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Prignitzer Unternehmen : Wegen der Liebe nach Wittenberge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hermann Schaub kam aus Berlin und gründete hier vor 100 Jahren eine Firma, die heute sein Urenkel Thomas führt

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 16:54 Uhr

Ob Hermann Schaub Anfang des 20. Jahrhunderts, als er sich in Wittenberge niederließ, wohl daran gedacht hat, dass es die Firma Reklame-Schaub auch 100 Jahre später noch geben könnte? Das ist in der Familie nicht überliefert. Aber der heutige Chef Thomas und sein Vater Wolfram wissen aus Erzählungen, dass die Liebe den jungen Hermann aus Berlin nach Wittenberge zog. Hermann Schaub war vom Fach. Wittenberge damals eine aufstrebende Stadt. Es passte. Schaub ließ sich in der Bäckerstraße nieder. Im Logo der Firma steht „Seit 1915“.

„Bis vor drei Jahren saßen wir dort mit unserer Firma, haben im Laufe der Jahre immer wieder an- und ausgebaut, weil der Platz nicht reichte“, erinnert sich Wolfram Schaub. Er ist der dritte Firmenchef in der Reihe der Schaubs. 1977 hatte er das Werbeatelier von seinem Vater Arno übernommen, führte es bis 2009.

Dann übernahm Sohn Thomas. Anfangs habe es gar nicht so ausgesehen, als wenn Thomas beruflich in die Fußstapfen seiner Altvorderen tritt, sagt sein Vater. Sein Sohn absolvierte eine Berufsausbildung zum Mauerer mit Abitur, arbeitete später in einem Gärtnereigroßbetrieb, war dessen stellvertretender Leiter. Der Weg war vorgezeichnet. „Bis mein Vater eines Tages zu mir sagte: ,Ich könnte dich jetzt gebrauchen’“, erinnert sich Thomas Schaub. Er sattelte um, sitzt, um im Bilde zu bleiben, heute fest im Sattel. Aber nicht mehr in der Bäckerstraße.

Irgendwann reichte der Platz dort wirklich nicht mehr aus, alle Möglichkeiten des Um- und Ausbaus sowie der Modernisierung waren ausgeschöpft. Das Traditionsunternehmen suchte ein neues Domizil, blieb sich treu, weil es in der Gegend blieb, auf einen Neubau verzichtete, dafür lieber einen historischen Wittenberger Gebäudekomplex nach langjährigem Leerstand rettete und aufwertete. Mit dem Umzug in die Bürgerstraße vollzog Thomas Schaub auch einen behutsamen Wechsel in der Außenwerbung seines eigenen Unternehmens. Er gab ihm ein moderneres Logo. Der Firmenname ist ergänzt durch Werbeatelier. „Das trifft es genau“, sagt Thomas Schaub. „Wir stehen für Werbegestaltung. Unsere Palette reicht von der Gestaltung von Schildern über Fahrzeugbeschriftung, Digital- und Textildruck, Beflockung bis hin zu Stempeln, Drucksachen und Grafikarbeiten.“ Das Wort Mediengestalter beschreibt dieses Spektrum gut, aber Schaubs bleiben dabei: Sie sind Werbegestalter.

Zu ihrem Handwerkszeug gehört heute zwingend die Computertechnik, so wie vor 100 Jahren der erste Schaub auf Pinsel und Farbe zwingend angewiesen war. Von seinem Pflegevater in Berlin war Hermann Schaub beruflich vorbelastet, entschied sich für den Beruf eines Dekorateurs, spezialisierte sich auf Pinselmalerei und Schaufensterdeko.

In seinem Atelier hat Thomas Schaub Fotoaufnahmen hängen, sie zeigen, welche Aufträge die Schaubs im Laufe ihrer Firmengeschichte erledigten, worauf sie stolz waren und noch sind. Gleichzeitig verkörpern diese Fotos ein Stück Wittenberger Geschichte. Da war beispielsweise das Kaufhaus Salinger. Entsprechend der Saison wurde dort dekoriert. Die Inhaber legten auf großen Schick Wert, ist aus den 20er Jahren überliefert.

So mancher wird sich vielleicht heute noch an die großen hölzernen Aufsteller erinnern, die in der Bahnstraße standen und für den gerade im Kino Capitol laufenden Film warben. „Das wurde von uns immer wieder neu beschriftet und bemalt“, sagt Wolfram Schaub.

Auch in der Bahnstraße befand sich das Geschäft von Küfes. Dort wurde mit Stoffen, Garn und Zubehör gehandelt. Schaub kleideten die zierlichen Schaufensterpuppen nach der neuesten Mode ein.

Wolfram Schaub erzählt von seiner Zeit als Firmenchef, erinnert sich an Aufträge an der Ostsee, „wo ich zwischen Wismar und der polnischen Grenze jede Menge Aufträge hatte für riesige Glasschilder über Geschäften“. Auch im Harz hatte Schaub zu tun, beispielsweise in Thale. Mit der Wende brachen Konsum und HO als Auftraggeber weg. „Wir mussten uns teilweise neu erfinden, leicht war das nicht“, sagen Vater und Sohn. Aber es habe geklappt. Heute konzentriert sich Thomas Schaub mit seinen fünf Mitarbeitern auf die Region und hat, wie er sagt, gut zu tun.  

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