zur Navigation springen

Konsequenz aus Unwettern in der Prignitz : Wasser soll besser abfließen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie kann den Folgen von Starkregen und anderen Extremwetterlagen vorgebeugt werden?

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Der Prignitzer Wasser- und Bodenverband will im Herbst gemeinsam mit der Kreisverwaltung und Vertretern von Landwirtschaft bis Naturschutz Wege für einen besseren Abfluss von Löcknitz, Stepenitz und Karthane suchen. Dafür wird es unter anderem Gewässerschauen an den Unterläufen von Stepenitz und Löcknitz geben, um Fakten und Vorschläge zu sammeln, neue Lösungen zu finden.

„Eine solche Folge von Starkregenfällen mit 100 Millimetern Niederschlag je Quadratzentimeter wie in diesem Jahr in Juni und Juli habe ich noch nicht erlebt“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz. „Dabei traf gerade im Juli der Starkregen auf bereits mit Feuchtigkeit gesättigte Böden.“

„Nach den 2000er Jahren hatten wir auf damalige schwere Regenfälle mit früheren Krautungen von Flüssen und Abflussgräben im Juni und Juli beispielsweise im Umfeld von Wittenberge, Perleberg, Putlitz und Pritzwalk reagiert, um die Orte und deren Einwohner zu schützen. Diese Lösung gestaltet sich aber gerade in Schutzgebieten schwierig, wo eigentlich erst ab 1. August gekrautet werden darf. Diese Regelung gilt dem Schutz von bodenbrütenden Vögeln, Amphibien und anderen Wasserbewohnern“, so Schröder. Früher gekrautet wurde nach Absprache in diesem Jahr laut Anwohnern auch im Oberlauf der Löcknitz. Diese Aktivitäten sind aber kein Allheilmittel, denn gerade in den Sommermonaten wachsen die Pflanzen in den Uferbereichen und auf der Sohle der Gewässer rasch nach und behindern den Abfluss.

Angesichts der Starkregenfälle und Überschwemmung von Agrarflächen hatte der Wasser- und Bodenverband zügig Sofortmaßnahmen ergriffen. So wurden im Unterlauf der Karthane Wehre geöffnet und der Wasserstand am Schöpfwerk Garsedow von den zu dieser Zeit üblichen 3,40 Meter auf 3,15 Meter gesenkt, um den Abfluss zu beschleunigen. „Da die Elbe derzeit lediglich eine mittlere Wasserführung aufweist, war dies problemlos möglich“, konstatiert der Geschäftsführer. Er erwarte nicht, dass die Wehre am Unterlauf der Karthane in den nächsten Wochen und Monaten wieder geschlossen werden. Die Situation sei ungewöhnlich, üblicherweise ziele das Prignitzer Wassermanagement in den Sommermonaten darauf ab, möglichst viel Wasser in der Landschaft zurückzuhalten. Durch die Extremwetterlagen in diesem Sommer ist es derzeit genau umgekehrt, erläutert Schröder.

Während veränderte Krautungsregelungen nach Ansprachen und Zustimmung aller Beteiligten mit begrenztem Aufwand umgesetzt werden könnten, würden größere wasserbauliche Maßnahmen länger dauern, ein Konzept, ein Planfeststellungsverfahren und Mittel für Investitionen benötigen. Die Umsetzung würde dementsprechend einige Zeit erfordern, betont Schröder. Ob dies von Landkreis, Anliegern, Nutzern und Naturschutz gewünscht sei, werde sich erst bei den Gewässerschauen im September und den folgenden Auswertungen zeigen.

Schröder warnte vor der Vorstellung, alle Agrarflächen, Straßen und Häuser ließen sich auch vor extremsten Wetterlagen und Regenfällen schützen. „Das ist nicht möglich. Auch die Bürger müssen in besonders gefährdeten Bereichen Vorsorge treffen.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen