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Dokumentarfilm „Wende ’89“ : Wendebiographien auf Zelluloid

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kai Dahlke, aufgewachsen in Lenzen und Ludwigslust, gehört zu den „Wendekindern“, die im Film porträtiert werden

von
erstellt am 22.Okt.2015 | 12:00 Uhr

„Ich hatte zunächst ein bisschen Angst, was bei einer emotionalen Aufarbeitung, mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall, zutage treten würde. Letzlich habe ich mich wegen meiner Kinder entschieden, bei diesem Projekt mitzumachen. Denn wenn wir irgendwann mal über die Zeit sprechen, was gibt es besseres, als ihnen erstmal den Film zu zeigen?“, sagt Kai Dahlke, der in Lenzen aufgewachsen ist. Er ist einer der Hauptdarsteller der Dokumentation „Generation ’89 – Erwachsenwerden im Wendejahr“, die am Freitag um 20.30 Uhr erstmals im Luna Filmtheater in Ludwigslust gezeigt wird.

Zusammen mit Regisseurin Anke Ertner wird Kai Dahlke, der 1989 in Ludwiglust auf die damalige Erweiterte Oberschule (EOS) gegangen ist und bis 1991 im Internat gewohnt hat, für ein anschließendes Filmgespräch zur Verfügung stehen.


Sechs Menschen erinnern sich


„Generation ’89“ ist die bisher nicht erzählte Geschichte der Wiedervereinigung. Das Wendejahr aus Sicht von sechs normalen Mädchen und Jungen aus Ostdeutschland. Damals, im bewegten Herbst 1989, sind sie zu jung, um später in die gängigen Raster von „Stasiopfer“, „Ostalgiker“ oder „Jammerossi“ zu passen – und zu alt, um im neuen, bald vereinten Deutschland einfach unbekümmert weiter erwachsen zu werden. Gemeinsam reisen sie zurück in eine Zeit, die sie so ganz anders erlebt haben, als der Rest der Welt denkt.

Die ungewöhnliche, unabhängig produzierte Dokumentation zur deutschen Wiedervereinigung lief zuvor erfolgreich bei diversen Festivals in London, Berlin, beim Neißefilmfest, in New York sowie den Internationalen Film Festivals von St. Tropez, Madrid und Jarkata.

Als die Mauer fällt, sind Anke Ertner, Kai Dahlke und ihre Freunde zwischen 14 und 18 Jahre alt. Ihre Eltern sind Lehrer und Pfarrer, Journalisten und NVA-Soldaten. Im Übergang vom Kind zum Erwachsenen werden die Eckpfeiler ihrer Existenz in Frage gestellt. Elternhaus, Schule, Staat, was war überhaupt wahr an dieser Kindheit in der DDR? Für sie, die Generation ’89, ist der Weg zur deutschen Einheit weder Moment der Freude noch der Trauer. Sie sehen ungläubig zu, wie ihr bisher gelebtes Leben von einem Tag auf den anderen für ungültig erklärt wird.

„In der öffentlichen Wahrnehmung existieren meist zwei Bilder der DDR-Bürger“, sagt Dahlke, der mittlerweile mit seiner, aus Wootz stammenden Lebensgefährtin Claudia Wendt, und den zwei Kindern in Berlin lebt und arbeitet. „Das eine Bild sind die fahnenschwenkenden, mit Freudentränen in den Augen über die Grenze Fahrenden, die im Westen mit Bananen und Schokolade begrüßt wurden. Das andere Bild trat erst einige Monate nach der Wiedervereinigung zutage: Job verloren und kein Geld, um an den neuen materiellen Möglichkeiten teilzuhaben.“


Viele Stunden Interviews


Warum er bei der Aufarbeitung der Geschehnisse mitgemacht hat? „Anke und ich sind seit langem befreundet. Sie hat mir beim Joggen oft von ihrem geplanten Filmprojekt erzählt. Ich wurde 1989 gerade 17 und alles ging unglaublich schnell. Da waren das Abitur, die Armee, dazwischen die erste große Liebe. Dann die Entscheidung, was mache ich mit meinem Leben: studieren oder erst mal eine Ausbildung? Es blieb nur wenig Zeit, die gesellschaftlichen Veränderungen gedanklich zu verarbeiten“, erklärt der heute 42-Jährige seine Beweggründe. „Wir haben zig Stunden Interviews geführt. Irgendwann habe ich nicht mehr gemerkt, dass Kamera und Ton mitliefen. Bei den Gesprächen sind mir viele Dinge eingefallen, über die ich seit Ewigkeiten nicht mehr nachgedacht oder gesprochen habe. Das war zum Teil auch sehr emotional. Außerdem waren wir quasi an Originalschauplätzen, haben in Lenzen und auch in Ludwigslust gedreht“, erinnert sich Dahlke.

Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. „Ich habe Anke immer vertraut, sodass ich mir keinen Rohschnitt, sondern erst den komplett fertigen Film angesehen habe. Es war ein sehr schöner Moment, als ich den Film gemeinsam mit den anderen Protagonisten erstmals ansah. Ich hoffe , dass diese Dokumentation auch den Leuten in meiner alten Heimat gefällt.“  

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