Streit in Wolfshagen : Wassermühle ohne Happy End

Der Anblick in Wolfshagen: Hier die unsanierte Mühle...
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Der Anblick in Wolfshagen: Hier die unsanierte Mühle...

Streitigkeiten um Wasserrechte zwischen Eigentümer und Landkreis sorgen für jahrelangen Stillstand mit ungewissem Ausgang

svz.de von
10. Mai 2017, 21:00 Uhr

„Ohne Genehmigung herrscht hier Stillstand!“ Diese deutliche Aussage trifft Mühlenbesitzer Markus Schicker, der die Mühlentradition in Wolfshagen fortführen möchte.

Seit 480 Jahren lässt sich die Wassermühle im Ort nachweisen. Vor zehn Jahren ging ihre aktive Zeit zu Ende, als der Mahlbetrieb eingestellt wurde. Ein Jahr später gab es bereits einen Beschluss der Gemeindevertretung zum Abriss.

Aber es gründete sich ein inzwischen nicht mehr existierender Mühlenverein. Große Pläne wurden verkündet, geplant waren unter anderem eine Heimstadt für Künstler sowie für ein touristisches Angebot für Kanuurlauber. Doch nichts davon hat sich entwickelt, nichts wurde bisher realisiert.

Das für den Abriss vorgesehene Geld aus dem Gemeindehaushalt wurde dem Verein übergeben. Statt jedoch diese als Eigenmittel zur Beantragung von Fördermitteln zu nutzen, wurde es für eilig durchgeführte Reparaturen ausgegeben, blickt Gemeindebürgermeister Marco Radloff zurück. Inzwischen ist die Mühle in Privatbesitz des einstigen Schatzmeisters des Mühlenvereins, Markus Schicker.

Er will die Stepenitz nutzen, um wieder Strom zu erzeugen. Daher stellte er bereits 2012 bei der Unteren Wasserbehörde den Antrag um Anerkennung der alten Wasserrechte. 2014 kam die Ablehnung. Seit dieser Zeit führt Markus Schicker einen Rechtsstreit mit dem Landkreis Prignitz. „Die Wasserrechte wurden einst nach preußischem Wassergesetz sicher gestellt“, erzählt er. Nach DDR-Wassergesetz seien sie erloschen. Aber es gäbe eine Karteikarte aus dem Jahr 1986, auf der das Wasserrecht vermerkt sei. „Dieser Vermerk wurde vom Gericht nicht entsprechend bewertet, so dass wir Berufung eingelegt haben“, sagt Schicker. „Da diese nicht zugelassen wurde, läuft eine Beschwerde.“ Der Vorgang liegt nun beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Es steht und fällt alles mit den Wasserrechten, das macht Markus Schicker immer wieder deutlich. „Deshalb ist auch in den letzten Jahren nichts passiert.“

Diesen Zustand bedauert Marco Radloff: „Es ist schade, dass keiner der Pläne umgesetzt wurde. Wer von Dannhof nach Wolfshagen kommt, der sieht auf der rechten Seite das Museumsschloss der ,Gans Edlen zu Putlitz’ , welches sich saniert den Besuchern präsentiert. Auf der linken Seite liegt das unansehnliche Mühlengebäude.“ Er denkt, dass bald die Bauaufsicht einschreiten wird, um notwendige Sicherungsmaßnahmen durchzuführen.

Torsten Rüdinger, Vorstandsmitglied der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg, sei froh, dass die Mühle nicht gemäß der Vereinssatzung an die Mühlenvereinigung gefallen ist. Rüdinger selbst war bei den ersten Gesprächen des Mühlenvereins vor Ort. „Schade, dass es nicht gelungen ist, die Mühle gemeinsam mit dem Schloss wieder herzurichten“, meint er. „Wer sich alte Bilder ansieht, der findet dort meistens das Schloss, die Brennerei und die Mühle gemeinsam als Ensemble abgebildet. „Und ich denke, dass es auch noch einfacher gewesen wäre, Fördermittel zu bekommen.“

Auf Nachfrage bestätigt die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Prignitz, dass die Wassermühle nach wie vor unter Denkmalschutz stehe. Sachbereichsleiterin Ortrud Effenberger ist mit der Situation ebenfalls nicht glücklich. Wie alle Gesprächspartner verweist sie auf den Blick, der sich dem Besucher von Wolfshagen bietet. Sie wünscht sich, dass hier ein Investor, unabhängig von allen Wasserrechten, eine Konzeption realisieren kann und einen Schandfleck beseitigt. Gleiches gilt für die Brennerei, die auf der Internetseite des Kreises zum Verkauf angeboten wird. „Darauf haben wir uns mit dem Eigentümer verständigt“, so Effenberger.

Inzwischen soll die Mühle im Internet zum Kauf angeboten werden. Markus Schicker bestätigt, dass er testen wollte, ob es Interessenten gäbe. 50 hätten sich gemeldet. Doch trennen werde er sich erst, wenn alle rechtlichen Instanzen ausgeschöpft seien. Schließlich wolle er seine Konzepte umsetzen: „Grundlage ist die Stromproduktion von ca. 500 000 Kilowattstunden. Dann sind Wohnungen für Kanufahrer und Radler ebenso realisierbar wie ein saisonal betriebenes Café.“

In Wolfshagen fragt man sich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn 2008 der Abriss erfolgt wäre. So bleibt die Hoffnung auf ein gutes Ende.

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