Unsere Serie: Weihnachten International : Wasserski laufen bei 25 Grad

Gern zeigt Austauschschülerin Kate Gregan – hier mit ihrem Gastvater Thomas Wosny – Bilder aus ihrer Heimat Neuseeland.
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Gern zeigt Austauschschülerin Kate Gregan – hier mit ihrem Gastvater Thomas Wosny – Bilder aus ihrer Heimat Neuseeland.

Die 18-jährige Austauschschülerin Kate Gregan erzählt über die Advents- und Weihnachtsbräuche in ihrer neuseeländischen Heimat, die sich von unseren gänzlich unterscheiden.

svz.de von
14. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Neuseeland.

„Ich liebe Weihnachten in Deutschland. Man kann die Atmosphäre richtig spüren. Ich denke, es ist besser, Weihnachten im Winter zu feiern“, plaudert Kate Gregan und erzählt freudig, dass sie „das erste Mal einen Adventskalender hat“. Und auch der Nikolaus brachte ihr am 6. Dezember erstmals ein paar Süßigkeiten. Die 18-Jährige findet die deutschen Bräuche in der Advents- und Weihnachtszeit einfach nur „cool“. Das alles kennt der Teenager aus Neuseeland nicht. Seit Februar ist die Austauschschülerin hier, besucht die 12. Klasse am Pritzwalker Gymnasium, muss allerdings keine Klausuren schreiben. Im Sommer zog sie zu ihren neuen Gasteltern Anja und Thomas Wosny nach Telschow und die sprechen nur Deutsch mit ihrem Schützling. „Ich konnte vorher kein Deutsch, habe es auch nie in der Schule gelernt“, so Kate Gregan, die in der kurzen Zeit gut die fremde Sprache erlernt hat. Das ist auch ihr Ziel: „Ich wollte nach Deutschland, um Erfahrungen zu sammeln und die Sprache zu erlernen. Ich bin in Neuseeland mit der Schule schon fertig, da hatte ich die Möglichkeit, durch die Organisation AFS diesen Austausch zu machen.“ Die Freundinnen am Gymnasium Pritzwalk „helfen mir sehr viel“.

Gerade jetzt in dieser Zeit macht ihre Gastfamilie sie natürlich mit den deutschen Bräuchen zu Weihnachten vertraut. Und die sind ganz anders als die in ihrer Heimat. „Ich bin schon überrascht, dass hier mit Heiligabend drei Tage lang Weihnachten gefeiert wird. In Neuseeland machen wir das nur am 25. Dezember“, berichtet der aufgeweckte Blondschopf. Zwar gibt es in Neuseeland einen Santa Clause – mehr als Sagenfigur – „aber der verteilt keine Geschenke wie hier der Nikolaus oder Weihnachtsmann.“

Am Morgen des 25. Dezember werden in Neuseeland Geschenke ausgepackt, bis zum Mittagessen wird etwas „gechillt“. Man könne schon sagen, dass ein traditionelles Weihnachtsessen ein Schinken mit Honigkruste ist. Danach packe die Familie ihre Sachen und fährt „an den See in unserer Nähe zum Wasserski. Meine Familie liebt Wassersport“, erzählt das Nesthäkchen, das noch fünf Geschwister hat. Für ihre Heimat sei es eben typisch, dass man den Weihnachtstag am Strand verbringt. Denn in Neuseeland ist jetzt Sommer, um die 24, 25 Grad zeigt das Thermometer an.

Geschmückte Tannenbäume bei herrlichstem Badewetter. In Neuseeland ist das so. „Typisch sind bei uns Plastikbäume, die kitschig-bunt sind, so wie in Amerika.“ Der neuseeländische Weihnachtsbaum ist ein Pohutukawa – auch New Zealand Christmas Tree genannt –, der nur auf dieser Insel wächst. Er ist immergrün, hat eine große, runde Baumkrone und blüht zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar. In Städten wie Auckland bringen die Leute im Dezember etwas weihnachtliche Stimmung. „Dort machen sie Weihnachtsparaden. Ein paar Häuser sind mit Lichterketten geschmückt.“ Traditionelle Advents- und Weihnachtsmärkte wie hierzulande gibt es nicht.

Die 18-jährige Kate stammt aus einer ländlichen Region aus dem nördlichen Teil Neuseelands. In der Nähe liegt die Stadt Otorohanga mit rund 3 000 Einwohnern. Ihr Zuhause ist eine Farm, ihre Familie züchtet rund 500 Rinder. Da erscheint es nicht verwunderlich, dass „ich Steaks vermisse. Hier ist das Rindfleisch so teuer“, stellt der Teenager fest. Mit dem deutschen Essen kommt sie jedoch problemlos zurecht. „Fleisch, Gemüse, Kartoffeln – das ist so wie bei uns.“ Allerdings entdeckte sie einiges, was es zu Hause nicht gibt. „Ich esse Leberknödel sehr gern, die werde ich vermissen. Ich probiere alles“, so die 18-Jährige, die auch vom kulturellen Angebot in Deutschland und Europa angetan ist. So nutzt sie ihren Aufenthalt in Deutschland, um sogar Italien, Polen, die Niederlande, Schweden oder Österreich zu bereisen. Eine Umstellung war für sie das frühe Aufstehen. „Ich muss um sechs aufstehen, da ich ja mit dem Bus zur Schule nach Pritzwalk fahre. In Neuseeland war ich auf einem Internat, brauchte da erst um acht aufstehen.“ Zudem „vermisse ich mein Auto. In Neuseeland musst du mit dem Auto fahren. Die Entfernungen sind so groß.“

Sie liebt jedoch die Entfernungen. Im Februar beginnt sie in Auckland an der Universität ein Studium der Kommunikationswissenschaften. Im Juni wird sie nochmals für vier Wochen hierher zurückkehren, um mit ihrem Jahrgang den Abi-Abschluss zu feiern. Während ihres Studiums plant die junge Frau einen Semester-Aufenthalt in Salzburg. „Die Stadt ist so schön.“ Und da sollte sie doch im Winter hin, auch wenn Schnee nicht ihr Ding ist. Denn dort kann man wie in Deutschland die Advents- und Weihnachtszeit richtig spüren.


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