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Sorge in Wittenberge : Weniger Arbeit im Bahnwerk

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach Aus für Betriebe in Eberswalde und Zwickau auch Einschnitte in Wittenberge. Laut Bahn gebe es keine betriebsbedingten Kündigungen.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 08:00 Uhr

„Derzeit sind keine betriebsbedingten Kündigungen geplant. Allerdings ist es perspektivisch notwendig, die Zahl der Beschäftigten an die Auftragslage anzupassen.“ Mit diesen Worten reagierte eine Bahnsprecherin auf die Frage nach der Zukunft des Wittenberger Instandhaltungswerkes, die angesichts der angekündigten Schließung der Werke in Eberswalde und Zwickau vor allem die 920 Mitarbeiter in der Elbestadt umtreiben dürfte.

„Das Werk Wittenberge ist für uns von existenzieller Bedeutung.“ Mit dieser Bemerkung unterstrich Bahnchef Rüdiger Grube bei seinem Besuch am 14. Juni 2013 die Stellung, die das Instandhaltungswerk im Konzern einnimmt. Damals bedrohte die Elbeflut den Betrieb, in dem vor allem Reisezugwagen und Radsätze instandgesetzt werden, und Grube machte sich persönlich ein Bild von den Schutzmaßnahmen.

Dieses Mal ist es nicht die Flut, die Probleme bereitet, sondern Ebbe. Ebbe in den Auftragsbüchern. „Der Instandhaltungskuchen wird weiter schrumpfen“, hatte Uwe Fresenborg, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Fahrzeuginstandhaltung, die Hintergründe erläutert. Wie kann das sein, angesichts der Tatsache, dass der Güterverkehr auf dem Niveau der Vorjahre liegt und die Passagierzahlen im Reisezugverkehr in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen sind?

Der Güterverkehr sei in den vergangenen Jahren stark rationalisiert worden, sodass mit weniger Waggons die gleiche Transportleistung erbracht werden könne, heißt es aus dem DB-Konzern. Deshalb auch das Aus für das auf Güterverkehr spezialisierte Werk in Eberswalde und die Werkstatt in Zwickau. In Wittenberge sei davon allenfalls die Radsatzwerkstatt betroffen, die auch die Gütersparte bediente. In Bezug auf den Personenverkehr muss die Bahn allerdings einräumen, dass mit dem Wegbrechen von Verkehrsleistungen durch verlorene Ausschreibungen auch der Instandsetzungsbedarf sinke. „Wenn weniger Züge der Bahn rollen, muss auch weniger repariert werden“, so die Bahnsprecherin. Was das konkret für Wittenberge bedeutet, blieb offen.


Belegschaft befürchtet weitere Einschnitte


Aus Belegschaftskreisen ist zu erfahren, dass bis zum Jahresende 81 Beschäftigte über einen Sozialplan das Werk verlassen sollen. Darüber hinaus gibt es Befürchtungen, dass bis 2018 weitere Einschnitte bis hin zu einer Halbierung der Mitarbeiterzahl drohen.

Diese Befürchtungen nimmt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sehr ernst. „Im Instandhaltungsgeschäft ist viel Bewegung, der Güterverkehr stagniert und ist kaum kostendeckend zu bewirtschaften und auch im Personenverkehr bekommt die Bahn immer mehr Konkurrenz“, so EVG-Sprecher Oliver Kaufhold. So schwebe auch über dem Werk in Cottbus das Damoklesschwert. Kurzarbeit und Entsendung von Mitarbeitern an andere Werke seien nicht unüblich.

„Wir verlangen von der Bahn ein klares Konzept, wie es mit den Werken weiter geht. Vorher Nägel mit Köpfen zu machen, ist gegenüber den Beschäftigten unverantwortlich, zumal der Altersdurchschnitt hoch ist, viele Mitarbeiter Familien haben und nicht einfach den Standort wechseln können.“ Es könne nicht sein, dass plötzlich die Chefs in der Werkhalle stehen und den Beschäftigten mitteilen, dass das Werk schließt, so Kaufhold.

Das Problem der Konkurrenz sei unübersehbar. Die Bahn dürfe sich aber nicht scheuen, ihre Mitarbeiter zu unterstützen. „Gegebenenfalls auch in Form von Betriebsübergängen, wo notwendig, auch zu Mitbewerbern“, sagt der EVG-Sprecher.


Stadt hofft auf Standortsicherung


„Wir setzen darauf, dass die Bahn zu ihrem Wort steht, dass das Werk in Wittenberge unverzichtbar sei“, kommentierte Bürgermeister Dr. Oliver Hermann den Sachverhalt. „Eine Reduktion der Mitarbeiter entsprechend der Auftragslage hat Uwe Fresenborg bei einem Besuch im Frühjahr eingeräumt, aber auch klar gestellt, dass an diesem Standort weiter investiert werden soll.“ Aussagen zur mittel- und langfristigen Entwicklung habe es aber nicht gegeben, so Hermann.

 

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