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Alles Gute zum Ehrentag : Weisens Älteste wird 100

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lotte Jacobi feierte am Sonnabend in Weisen ihren 100. Geburtstag. Ihre Ur-Enkel überraschten die Jubilarin

von
erstellt am 09.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Lotte Jacobi mag die Handarbeit, sie strickt Strümpfe oder auch Topflappen. Was sich erstmal nicht so ungewöhnlich anhört wird bemerkenswert, wenn sie ihr Alter verrät. Denn Lotte Jacobi wurde am Samstag 100 Jahre alt. Auf den Tag genau, am 7. Januar 1917, wurde die älteste Bürgerin der Gemeinde Weisen als Lotte Junghans in Kiel geboren. Und das, obwohl ihre Mutter aus der Altmark stammte. „Der Vater meiner Mutter durfte nicht wissen, dass ich unterwegs war. Deswegen ist meine Mutter nach Kiel gegangen“, erzählt die rüstige Dame.

Doch kurz nach ihrer Geburt ging es zurück an die Elbe, nach Wittenberge, wo Lotte Jacobi mit ihren drei Geschwistern in der Karlstraße aufwuchs. Ihr Vater arbeitete bei der Bahn, doch das Geld reichte nicht, um der Tochter eine Ausbildung zu bezahlen, „wie es damals üblich war“, so Lotte Jacobi. So erlernte sie keinen Beruf. Zunächst half sie hier und da als Kindermädchen aus, bevor sie 1935 zum Nähmaschinenwerk kam. „Dort habe ich als Lackiererin in der Holzabteilung gearbeitet. 1939 wurde sie schwanger mit Sohn Egon und hörte im Nähmaschinenwerk auf. Damals wohnte sie bereits in Weisen. Zwei Jahre später kam der zweite Sohn, Günter, zur Welt. Ihren Mann, Ernst Wilhelm Michalski, lernte Lotte Jacobi beim „Flanieren“ in Wittenberge kennen. „Wir haben auch zusammen den Arbeitsdienst absolviert, aber da sind wir uns nicht aufgefallen.“ Doch auf der Straße weckte Lotte Jacobi das Interesse ihres späteren Gatten. Er sprach sie einfach an und 1939 wurde geheiratet. Kurz danach wurde Ernst Wilhelm Michalski zum Kriegsdienst eingezogen, seinen Sohn Egon sah er nur kurz, als dieser ein Jahr alt war. „Mein Mann fiel 1941 in Russland. Nach dem Krieg war es eine schwere Zeit“, erzählt Lotte Jacobi, die ihren Bruder Gerhard 1944 ebenfalls durch den Krieg verlor. Allein mit zwei Kindern schlug sie sich durch. Sie nahm die beiden mit, wenn es mit dem Handwagen über die Dörfer bis nach Groß Buchholz ging, um Waren zu tauschen. „Eine Kartoffel wurde für den Eintopf zerrieben, damit es etwas reichhaltiger wird“, erinnert sich Sohn Egon Michalski (77), der mit seiner Frau und seiner Mutter in der Weisener Dorfstraße wohnt. Nach dem Krieg hielt Lotte Jacobi sich und ihre Kinder mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Mal half sie in der Weisener Kita aus, mal betreute sie die Nachbarskinder und bekam Milch dafür, vorübergehend war sie auch in der Weisener Außenstelle der Gärtnerei Krone tätig.

Im Jahr 1962 traf sie dann ihren zweiten Ehemann Walter Jacobi. Der arbeitete in der Konsumtischlerei in Wittenberge. „Er hatte im Ersten Weltkrieg eine Hand verloren, aber er war trotzdem handwerklich sehr geschickt. Ich habe Walter durch meine Schwester Gertrud kennengelernt, die mit seinem Bruder verheiratet war.“ Am 1. Dezember 1962 heiratete Lotte ihren Walter in Breese. Zwei Jahre später kaufte das Paar das Haus in der Dorfstraße, in dem Lotte Jacobi heute noch mit Sohn Egon und der Schwiegertochter wohnt. 1983 starb Walter Jacobi.

Aktiv ist die Jubilarin auch heute noch. „Ich mache gerne Handarbeit. Im Moment ist es aber leider nicht möglich, weil ich Probleme mit meinem Auge habe. In diesem Monat werde ich noch operiert.“ Einen Tipp, wie man ein so hohes Alter erreicht, habe sie nicht. „Ich esse in Maßen, habe nie geraucht oder Alkohol getrunken.“

Am Samstag waren auch die sechs Enkel, zwölf Ur-Enkel und der erste Ur-Ur-Enkel bei der Feier dabei. „Ich habe eine große Familie. Alle kümmern sich um mich. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Lotte Jacobi lachend. Für eine besondere Überraschung sorgten die beiden Ur-Enkel Anna und Martin Michalski. Sie trainieren in der Tanzschule Schier-Rösel und zeigten, was sie können. Natürlich gratulierte auch Bürgermeister David Leu und wünschte „Lebensfreude und eine Familie, die Ihnen zur Seite steht“.  

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