen stört. Betroffene gibt es  in jedem Lebensalter.  Die PNH tritt   entweder direkt ohne vorausgehende Leiden oder auch als Komplikation anderer hämatologischer Erkrankungen auf.  Die Geschichte der PNH reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der Greifswalder Professor Paul Strübing beschrieb 1882 erstmals diese Krankheit am Fall eines 29-jährigen Patienten.

Eine Stammzelltransplantation ist die einzige Therapie, die den Zelldefekt  kurieren kann. Sie wird  bei PNH-Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf in Betracht gezogen. Alternativ kämen medikamentöse Behandlungen in Betracht,  die allerdings den grundsätzlichen Defekt nicht beseitigen können.

• Typisierung für die Knochenmarkspenderdatei

Am 8. Oktober laufen in Pritzwalk (Jahnhalle, Giesensdorfer Weg, 10 bis 15 Uhr, Schirmherr: Christian Müller, stellv. Landrat)) sowie in Neumünster parallel Typisierungsaktionen der DKMS. In Neumünster  organisiert das  die Firma Danfoss, bei der Sophie  den praktischen Teil ihres dualen Studiums absolvierte.  Die Aktion in Pritzwalk wird per Blutentnahme durchgeführt – das erlaubt eine genauere Bestimmung aller wichtigen Parameter als die Speichelprobe.  Bei der Typisierung und der Pflege der Knochenmarkspenderdatei ist die DKMS auf Geldspenden angewiesen. Infos im Detail online: www.dkms.de.


 

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