Gefährliche Prignitz : Weniger Wild im Wald, aber Unfälle steigen

Die Gefahr von Wildunfällen ist in der Prignitz überdurchschnittlich hoch.
Die Gefahr von Wildunfällen ist in der Prignitz überdurchschnittlich hoch.

Besonders viele Rehe verunglücken auf den Straßen – Jäger und Polizei forschen nach den Ursachen

svz.de von
18. März 2016, 05:00 Uhr

Der Anstieg der Prignitzer Wildbestände ist nach Einschätzung der Jäger vorerst zum Stillstand gekommen, aber die Unfallzahlen sind 2015 deutlich gewachsen. Der Anstieg um 7,5 Prozent auf 905 Zusammenstöße wird die beiden Jagdverbände über die morgigen Delegiertenversammlungen hinaus in den nächsten Monaten beschäftigen.

Wildschweine und Rehe gebe es etwas weniger, darauf ließen gesunkene Abschusszahlen des zu Ende gehenden Jagdjahres schließen, sagt der Vorsitzende des Jagdverbandes Pritzwalk, Werner Sperling. Dagegen bleibe der hohe Waschbärenbestand ein Problem. Eine Besonderheit im Gebiet des Jagdverbandes sind die Mufflons mit inzwischen verträglichen Beständen im Raum Putlitz und bei Blumenthal.

Die hohen Unfallzahlen bei Rehwild, zehn Prozent der jährlichen Strecke fallen dem Straßenverkehr zum Opfer, beschäftigen den Jagdverband seit Jahren. „Wir haben viele Gefahrenschwerpunkte identifiziert und Reflektoren aufgestellt. Ein Pritzwalker Jäger entwickelte Duftsäulen zur Abschreckung. Aber wir können nur Teilbereiche sichern“, so Sperling. Ein Risiko ist der Verdrängungseffekt. Wird das Wild an einigen Stellen abgeschreckt, sucht es sich neue Wege.

Von leicht sinkenden Beständen geht der Vorsitzende des Jagdverbandes Perleberg, Bernhard Elstner, aus. Bei allen Arten wurden nach seiner Einschätzung in den vergangenen Monaten weniger Tiere erlegt. Ob das der Beginn eines längerfristigen Trends sei, lasse sich nicht sagen. Die Zahlen ließen wegen der großen Flächen nur bedingt Rückschlüsse auf die Gesamtbestände zu, so Elstner. Für eine belastbare Aussage über die Bestände wäre eine Wildzählung über Kreisgrenzen hinaus nötig, die nicht in Sicht sei. Rehwild bleibe die vorherrschende Art. Aussagen zur künftigen Entwicklung hält Elstner auch wegen geänderter Jagdzeiten für schwierig. Mit der Neuregelung habe das Land Jägern und Beständen keinen Gefallen getan.

Auch die Untere Jagdbehörde kann die Wildbestände nicht abschließend beurteilen, geht aber von stabilen Zahlen aus. „Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Bereichen mit jeweils sehr verschiedenen Entwicklungen bei einzelnen Arten“ , erläuterte Manuel Schmidt. Einen Grund sieht er im Anbau von Kulturen wie Mais, der beispielsweise die Vermehrung der Wildschweine fördere. Insgesamt gebe es jedoch auch bei diesen keine größere Zunahme. Wildschweinsichtungen nahe einiger Siedlungen seien wahrscheinlich auf das Füttern der Tiere zurückzuführen, die dadurch auch die Scheu vor den Menschen verlören.

Schmidt verweist auf verschiedenen Schritte zur Wildunfallverhütung wie der Installation neuer Reflektoren an den Straßen und weitere Tempo-80-Bereiche. Die Unfallkommission aus Vertretern von Polizei und Jägern arbeite stetig daran, Gefahrenbereiche zu identifizieren und zu entschärfen.

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